Wer’s glaubt, wird selig – Salvation Boulevard

Veröffentlichung  25. Mai 2012    Regie  George Ratliff    Darsteller  Greg Kinnear  Pierce Brosnan  Ed Harris  Jennifer Connelly
Foto: Mandalay Pictures
 IMDb-Wertung
Foto: Mandalay Pictures

Du sollst (nicht) töten!

Woher kommt eigentlich Religion? Entsteht sie nur aus der Angst vor dem Unbekannten heraus? Diesen großen Fragen möchte man sich in Wer’s glaubt, wird selig – Salvation Boulevard widmen. Denn nach Meinung des Regisseurs George Ratliff (Joshua – Der Erstgeborene) wurde schon viel zu lange über das Thema Religion hinweggeschwiegen und noch weniger gelacht.

Lange Zeit war der gutmütige Carl (Greg Kinnear, Little Miss Sunshine) ein echter Dead Head. Doch als er sich auf dem Weg zu einem Grateful Dead Konzert ordentlich verfährt, kommt er nach einer Weile in einer skurrilen Kleinstadt an. Das Kreise fahren soll sein Leben im Folgenden voll und ganz umkrempeln. Denn die Ortschaft wird von dem überaus charismatischen Mega-Pastor Dan Day (Pierce Brosnan, Der Ghostwriter) mit strenger Hand regiert. Nachdem sich Carl mit Dan Day, der Gemeinde und dem christlichen Gedankengut auseinandergesetzt hat, fühlt er sich wie neugeboren. Mit einem Mal ist er ein Gottesdiener aus Überzeugung. Schließlich konvertiert er und so auch seine Frau Gwen (Jennifer Connelly, A beautiful Mind – Genie und Wahnsinn). Gemeinsam mit der klugen Tochter Angie (Isabelle Fuhrman, The Hunger Games – Die Tribute von Panem) tun sie alles, was dem Kollektiv weiterhilft. Jedoch muss der kleinlaute Carl bald einsehen, dass nicht alles ganz so koscher in dem Laden funktioniert. Denn nach einer heißen Debatte zwischen Dan Day und dem Atheisten Dr. Paul Blaylock (Ed Harris, The Way Back) kommt es zum Unglaublichen: der große Pastor zückt aus dem Affekt heraus eine Pistole und schießt auf den Ungläubigen. Im Schockzustand verspricht Carl nichts zu verraten. Day dagegen plaudert schnell aus, dass Carl der Sündenbock in der Geschichte sei und so stellt sich die ganze Kirche mit all ihrer Macht gegen den armen Mann, der nicht mehr weiß an was er noch glauben kann.

Die kuriose Geschichte von Wer’s glaubt, wird selig – Salvation Boulevard basiert auf dem Roman von Larry Beinhart. Aber bevor der Roman überhaupt publiziert wurde, hatte man ihn schon für eine Verfilmung ins Auge gefasst. Zu spannend und außergewöhnlich sei der Stoff, um ihn allein auf Papier zu sehen. Und so kann man nun die seichte Satire mitsamt einer erstklassigen Besetzung auch auf dem Bildschirm bewundern. Neben Pierce Brosnan, Greg Kinnear, Jennifer Connelly und Ed Harris laufen in den anderthalb Stunden auch Marisa Tomei (The Wrestler) und Ciarán Hinds (Ghost Rider: Spirit of Vengeance) zur Höchstform auf. Aber das Anliegen des Regisseurs, endlich mal eine Debatte über Religion und Spiritualität zu entfachen, wo man sich nicht gleich die Köpfe einschlägt, scheint man nicht erfüllen zu können. Dafür stellt sich der Film, trotz der gelungenen Darbietungen seitens der Schauspieler, einfach zu flach dar. Mag es an der knappen Drehzeit liegen, aber irgendwie will sich so gar kein Mitgefühl mit der leidenden Hauptfigur Carl einstellen. Seine Sinneswandlungen im Laufe des Films scheinen aus heiterem Himmel zu geschehen und lassen den Zuschauer so ganz ohne innere Monologe oder Ähnliches absolut kalt. Von Carl gibt es auf die maßlosen Reaktionen von der Gemeinde meist nur einen trottelig traurigen Blick. Das ist nicht witzig mit anzuschauen, sondern ärgerlich. Eine Jesus-Figur? Wohl kaum. Die humorvollen Elemente, die Regisseur George Ratliff verspricht, da er sie in eigener Kindheit erlebt hat, wollen so gar nicht überschwappen. So bleiben die Mundwinkel unten und das Thema weiterhin nicht filmreif.