Venus im Pelz

Veröffentlichung  21. November 2013    Regie  Roman Polanski    Darsteller  Emmanuelle Seigner  Mathieu Amalric
Foto: Mars Distribution
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Ein Spiel um Macht

Der Schriftsteller und Theaterregisseur Thomas (Mathieu Amalric, Huhm mit Pflaumen) hat eine Adaption von Leopold von Sacher-Masochs Werk über sexuelle Unterdrückung verfasst und will diese nun auf die Bühne bringen. Alles, was ihm dazu noch fehlt, ist die richtige Schauspielerin für die Hauptrolle in Venus im Pelz. Als das Vorsprechen dafür vorbei und Thomas von der Unfähigkeit der Darbietungen genervt ist, tritt Vanda (Emmanuelle Seigner, In ihrem Haus) auf den Plan. Viel zu spät, durchnässt und vom Typ völlig unpassend, interessiert sich Thomas zunächst nicht für sie. Aber durch die perfekte Inszenierung ihrer selbst und ihrer Textsicherheit weiß sie den verdutzten Regisseur um den Finger zu wickeln. Und so entsteht schon bald aus einem schnöden Vorsprechen ein prickelnder Zweikampf der Geschlechter.

Der Gott des Gemetzels-Regisseur und Oscar-Preisträger Roman Polanski zeigt mit seiner Verfilmung des Theaterstücks von David Ives’ Venus im Pelz (welches wiederum auf Leopold von Sacher-Masochs Buch aus dem Jahr 1870 basiert) in 96 Minuten die Verschiebung von Machtverhältnissen. Seine Frau Emmanuelle Seigner spielt dabei die zunächst weinende Möchtegern-Schauspielerin, die sich zu einer manipulativen wie mysteriösen Femme Fatale entwickelt. Das Kammerspiel legt den Fokus dabei weniger auf den Sexismus der Buchvorlage als auf den satirischen Aspekt, der davon ausgeht. Mathieu Amalric spielt den verkappten Macho in all seinen Facetten, der jedoch mit der Zeit immer weiter von seinem Gegenüber auseinandergenommen wird. Stück für Stück bringt Vanda die wahre Natur von Thomas hervor – und ganz ohne den Einsatz der Peitsche wird der Theaterregisseur immer mehr zu Butter in ihren Händen. Die Darsteller erweisen sich als ebenso eine Goldgrube (bereits in Schmetterling und Taucherglocke spielten sie Seite an Seite) wie das Theaterstück, bei dem der Betrachter nie sicher sein kann, ob es gerade geprobt wird oder nicht. Genauso verschwimmt die Sicherheit über das Wissen darüber wer hierbei wen dominiert. Wer ist die schönere Frau, wer der bessere Mann? Und wer sieht hier eigentlich wen als Objekt? Solche Fragen verpackt Polanski mit Leichtigkeit und viel Sinn für Ästhetik in seiner vor schwarzen Humor strotzenden Inszenierung. Er erschafft somit wieder einmal ein Werk, bei dem die räumliche Begrenztheit sowie die Beschränkung auf ein Schauspieler-Duo in Vergessenheit gerät durch die Klugheit des Zwiegesprächs über sexuelle Macht und die Ironie und Tiefsinnigkeit der Charaktere.

 

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Rubrik  Kino    Autor      Datum  13. November 2013    Worte  373
Permalink  http://www.farbensportlich.de/venus-im-pelz/    Farbe  #5c0b1c
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