Wir sind die Neuen

Veröffentlichung  18. Dezember 2014    Regie  Ralf Westhoff    Darsteller  Gisela Schneeberger  Michael Wittenborn  Heiner Lauterbach
Foto: X Verleih
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Nostalgie schieb ab – die Ablösung ist da

Als Anne (Gisela Schneeberger, Eine ganz heiße Nummer) mit einem Mal aus ihrer geliebten Wohnung ausziehen muss, entschließt sie sich dazu ihre alten WG-Genossen aus der Studentenzeit aufzusuchen und sie von einem erneuten Zusammenzug zu überzeugen. Aufgrund Geldmangels und fehlender Verpflichtungen fällt auch Eddi (Heiner Lauterbach, Schlussmacher) und Johannes (Michael Wittenborn, Wer wenn nicht wir) die Entscheidung nicht schwer und so beleben sie ihre Freundschaft, ihre philosophischen Gespräche und Feiereien bis spät in die Nacht neu. Einziges Problem bei der Sache: die ziemlich verkrampften Nachbarn. Die Mitzwanziger Katharina (Claudia Eisinger, 13 Semester), Barbara (Karoline Schuch, Hannas Reise) und Thorsten (Patrick Güldenberg, Peer Gynt) haben nämlich mit Uni-Abschlussprüfungen zu kämpfen und erwarten dabei von dem gesamten Haus Unterstützung in Form von Ruhe. Das Aneinandergeraten der Generationen steht von nun an auf der Tagesordnung und es bleibt lediglich die Frage zu klären, ob Alt oder Jung als Sieger aus dieser Schlacht hervorgehen wird.

Ja, ja, schon klar. Der Clash of the generations wurde schon umfassend genug thematisiert. Sollte man sich jetzt überhaupt die Mühe machen und näher mit Ralf Westhoffs (zeigte sich ebenfalls bei Shoppen für Regie, Buch und Produktion verantwortlich) Wir sind die Neuen befassen? Unbedingt. Weil die Dialoge, die Pöbeleien der Jungen (“By the way, wenn ihr damals ein bisschen flotter gewesen wärt, dann müssten wir heute nicht über Regelstudienzeiten und Studiengebühren diskutieren.”) wie auch die Naivität der Alten (“Hoffentlich kiffen die nicht ständig, das habe ich echt hinter mir.”) so treffend formuliert sind, dass man als Zuschauer nicht mehr weiß zu welcher Alterstruppe man sich selbst eigentlich zählen kann. Der Film funktioniert, weil er in gerade einmal 91 Minuten Themen wie die Probleme der Leistungsgesellschaft, Altersarmut, in die Höhe schießende Mieten sowie alternative Lebensformen zusammenfügt, dabei auch noch zum Lachen bringt und niemanden verurteilt.

Wir sind keine Gleichgesinnten. Wir sind die Ablösung. (Barbara alias Karoline Schuch)

Die Komödie gefällt, weil das Sextett so locker flockig aufspielt, dass man sich gerne mit den Losern identifizieren mag. Weil die Story sich nicht auf die Inneneinrichtungen der zwei Wohnungen beschränkt, sondern gemeinsam mit dem Betrachter Hinterhof, Seitenstraße und Treppenhaus erkundet und somit ebenso wenig Starrsinn wie die betagten Hauptdarsteller demonstriert. Wir sind die Neuen ist der Beweis dafür, dass auch bei einem so schwer ausgelutschtem Film-Motiv wie dem Konflikt der Generationen noch echte Freude aufkommen kann.