Umrika

Veröffentlichung  11. März 2016    Regie  Prashant Nair    Darsteller  Suraj Sharma  Tony Revolori  Prateik Babbar
Foto: Ascot Elite Entertainment Group / Camino Filmverleih
 IMDb-Wertung
Foto: Ascot Elite Entertainment Group / Camino Filmverleih

Das Glück beginnt hinter dem nächsten Hügel

Umrika ist Hindi und bedeutet ins Deutsche übersetzt „Amerika“. Prashant Nair begibt sich in seinem zweiten Spielfilm in eine entlegene Bergregion bei Mumbai, um von dort aus dem Mythos USA auf die Spur zu kommen.

Das großartige Leben findet immer irgendwo anders, weit weg von dem eigenen vier Wänden statt. Diesem Irrglauben ist auch eine kleine, ärmliche indische Gemeinschaft verfallen. Seit der Onkel einer Familie nach Amerika reiste, dort einige Jahre lebte und dann als reicher Mann mit vielen Geschenken an seine Verwandtschaft zurückkehrte, glaubt das gesamte Dorf, dass die Vereinigten Staaten der verheißungsvollste Ort der Welt sein müssten. Als sich in den 80er Jahren Udai (Prateik Babbar) auf den Weg ins gelobte Land macht, ist ein jeder in heller Aufregung. Insbesondere seine Eltern sowie sein jüngerer Bruder Ramakant (Suraj Sharma) sind sich sicher, dass er es nun zu etwas ganz Großem bringen wird. Tatsächlich trudeln nach einer Weile immer wieder Briefe von dem Auswanderer Udai ein, in denen er von seinen unglaublichen Erlebnissen bei den Amerikanern berichtet. Für die Gemeinde in Mumbai werden seine Zeilen bald zu einer Art Lebenselixier. Aber als der Postbote mit einem Mal nicht mehr regelmäßig mit neuem Lesestoff von Udai aufkreuzt, wird der kluge Ramakant misstrauisch. Soll seinem Bruder etwa etwas Schlimmes zugestoßen sein? Um dies herauszufinden, verlässt er zusammen mit seinem besten Freund Lalu (Tony Revolori) die Bergregion und macht sich auf die Suche nach dem verschollenen Familienmitglied.

Kulturklischees lassen grüßen

Regisseur und Drehbuchautor Prashant Nair erzählt seine Geschichte voller Humor und Charme. Wenn seine Charaktere laut von den USA, oder wie sie es nennen Umrika, träumen, dann entpuppt sich dies letztlich als eine Aneinanderreihung von gut bekannten Stereotypen. Es ist von Thanksgiving, Arnold Schwarzenegger und besonders vollbusigen Blondinen die Rede. Einfach alles soll in Amerika größer sein, der Himmel schöner und die Laune besser. Ramakants und Udais Familie gerät bei den Gedanken an das Land mit der Freiheitsstatue und dem Empire State Building so sehr ins Schwärmen, dass sie gar nicht merken wie gut sie es schon genau in diesem Moment haben. Und genau darin liegt die Stärke von Nairs Werk: Ohne aufdringlich zu sein, teilt er die Story über eine wunderbare Jungs-Freundschaft sowie auch über einen zutiefst innigen Gemeinschaftssinn mit.

Was bedeutet Heimat?

Trotz des nur allzu deutlich beschriebenen Fernwehs, weiß Umrika auch Indien in den schönsten Farben zu malen. Mit viel Liebe zum Detail fährt hier die Kamera über die Gebirgslandschaft, später wird mit genauso viel Enthusiasmus die Herstellung von aufregenden Naschereien gezeigt. Einfach alles sieht zum Anbeißen aus! Dies ist Prashant Nairs Art sich vor seinem Geburtsort Indien zu verbeugen. Er wollte sich näher mit der Kultur, den Menschen und ihrem Antrieb im Alltag beschäftigen. Denn auch wenn er in Indien auf die Welt kam, so lebte er doch die meiste Zeit seines Lebens in Österreich, Afrika und eben den Vereinigten Staaten. Also höchste Zeit sich einmal mit den eigenen Wurzeln auseinanderzusetzen. Dem Film sieht man den neugierigen, fast schon kindlichen Blick des Filmemachers an – und das ist zum Vorteil für den Betrachter auch absolut ansteckend!

Umrika ist eine ziemlich untypische Auswanderer-Geschichte mit jeder Menge witziger Stereotype. Die jungen Hauptdarsteller Suray Sharma (bekannt aus Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger) und Tony Revolori (Grand Budapest Hotel) transportieren die Träumereien aus der Feder des Regisseurs und Weltenbummlers Prashant Nair perfekt und voller Spielfreude.