Yeppa

Da schlummert was in dir

Steffen Sommerlad (Brille) und Peter Stollenwerk wollen den deutschen Hip-Hop wieder beleben. Ihr Rezept ist so einfach wie genial: sie verinnerlichen die Probleme ihrer Generation, nutzen ihren gesamtdeutschen Lokalkolorit und erschaffen “Yeppa” – Band, EP, Lebensgefühl. Selbsttherapiert blicken sie nach vorne und lassen dich, mich und uns an der Energie ihres euphorischen Erstlings teilhaben. Bevor “Yeppa” aber im Bioladen nebenan erkannt werden, stellen sie sich uns einmal vor.

Wer seid ihr und was hat euch zusammengebracht?

Peter: Steffen und ich machen schon seit Jahren zusammen Musik. Unsere Ursprünge liegen im deutschen Hip-Hop der Neunziger.

Steffen: Wir haben uns damals im Design-Studium kennengelernt und hatten ewig den Plan zusammen mal einen Song aufzunehmen – einfach so. Dann bin ich zu ihm gekommen und habe mit Erstaunen festgestellt, dass wir wirklich eine nahezu identische Plattensammlung besitzen. Peter hat alle Platten, die ich auch habe und einige, die ich gerne hätte. Das war ein prägendes Erlebnis. Mit dem gleichen musikalischen Background haben wir dann angefangen ein paar Songs zusammen zu schustern.

Peter: Eigentlich war es so, dass Steffen mit seiner alten Band einen neuen kreativen Input suchte.

Steffen: Das stimmt. Wir haben dann zu dritt Songs veröffentlicht, aber nachdem sich das Projekt verlaufen hat, haben wir gesagt: wir machen jetzt alleine weiter, zu zweit. Als ich dann vor drei Jahren nach Berlin gezogen bin, haben wir mit Yeppa angefangen. Wegen der Entfernung nach Köln sind wir aber immer wieder vom Weg abgekommen. Ich kenne niemanden, der dauerhaft so gütig mit mir ist, wie Peter.

Peter: Das hat aber jetzt ein Ende.

Steffen: Die Fertigstellung unserer EP läutet das Ende ein.

Peter: Wir wollen jetzt zu einem Abschluss kommen. Wenn ich zum Beispiel einen Songs öffne, der teilweise schon drei Jahre auf der Festplatte schlummert, und merke, dass der geil ist – und davon habe ich dann noch zehn Stück – dann schmerzt das.

Nun scheint Yeppa auf einem guten Weg zu sein. Welche Erwartungen habt ihr an eure Veröffentlichung?

Peter: Das der Knoten platzt und die Leute die Platte geil finden! Wir machen ja jetzt schon schöne Sachen, aber stell Dir vor, dass wir die Chance bekommen intensiv dran zu arbeiten – ohne uns nebenbei um andere Jobs oder die Freundin kümmern zu müssen.

Steffen: Ich würde mich gerne ein paar Monate mal nur auf die Musik konzentrieren.

Peter: Wir machen ja jetzt schon schöne Sachen. Aber wir würden gerne intensiv daran weiterarbeiten können – ohne sich nebenbei um andere Jobs oder die Freundin kümmern zu müssen.

Steffen: Yeppa ist für mich eine Art Therapie. Alle Themen, die wir in unseren Texten behandeln, haben mich in den letzten Jahren beschäftigt. Dadurch wird ein starker autobiographischer Hintergrund spürbar. Von Peter und anderen bekam ich das Feedback, dass sich jeder einmal mit den Themen auseinandersetzt. Wenn unsere EP erst einmal draußen ist, dann ist auch die Therapie beendet und es gibt eine Wiedergeburt – Yeppa. Die Songs sollen pushen! Ich würde mich freuen, wenn jemand beim Hören denkt: jetzt gehts los, ich rocke den Scheiß und lasse mich nicht mehr ablenken.

Yeppa ist ein Freudenausruf und eure Musik soll eine positive Grundstimmung erzeugen.

Peter: Ja, im Prinzip geht es in allen Tracks darum etwas fertig zu machen. Und das bildet auch unseren Arbeitsprozess ganz gut ab. Obwohl der Weg weh tun kann, freut man sich am Ende um so mehr.

Steffen: Wir rufen den Leuten Sachen zu, an denen wir selbst zu knabbern hatten. Aber unsere EP ist der Beweis dafür, dass wir es geschafft haben. Das soll die Menschen motivieren auch ihr Ding zu machen und den Tag zu genießen – egal was ist. Ich kann mir unsere Platte gut zum Aufstehen vorstellen. Man macht morgens die Musik an und sagt sich nach den fünf Songs: heute wird ein guter Tag. Uns geht es um ein vorantreibendes Bauchgefühl.

Ihr macht Musik für euch, als Therapie. Wer profitiert noch von euch?

Steffen: Es geht um Menschen, die im Arbeitsleben drin sind, die versuchen neben dem Geld-verdienen ihre Projekte am Laufen zu halten und die kreativ sind, ohne dafür immer Geld zu sehen. So stellen wir uns das vor, weil wir selber aus diesem Umfeld kommen. Aber eigentlich kann jeder aus uns genauso seine Erkenntnisse herausziehen.

Dieser Tage definiert man sich als Künstler ja vor allem durch das Live-Erlebnis. Wie sehen eure Vorstellungen für Auftritte aus?

Peter: Für die Live-Auftritte werden wir uns etwas Besonderes überlegen – mit Band. Wir bieten keine reine Hip-Hop-Nummer an, wo einer da steht und sein MC-Ding durchzieht. Dafür ist unsere Mukke zu offen für andere Einflüsse. Und wir werden live auch nicht genau die Platte wiedergeben, wie sie schon da ist. Eine eins-zu-eins Umsetzung ist langweilig – es wird total minimal sein. Stell dir einen Poetry Slam vor…

Steffen: … nur, im neuen Format. Zu unserer Musik kann man sich nämlich auch ganz gut bewegen!