Victoria

Veröffentlichung  20. November 2015    Regie  Sebastian Schipper    Darsteller  Laia Costa  Frederick Lau  Burak Yigit  Franz Rogowski
Foto: Senator Filmverleih
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Foto: Senator Filmverleih

Alles in einem Rutsch

Ein Thriller, der ganz ohne Schnitt auskommt. Der deutsche Filmemacher Sebastian Schipper zeigt, wie man es richtig macht.

Die Neue in Berlin: Victoria (Laia Costa) ist gerade erst aus Spanien angereist, da stößt sie schon vor einem Club mit den Halbstarken Sonne (Frederick Lau), Blinker (Burak Yigit), Fuß (Max Mauff) und Boxer (Franz Rogowski) zusammen. Die haben für die Nacht einen ganz speziellen Plan: Erst soll ordentlich gepichelt, getanzt, gefeiert und dann eine Bank überfallen werden. Mit dem gestohlenen Geld wollen sie nämlich endlich ihre Schulden bei dem Ganoven Andi (André Hennicke) bezahlen. Die Bekanntschaft mit Victoria kommt ihnen da ganz gelegen: Sie überreden das Mädchen sogleich, das Fluchtauto für sie zu fahren. Und eh Victoria weiß wie ihr geschieht, ist sie mittendrin in einem heiklen Verbrecher-Strudel.

140 Minuten, die wie in einem Rausch vergehen

Victoria wirkt atemlos – wie ein extremes Ausdauertraining auf dem Laufband, nach dem man sich erst einmal ausgiebig abkühlen muss. Der Grund: Der Thriller besteht allein aus einer Plansequenz. Die Kamera ist immer hinter den Protagonisten her und gibt ihnen keine Zeit zum Verschnaufen. Auf solch eine irrwitzige Idee kann auch wirklich nur Sebastian Schipper kommen! Der Absolute Giganten- und Ein Freund von mir-Regisseur wollte das gewagte Erlebnis in den Vordergrund stellen und nicht etwa die Bilder. Dank des ungeschnittenen Durchlaufs sollte der Betrachter das Gefühl erhalten, selbst im Zentrum des Banküberfalls zu sein. Eine perfekte Ausleuchtung der Szenerie wäre dabei natürlich nur störend.

Außergewöhnliche schauspielerische Begabung ist Pflicht

Das Victoria-Cast musste eine enorme Belastungsprobe über sich ergehen lassen. Zunächst verlangte ihnen Schipper ein dreimonatiges Training des gerade einmal zwölfseitigen Drehbuchs ab – erst danach wurde gedreht. Auch dabei griff er auf die magische Zahl Drei zurück. Und beim dritten Anlauf saß schließlich alles: die Atmosphäre, leichtfüßig spontane Dialoge, eine stimmige Dramaturgie und ein Berlin, dass so gefährlich und dennoch restlos faszinierend wirkt.

Ein Film wie ein Marathon: Victoria ist Sebastian Schippers Art der deutschen Hauptstadt, in der er seit 15 Jahren lebt, seine Liebe zu gestehen. Bei einer derartigen Passion (Nur ein Take! Keine vorher festgelegten Dialoge!) kann der Zuschauer gar nicht anders, als sich davon um den Finger wickeln zu lassen.

Hier findest du unser Interview mit Frederick Lau.

Lolas 2015

6 Auszeichnungen beim Deutschen Filmpreis:

Die Goldene Lola – Bester Programmfüllender Spielfilm
Beste Regie – Sebastian Schipper
Beste weibliche Hauptrolle – Laia Costa
Beste männliche Hauptrolle – Frederick Lau
Beste Kamera / Bildgestaltung – Sturla Brandth Grvlen
Beste Filmmusik – Nils Frahm

 

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Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  13. November 2015    Worte  398
Permalink  http://www.farbensportlich.de/victoria/    Farbe  #382626
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