Uns geht es gut

Veröffentlichung  28. Januar 2015    Regie  Henri Steinmetz    Darsteller  Franz Rogowski  Maresi Riegner  Jonas Dassler  Emanuel Schiller
Foto: X-Verleih
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Tagträumer ahoi!

Komm ich heute nicht, komm ich morgen: Fünf junge Menschen irgendwo zwischen Realitätsverzerrung und Alltags-Schluffigkeit.

Sie sind jung, alle Türen stehen ihnen offen, sie haben ihr ganzes Leben noch vor sich – und trotzdem interessiert das die fünf Freunde kein bisschen. Tubbie (Franz Rogowski), Tim (Jonas Dassler), Jojo (Emanuel Schiller), Birdie (Jordan Dwyer) und Marie (Maresi Riegner) leben gern einfach nur so in den Tag hinein. Ein Ziel braucht das Quintett nicht. Manchmal laufen sie nur so durch die Wälder und tragen altmodische Kleidung. Wenn sie rauchen, wirken sie gelangweilt, müde von all den Möglichkeiten. Einzig Marie vermag die Gruppe, die nur oberflächlich eine enge Beziehung zueinander zu haben scheint, wirklich herauszufordern. Denn als Tim mit ihr flirtet, führt das zu einer Konkurrenzsituation mit Tubbie, der die Liebe von Marie für sich beanspruchen will. Und da bröckelt allmählich die Fassade. So egal ist den Fünfen nun mal doch nicht alles. Dass sie womöglich nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen, macht ihnen zu schaffen. Dabei wünscht sich gerade Marie nichts sehnlicher als ein kleines Fünkchen heile Welt.

Ist da etwa ein neuer Michael Haneke am Start?

Für den Filmemacher Henri Steinmetz stellt Uns geht es gut das Langfilmdebüt dar. Zuvor studierte er unter anderem bei dem österreichischen Oscar-Gewinner Michael Haneke (Liebe) Regie. Diese Ausbildung ist seinem Erstling deutlich anzumerken. Mit ruhiger Hand und Gespür für warme Momente kreiert er eine Szenerie, in der man zwischen den Zeilen lesen muss. Nur selten zeigt Steinmetz offensichtlich seine gewünschte Richtung und auch das junge Darsteller-Ensemble hält sich mit überflüssigen Worten zurück. Was unter der Oberfläche brodelt, wird nur in wenigen Augenblicken klar. So zum Beispiel als sich Marie, das einzige Mädchen in der Truppe, einer Ärztin (Angela Winkler) anvertraut. Dieser erzählt die junge Frau, dass sie am liebsten sofort ein Baby hätte. Und ein anderes Mal fallen die Männer, die ja eigentlich Freunde sein müssten, laut grölend und gewalttätig übereinander her – eine Entwicklung, die erneut an die Machart von Haneke-Filmen wie Caché oder Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte erinnert.

Normal ist anders

Die Ausstattung des surrealen Werkes hat mehr mit einem kunstvoll inszenierten Theaterstück als mit einem Kinofilm gemein. Aber normal ist an diesem Drama sowieso herzlich wenig. Und genau darin liegt die Kraft. Hier wird keiner stetig logischen Drei-Akt-Handlung gefolgt – wobei die Kapitel-Überschriften in dem 93-Minüter so etwas vermuten lassen. Wenn einfach so an einer Straßenecke ein Spiegel auftaucht, einem jungen Zwillingspaar Botox injiziert wird oder sich ein Swimmingpool langsam mit Blut füllt, ergibt das kaum Sinn. Vielmehr wandert man zusammen mit den fünf Protagonisten durch eine Traumlandschaft, in der man sich genau wie sie immer wieder fragt – was mag da wohl als nächstes auf einen warten?

Generationsportrait der anderen Art: Fünf junge Menschen, die nicht der nächsten Mega-Party nachhecheln, sondern sich lieber so weit wie möglich verkriechen wollen. Henri Steinmetz’ Debüt klingt vom Inhalt schon ziemlich ungewöhnlich und ist es auch in der Umsetzung. Wer dran bleibt, wird aber belohnt!

 

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Rubrik  Kino    Autor      Datum  28. Januar 2016    Worte  487
Permalink  http://www.farbensportlich.de/uns-geht-es-gut/    Farbe  #291c09
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