Was bleibt

Veröffentlichung  06. September 2012    Regie  Hans-Christian Schmid    Darsteller  Lars Eidinger  Corinna Harfouch  Ernst Stötzner
Foto: Pandora Filmverleih
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Foto: Pandora Filmverleih

Heimkehren. Für ein Wochenende. Die freien Tage werden genutzt, um Entspannung vorzutäuschen und Spannungen zu entwickeln sowie diese gleichzeitig zu unterdrücken. In Was bleibt widmet sich der Requiem-Regisseur Hans-Christian Schmid dem heimkehrenden Marko (Lars Eidinger, Hell), der als Besucher versucht sich so gut wie nur möglich in das eingespielte Familiengefüge einzugliedern. Doch es soll weniger ein normaler 2-Tage-Trip werden als eine Offenlegung der Probleme eines jeden Einzelnen in der Familie. Was wird wohl am Ende übrig bleiben?

Ich habe echt kein Bock auf das Theater. Essen, ausschlafen und dann gut is.

Markos Wunsch soll sich nicht erfüllen. Mutter Gitte (Corinna Harfouch, Im Winter ein Jahr) gibt bekannt, dass sie sich nach Jahren der Medikamenteneinnahme aufgrund ihrer manischen Depression dazu entschieden hat es ohne Medizin zu versuchen. Der Zeitpunkt dieser Ankündigung ist denkbar schlecht gewählt. Vater Günter (Ernst Stötzner, Die kommenden Tage) hat, nachdem er gerade erst seinen Verlag verkauft hat, bereits seine ganz eigenen Pläne für den Ruhestand geschmiedet und Jakob (Sebastian Zimmler), Markos Bruder, will mit aller Macht seine finanziellen Schwierigkeiten überspielen. Allein Marko steht hinter Gittes Entscheidung und geht ihrem Anliegen nach mehr Offenheit ihr gegenüber auch sofort nach. Jedoch soll seine Freimütigkeit schwerwiegende Folgen für die gesamte Familie haben.

Hans-Christian Schmid und Drehbuchautor Bernd Lange haben mit Was bleibt ein hochkarätig besetztes Drama mit unnachahmlich unterkühlter Intensität erschaffen. Vieles steht unausgesprochen im Raum, aber in jeder Sekunde des 85-Minuten-Werkes verspürt man den Schmerz vergangener Zeiten und neuester Entwicklungen. Ein besonderer Moment ist dabei das gemeinsame Singen eines Schlagers, der deutlich auf glücklichere Zeiten verweist und scheinbar die Luft in den offen konzipierten Räumlichkeiten noch stickiger werden lässt. Dazu werden vielsagende Blicke ausgetauscht und doch wird wenig gesprochen. Als man dann auch noch am Ende den Pfad des Logischen verlässt, um Marko auf seiner verwirrenden Durchquerung des nächtlichen Waldes zu folgen, ist die Größe des so klein angelegten Familienbildes gänzlich bloßgelegt. Die Qualität des feinfühligen Films kann man im Besonderen an den schauspielerischen Leistungen von Lars Eidinger und Corinna Harfouch erkennen, die den einmal einengenden, einmal wärmenden und manchmal auch weit distanzierten Bildern in Zusammenhang mit den nuancierten Dialogen eine umso stärkere Macht ermöglichen.