Verblendung

Veröffentlichung  15. Januar 2012    Regie  David Fincher    Darsteller  Daniel Craig  Rooney Mara  Christopher Plummer  Stellan Skarsgård
Foto: Sony Pictures Releasing
 IMDb-Wertung
Foto: Sony Pictures Releasing

Mord, Korruption, Familiengeheimnisse und persönliche Dämonen

Der schwedische Autor Stieg Larsson (verstarb 2004) erlangte posthum mit der Millennium-Trilogie, die die Kriminalromane Verblendung, Verdammnis und Vergebung beinhaltet, weltweit Kultstatus. Sein literarischer Nachlass wurde nun zum zweiten Mal für die Leinwand aufbereitet. Regisseur David Fincher (Der seltsame Fall des Benjamin Button, Sieben) zog mit Hollywood-Größen wie Daniel Craig (Cowboys & Aliens) und Christopher Plummer (Beginners) in die schwedische Einöde, um die bedrückende Stimmung des Erstlings gekonnt in Szene zu setzen. Mit ihrer eindrucksvollen Darstellung des Mädchens mit dem Drachentattoo fällt dabei vor allem die talentierte Rooney Mara auf. Untermalt wird der Film wirkungsvoll mit den Klängen Trent Reznors, der schon für seine Arbeit an The Social Network mit einem Oscar für die beste Filmmusik bedacht wurde.

Unter dem Originaltitel „Männer, die Frauen hassen“ erschien 2005 das erste von zehn geplanten Kapiteln. Im Januar 2012 kommt die Hollywood-Adaption des schwedischen Thrillers Verblendung in die deutschen Kinos. Bond-Darsteller Daniel Craig schlüpft in die Rolle des investigativen Wirtschaftsjournalisten Mikael Blomqvist. Nach einer üblen Verleumdungsklage des Großunternehmers Navar, der Blomqvist wegen angeblicher Fehlinformationen in einem Artikel für seine Zeitung “Millennium” zur Rechenschaft gezogen hat, ist sein Ruf jedoch ruiniert. Daraufhin nimmt Blomqvist ein verlockendes Jobangebot von dem reichen Industriellen Henrik Vanger (Christopher Plummer) an. Das schwer kranke Familienoberhaupt ist seit 40 Jahren auf der Suche nach seiner verschollenen Nichte, die seit dem Tag ihres Verschwindens nie gefunden, geschweige denn gesehen wurde. Er beauftragt Blomqvist vertrauensvoll mit der Suche nach ihrem Mörder. Was dieser zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnt: er recherchiert sich buchstäblich um Leben und Tod. Denn je tiefer er in der Vergangenheit der mysteriösen Familie Vanger gräbt, desto gefährlicher wird es für ihn. Daneben lernen wir die verschlossene Lisbeth Salander (Rooney Mara) kennen, deren Erzählstrang langsam mit dem Blomqvists zusammengeführt wird. Ihr Charakter macht die Geschichte erst so richtig einzigartig. Denn als genauso unverfrorene wie geniale Detektivin lebt sie zwischen den Extremen. Trotz grausamer physischer und psychischer Gewaltszenen stellt sie immer wieder ihre einzigartigen Qualitäten im Recherchieren und Ermitteln unter Beweis. Erst nach und nach erfahren wir etwas über ihre eigene dunkle Vergangenheit sowie mögliche Gründe für ihre ausgeprägte Sozialphobie. Obwohl sie erst selber auf Blomqvist angesetzt ist, unterstützt die verschlossene und kompromisslose Hackerin den Journalisten bald bei seiner Suche nach der verschollenen Harriet Vanger.

Eindringlich, Erschütternd, Gewalttätig, Unerbittlich, Skrupellos

It is an adult movie. This is one where you pay the babysitter – babysitters are going to make a lot of money out of this, I hope. (Daniel Chraig im Interview mit der BBC)

Wer Verblendung als einen klassischen Krimi abstempelt, liegt weit daneben. Denn der Film nimmt uns mit in ein unheimliches und verschneites Schweden, das als Sündenpfuhl gut und gerne für einen ganzen Kinowinter herhalten kann. Wir erleben ein entsetzlich gutes Schauspiel von Rooney Mara, die weit über die Grenzen geht und einen Daniel Craig, von dem man, wenn auch nur mit halber Leistungskraft unterwegs, endlich mal wieder mehr sieht als Nahaufnahmen von seinen blauen Augen. Immer wieder führt uns Regisseur David Fincher an das Höchstmaß des Zumutbaren. Das schockt, berührt, fordert – und macht Spaß. Ihm gelingt eine Umsetzung, die sich nah am geschriebenen Original hält und trotzdem auf eigenen Beinen stehen kann. Somit braucht sich die 2012er-Version auch nicht vor dem hoch gelobten schwedischen Filmvorbild zu verstecken. Fincher resümiert:

Wir verschrieben uns der Aufgabe, dass dies ein Film über Gewalt gegen Frauen sein sollte, über besondere Arten der Erniedrigung, und da darf man auch keine Scheu vor haben. Gleichzeitig muss man den rasiermesserscharfen Balanceakt hinkriegen, das Publikum einerseits geradezu körperlich das Bedürfnis nach Rache spüren lassen, es andererseits aber auch mit der außerordentlichen Kraft der Ideen zu konfrontieren, die wir rüberbringen wollen.

 

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Rubrik  Kino    Autor      Datum  26. Dezember 2011    Worte  607
Permalink  http://www.farbensportlich.de/verblendung/    Farbe  #315053
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