X-Men: Zukunft ist Vergangenheit

Veröffentlichung  02. Oktober 2014    Regie  Bryan Singer    Darsteller  Hugh Jackman  James McAvoy  Michael Fassbender
Foto: 20th Century Fox
 IMDb-Wertung
Foto: 20th Century Fox

Die Zukunft ist Vergangenheit. Gut ist Böse und Böse gleichzeitig Gut. Was für den einen Frieden ist, bedeutet für den anderen Krieg – und umgekehrt. X-Men: Zukunft ist Vergangenheit begibt sich auf den grauen Pfad der Ambivalenz und des Unglaublichen.

Die Gegenwart sieht für Mutanten düster aus. Von Menschen erschaffene Superwaffen namens Sentinels rotten einen jeden ihrer Spezies systematisch aus. Um sich vor dem Aussterben zu retten, gibt es nur eine Chance: Logan, alias Wolverine (Hugh Jackman, Prisoners), muss mithilfe der Fähigkeiten von Kitty Pryde (Ellen Page, Juno) in die Vergangenheit reisen und dort die Sachen wieder gerade biegen. Genauer gesagt heißt das, dass er zunächst in die 70er Jahre katapultiert wird, um Charles Xavier (James McAvoy, Drecksau) und Erik Lehnsherr (Michael Fassbender, Shame) erneut auf eine Seite zu bringen. Zusammen müssen sie dann Raven bzw. Mystique (Jennifer Lawrence, Silver Linings) davon abbringen den Entwickler der Sentinels, Dr. Bolivar Trask (Peter Dinklage, Game of Thrones), zu ermorden – denn diese öffentliche Hinrichtung würde die Regierung erst zu dem Entschluss kommen lassen den von Trask geforderten radikalen Einsatz von Sentinels zu befürworten. Doch vor all den Handlungen steht noch ein weiteres Problem: der junge Professor X ist alles andere als in Bestform und muss erst einmal davon überzeugt werden seine meisterlichen Kräfte wieder für den guten Zweck einzusetzen.

Nachdem 2011 Matthew Vaughn auf dem Regiestuhl wahre Wunder vollbrachte und der X-Men-Saga mit X-Men: Erste Entscheidung einen frischen Anstrich gab, dem man sich nicht entziehen konnte, nimmt nun wieder X-Men (2000) und X-Men 2 (2003) Regisseur Bryan Singer auf seinem ehemaligen Posten Platz. Dabei weiß er die zuvor so gut funktionierenden Elemente erneut aufzugreifen – politische Einbettung, visueller Mut sowie das Anhäufen einer Vielzahl von Mutanten im humorigen Dialog miteinander – und gleichzeitig weiß er dem Franchise seinen Stempel aufzudrücken. Die Künste der X-Men werden in über zwei Stunden Laufzeit genüsslich ausgekostet. Wir sehen in der Gegenwart beispielsweise Blink (Fan Bingbing, Stadt der Gewalt) im Minutentakt Zeitportale eröffnen, dass es einen den Magen umdrehen kann. Wir können Storm (Halle Berry, Cloud Atlas) bewundern, wie sie die düstere Welt noch mehr in Aufruhr bringt oder auch in den 70ern den zur Höchstform auflaufenden Quicksilver (Evan Peters, Kick-Ass). Dieser sorgt wohl für die meisten Lacher mit seiner sorglosen Art. Schließlich ist er schneller als jeder andere und nutzt seine Fähigkeit dazu, um sich vor allem selbst zu bespaßen. Doch auch das Zusammenspiel von Charles und Erik ist ein ums andere Mal einnehmend. Denn bevor sie zusammen eine Partie Schach spielen werden, muss sich der Zuschauer auf eine sehr emotionale Aussprache der beiden gefasst machen. Generell ist zu betonen, dass der große Vorzug von X-Men: Zukunft ist Vergangenheit die Geschehnisse der 70er Jahre sind – die Retro-Optik, die Kleidung, die Super 8-Mitschnitte wie auch das Miteinbeziehen der vorherigen Ereignisse der X-Men-Filme. Trotz dessen bleibt Bryan Singers Arbeit als Regisseur aber hinter den Erwartungen zurück und kann nicht an das so überraschende Highlight heranreichen, welches Matthew Vaughn den Sci-Fi-Fans vor drei Jahren zu kredenzen wusste.