We Need to Talk About Kevin

Veröffentlichung  08. November 2012    Regie  Lynne Ramsay    Darsteller  Tilda Swinton  Ezra Miller  John C. Reilly
Foto: Fugu Filmverleih
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Foto: Fugu Filmverleih

Ein inszenatorisches Meisterwerk

Eva (Tilda Swinton, Michael Clayton) ist Ablehnung und Hass gewohnt. Nachdem ihr Sohn Kevin (Ezra Miller, Vielleicht lieber morgen) an seiner Schule ein Blutbad sondergleichen angerichtet hat, schlägt ihr die Wut von allen Seiten entgegen. Sie kann nur wortlos, in Schockstarre, auf die Splitter ihres übrig gebliebenen Lebens blicken. Dass etwas nicht stimmt mit ihrem Kind, hat sie schon immer gewusst. Stets entgegnete Kevin ihr mit distanzierter Abneigung und seinem Vater Franklin (John C. Reilly, Der Gott des Gemetzels) mit freundlicher Offenheit. Eva wusste sich nicht zu helfen. War sie eine von Grund auf schlechte Mutter oder ihre Liebe zu viel? Nach der Gräueltat des zu der Zeit 15-jährigen Sohnes ist es zu spät für eine Veränderung. Sie kann nichts mehr tun. Sie ist gebrochen.

We Need to Talk About Kevin ist eine Herausforderung für die Nerven und visuellen Gewohnheiten. Das mit Horrorelementen gespickte Drama, welches unter der Regie von Lynne Ramsay (sie schrieb auch am Drehbuch mit und führte u.a. Regie bei Morvern Callar), stellt die Verfilmung des 2003 erschienen Romans von Lionel Shriver dar und wird in Rückblenden, langsamen Enthüllungen und beharrlich aus lediglich einer Sichtweise erzählt. So baut sich in den 112 Minuten eine solch immense Spannung, Intensität und ein Schockzustand auf, dass man nicht anders kann als immer tiefer hineingesogen zu werden. In eine wundervoll ästhetische Welt voller Grauen, Ängste und auch Stille. Sehr viel Stille. Denn der Zuschauer begleitet Eva durch einen Alltag ohne viele Worte. Umso mehr Fragen stehen am Ende des Films im Raum. Im Besonderen die nach der Schuld. Denn so wie bereits der Roman mit kraftvollen Leerstellen arbeitete, sucht auch die Verfilmung Erklärungsmöglichkeiten in lyrischen Bildern. Diese sind in tiefes Rot getränkt, könnten Traumsequenzen oder Panikattacken sein.

Der Roman betrat für mich Neuland in Sachen Elternschaft und Kindererziehung. Er greift die Frage auf, was passiert, wenn man als Elternteil keine Beziehung zu seinem Kind aufbauen kann. Ich fand es mutig, dieses Thema anzugehen. (Lynne Ramsay)

Letztlich kann man nur betonen, dass sich all der Mut gelohnt hat. Denn We Need to Talk About Kevin ist ein unvergleichliches inszenatorisches Meisterwerk geworden, welches es schafft das abgrundtief Böse in schönste Bilder einzuhüllen.

 

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Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  14. November 2012    Worte  359
Permalink  http://www.farbensportlich.de/we-need-to-talk-about-kevin/    Farbe  #380800
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