Willkommen in Cedar Rapids

 
Kino 08. Juni 2011
 
Willkommen in Cedar Rapids
 

Today is the first day… of the rest of his weekend.

Tim Lippe (Ed Helms) hat nach dem Ableben seines verehrten Vorgängers die Möglichkeit nach Cedar Rapids in Iowa zu reisen, um dort bei einer Zusammenkunft aller Versicherungsunternehmen seine Firma zu repräsentieren. Sobald er dort angelangt ist, wird durch die Vertreterkollegen Dean Ziegler (John C. Reilly) und Joan Ostrowsky-Fox (Anne Heche) das akkurate Leben des hoffnungslos guten Lippes auf den Kopf gestellt.

Diese herzerwärmende Komödie von Miguel Arteta (führte bereits bei Youth in Revolt mit dem knuffigen Michael Cera Regie) hält sich nicht mit Stereotypen auf. Der Beruf des Versicherungsvertreters wird nicht unter der Gürtellinie veralbert und auch der Kleinstädter wird in seiner naiven Art akzeptiert. Hier wird die richtige Balance zwischen den Extremen gefunden. Sucht Arteta sein Team nach Mixtapes aus, so trifft er auch in seinen Bildern durch die kleinen Details den richtigen Ton. Endlich einmal eine Charakterrolle für den Hangover-Darsteller Ed Helms, der allein durch seinen Blick die Hoffnung in jeder Lebenslage suggeriert und an den Betrachter weitergibt. Die Sympathie wird von Beginn an schon allein durch die warme Farbgebung getragen. Erst in Cedar Rapids und den damit einhergehenden verworrenen Nächten ändert sich die Tonung. Je mehr Lippe einstecken muss, desto stärker überwiegen die kalten Blautöne, um den Betrachter gleich im nächsten Moment wieder mit Wärme und Lippes beruhigenden Lächeln zu umhüllen.

Die Besonderheit des von Phil Johnston geschriebenen Werks ist zudem, dass an keiner Stelle eine Verurteilung der Charaktere stattfindet. Nicht alles ist einfach nur schlecht, was Lippe geschieht. So findet er in seinen Kollegen und im Besonderen in dem ambivalenten Ziegler einen echten Freund. Sollte man bei einem Darsteller wie John C. Reilly denken, es handele sich hierbei um einen durchsichtigen Klamauk, ist das bei Willkommen in Cedar Rapids nicht der Fall. Arteta meinte zu seiner außergewöhnlichen Wahl:

Who could have a foul mouth but make a real character? Who can say that line, “My wife is an asshole” and have it break your heart?

In der Tat scheint Reilly die Abrundung des gemütlichen 90-Minüters zu sein. So wird auf eine herzzerbrechend naive Weise die Geschichte von einem Mann erzählt, der sich durch die extremen Situationen, die in Cedar Rapids auf ihn warten, neu kennenlernt und dadurch über sich hinaus wächst.

 
371 Wörter von Hella, 346 Tage alt