Die erste Filmrezension ist etwas Besonderes. Noch während der Film lief, habe ich mir größte Mühe geben wollen mir einige Sätze zurecht zu legen. Nachdem der Kinobesuch nun aber fast 50 Stunden her ist, ist von diesen Sätzen natürlich nicht mehr viel übrig. Demnächst werde ich wohl mit einem Notizzettel vorliebnehmen müssen. Trotzdem ist eine Grundstimmung hängen geblieben, die ich nun versuchen möchte in Worte zu fassen.
Twelve basiert auf dem Debütroman des damals siebzehnjährigen Nick McDonell. Es ist die viel gelobte Geschichte einer alles-bisherige-in-den-Schatten-stellenden Party und einem Ende, das in Erinnerung bleibt. Im Mittelpunkt steht Michael (Chace Crawford), der als Drogendealer White Mike die gesamte New Yorker Upper East Side beliefert. Nach dem Tod seiner Mutter schmiss er seine Ausbildung und schlägt sich seit dem als Dealer durch. Obwohl er damit ziemlich erfolgreich ist, behält er selbst immer den Überblick. Wie es der Name “White Mike” nahelegt: Michael bleibt sauber. Die Bilder überspitzen diese Aussage sogar noch. Doch lässt die visuelle Umsetzung einiger Szenen in reinem Weiß an ihrer Sinnhaftigkeit zweifeln. Alles andere als sauber treibt es die Meute sechszehnjähriger Hipster, die das Geld ihrer reichen Eltern in die Suche nach dem nächst größeren Kick investieren. Als das beliebteste Mädchen der Schule zur größten Party der Stadt einlädt, ist schnell klar, dass dieser Abend besonders werden muss! Und er wird besonders. Getreu dem Motto “Jeder kennt jeden” werden wir im Laufe des Films, der mit 93 Minuten überschaubar daher kommt, in die Leben unzähliger Jugendlicher eingeführt. Ohne den einzelnen Charakteren zu viele Worte widmen zu wollen (gespielt von Rory Culkin, 50 Cent, Billy Magnussen, Emma Roberts, Emily Meade), lässt sich sagen: es ist viel los in der Stadt. Die Geschichten, Verstrickungen und Erlebnisse der einzelnen Teenager und deren Hoffnungen, Ängste und Zweifel sind eine wesentliche Stärke des Films. Twelve fängt die Schnelllebigkeit der New Yorker Jugend ein und nimmt zügig Fahrt auf. Dabei begleitet uns die Stimme eines Erzählers (Kiefer Sutherland) von Kapitel zu Kapitel. Warum Kapitel? Weil das im Buch schon so war. Warum ein Erzähler? Vielleicht kann Regisseur Joel Schumacher, wie schon im Streifen Nicht Auflegen!, einfach nicht vom 24-Star loslassen. Jack Bauer hypnotisiert die Zuschauer mit seiner eindringlichen Stimme und wirkt dabei leider etwas befremdlich. Das Vorlesen ganzer Textpassagen aus dem Buch erzeugt nicht immer die nötige Ernsthaftigkeit.
Bei Buchverfilmungen muss man wohl oder übel darüber hinweg sehen, dass eine Geschichte immer in etwas abgewandelter Form in die Kinos kommt. So auch bei Twelve. Denn trotz des Versuches alle relevanten Handlungsstränge filmisch aufzugreifen (es bleibt festzuhalten, dass die Vielschichtigkeit des Buches etwas vereinfacht umgesetzt wurde), vermisst man ein wenig die schonungslose Konsequenz des Romans. Wo das letzte Kapitel im Buch gerade einmal 2 1/2 Seiten füllt und dadurch unvergleichlich kompromisslos daherkommt, nimmt man sich im Film sehr zurück. Gerade weil sich die Spannungskurve des Films größte Mühe gibt über neunzig Minuten ein mulmiges Bauchgefühl aufzubauen, hätte der Abschluss überdrehter enden können. Mehr Gewalt, mehr Blut, mehr Tote. Etwas anderes will uns die Geschichte schließlich auch nicht sagen: lasst die Finger von Drogen, dann habt ihr eine Chance.
In all den genannten Punkten konnte sich der Film leider nicht genug von der literarischen Vorlage lösen und bleibt ein kurzweiliges aber unterhaltsames Vergnügen mit genügend Potential für einen verko(r)ksten Donnerstagabend.