Zoolander 2

Veröffentlichung  18. Februar 2016    Regie  Ben Stiller    Darsteller  Ben Stiller  Owen Wilson  Penélope Cruz  Will Ferrell  Kristen Wiig
Foto: Paramount Pictures Germany
 IMDb-Wertung
Foto: Paramount Pictures Germany

Das Schicksal der VIP-Welt liegt in den Händen von zwei Hohlköpfen

Über die Jahre hat Ben Stillers Charakter Derek Zoolander Kultstatus erreicht. Alle lieben den einfältigen Typen mit den Schmolllippen! Die Fortsetzung begleitet ihn sowie den gesamten Mode-Zirkus nach Rom – und offenbart neben „Blue Steel“ und „Magnum“ auch einen völlig neuen Look.

Als vor 15 Jahren der Film Zoolander im Kino startete, interessierte sich niemand für die ungewöhnliche Mode-Satire. Erst mit der Heimkino-Veröffentlichung auf DVD (und damals sogar noch VHS!) sollte sich das ändern. Millionen Fans erlagen dem Charme von Zoolander (Ben Stiller), seinem extravaganten Model-Freund (bzw. manchmal auch Feind) Hansel (Owen Wilson) und dem fiesen Modezar Mugatu (Will Ferrell). Die Glanzzeiten der bekannten Fashionista sind jedoch lange vorbei. Nach dem Rückzug aus der Glamourwelt gerieten Derek und seine Bagage in Vergessenheit. Dem Ex-Model gelingt es schließlich erst wieder zurück ins Blitzlichtgewitter zu kommen als es eine mysteriöse Mordserie aufzuklären gilt, bei der unzählige Berühmtheiten – wie Justin Bieber, Miley Cyrus und Madonna – ihr Leben lassen mussten. Der Grund: Alle Ermordeten hatten während ihres letzten Atemzugs noch ein Selfie mit dem „Blue Steel“-Gesichtsausdruck gepostet. Nur was hat das zu bedeuten? Mit der Hilfe von Interpol-Agentin Valentina (Penélope Cruz) versuchen Zoolander und Hansel nun die Verantwortlichen der Gräueltaten aufzuspüren. Eine weitere, wichtige Sache gibt es für Derek Zoolander aber noch neben dem ganzen Ermitteln zu klären: Wird es ihm endlich gelingen zu einer echten Vaterfigur für seinen Sohn heranzuwachsen?

Übertriebene Cameo-Auftritte anstelle von gelungenen Popkultur-Referenzen

Zoolander 2 tut sich schwer damit es allen Zuschauern recht zu machen. Da wären auf der einen Seite die Fans von damals, die sich nur zu gut an Orange-Mocha-Frappuccino-Parties erinnern und wissen, dass es im Leben vor allem darauf ankommt wahnsinnig wahnsinnig wahnsinnig gut auszusehen. Auf der anderen Seite spielten soziale Netzwerke und Smartphones damals noch keine Rolle – aber nun, im Jahr 2016, sollten gleich alle Bereiche des öffentlichen Lebens ihr Fett wegbekommen. Dabei geht dem Film jedoch ziemlich schnell die Puste aus. Die wirklich lustigen Situationen entstehen vor allem im ersten Drittel des Films. Da werden Netflix-Abos per Post zugestellt und ein Uber-Taxi gerufen, um aus der verschneiten Einöde zurück in die Zivilisation zu gelangen. Im Hier und Jetzt angekommen verliert der Film im Nullkommanix seine Bissigkeit. Statt ausgeklügelte Späße über Mode-Blogger und die Messenger-Kultur à la Whatsapp und Snapchat zu machen, bietet Regisseur Ben Stiller hauptsächlich eine Aneinanderreihung von einfältigen Gastauftritten, um so Lach-Highlights zu schaffen. Mit dabei sind etwa Sänger Sting als geheimnisvoller Mönch, 24-Darsteller Kiefer Sutherland als gekränkter Liebhaber und Benedict Cumberbatch als gefragtes Transgender-Model.

Fashion-Stunt als Ankündigung

Die Vorfreude auf Zoolander 2 hätte kaum größer sein können. Als Ben Stiller und Owen Wilson im März 2015 in ihren Rollen als Derek Zoolander und Hansel die Valentino-Show auf der Pariser Fashion Week crashten, stand die Filmwelt für einen Moment Kopf. Zu den kitschigen 80er-Jahre-Klängen von Don’t You Want Me der Band Human League betraten sie den Runway und kündigten die Dreharbeiten zur Fortsetzung an. Im fertigen Film spielt diese Szene zwar keine Rolle, dennoch müssen die beiden sich auch hier ihre Berechtigung in der Fashion-Welt wieder von neuem erkämpfen. Dabei gibt es nicht nur ein Wiedersehen mit ihrem Erzfeind Mugatu, sondern gleich mit der Crème de la Crème der heutigen Szene (darunter Marc Jacobs, Tommy Hilfiger, Anna Wintour, Valentino, Alexander Wang und Vera Wang). Trotzdem steht die meiste Zeit die Frage im Raum: Was haben Derek und Hansel eigentlich in diesem von Ego, Attitüde und Geld getriebenen Teil der Gesellschaft zu suchen, wenn sie doch zusammengenommen allenfalls so ambitioniert wie zwei Kartoffeln sind? Aus dieser Frage könnte natürlich ein Mega-Gag entstehen, doch letztlich war man bei der Umsetzung des Sequels an kleinen Appetithäppchen und nicht an einer weitgespannten Super-Satire interessiert. Nach dem Appetizer fehlt das richtige Festmahl…

Was lange währt, wird endlich gut? Nicht so im Falle von Zoolander 2. Die ausgedehnte Produktionszeit und das wenig fokussierte Drehbuch erweisen sich am Ende als ein überaus chaotisches Kinoerlebnis. Mit einer viel zu geringen Anzahl an Schmunzel-Szenen eignet sich die Fortsetzung nur bedingt als zeitgemäße Persiflage der oberflächlichen Mode-Hölle. Prädikat: nicht gerade „en vogue“.

 

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Rubrik  Kino    Autor      Datum  18. Februar 2016    Worte  676
Permalink  http://www.farbensportlich.de/zoolander-2/    Farbe  #6e897a
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