Ausnahmeregisseur Matthew Vaughn erschuf binnen knappen acht Monaten ein beachtlich komplexe Vorgeschichte, die sich sehen lassen kann. Trotzdessen Kevin Bacon als übler Mitspieler und Schatten aus der Nazi-Zeit mit seinen opulenten Kotletten im groovigen 60er Jahre Look ins Alberne à la Austin Powers droht abzudriften, helfen die globalen Problematiken wie die Kuba-Krise das Niveau in Hochglanzoptik oben zu halten. Wie schon in seinem Vorgänger Kick-Ass weiß Vaughn mit der richtigen Mischung aus Ernsthaftigkeit, Action, Romanze und Witz aufzuwarten. So beweist sich Jennifer Lawrence nach ihrem Erfolg in Winter’s Bone als sinnliche Gestaltenwandlerin Mystique / Raven, die auf der Suche nach sich selbst ist und sich immer wieder die Frage stellt:
Mutant and proud?
Den Stolz sieht man dagegen Emma Frost, die schöne Blonde aus Mad Men, sofort an. Sie ist mit ihren hohen Stiefeln, aber sonst eher knappen 60s Outfits der absolute Hingucker des Films. James McAvoy sorgt an der einen oder anderen Stelle mit seinem vollem Haar und den auswendig gelernten Flirtsprüchen für die humoristischen Glanzmomente.
X-Men: Erste Entscheidung steht dank der erfrischenden Darstellertruppe, den bunten Ortswechseln und der spannenden Vielschichtigkeit als eigenständiges Unterhaltungswerk da. Die an mancher Stelle fehlende Tiefe der Charaktere wird durch die stets wandelnden Gut- und Böse-Zuordnungen einiger Personen fast vollständig wettgemacht. Und so kann man nur dankbar sein, dass Matthew Vaughn nach seiner Absage zur Arbeit an X-Men: Der letzte Widerstand (2006) nicht noch ein zweites Mal abgelehnt hat und somit einen wundervoll inszeniertes Spätsommer-Highlight beschert, wegen dem man getrost alles stehen und liegen lässt, um zu erfahren wie aus Charles Xavier Professor X und aus Erik Lehnsherr Magneto wurde.