Tulpenfieber

Veröffentlichung  24. August 2017    Regie  Justin Chadwick    Darsteller  Dane DeHaan  Alicia Vikander  Christoph Waltz
Foto: Prokino Filmverleih
 IMDb-Wertung
Foto: Prokino Filmverleih

Die verrückte Obsession rund um eine Blume und eine Frau

Blumen sind ja schön und gut, aber was man sich heutzutage nicht mehr vorstellen kann: Im 17. Jahrhundert waren speziell Tulpen so viel Wert wie Diamanten. Ein bisschen irre, oder? Genauso wie dieser Film!

Amsterdam im Jahr 1634: Der mittellose Maler Jan van Loose (Dane DeHaan) ist unsterblich in die schöne Sophia (Alicia Vikander) verliebt. Doch die ist mit seinem Auftraggeber, dem strengen Cornelis Sandvoorf (Christoph Waltz), verheiratet. Und obwohl auch Sophia Gefühle für Jan hegt, kommt sie nicht so einfach von ihrem Ehegatten los. Denn der hat als Unternehmer viel Macht und Einfluss in der Gegend. Die einzige Möglichkeit, um ihrer Liebe nachzugehen, sehen die beiden nur darin, im unglaublich fluktuierenden Tulpenmarkt mitzumischen. Aber das ist alles andere als einfach und ungefährlich.

Es gibt nicht nur Schwarz und Weiß

Tulpenfieber will keine leichte Kost sein. Dem Regisseur Justin Chadwick ging es nie darum, einen einfach verständlichen Historienfilm zu drehen. Vielmehr wollte er, dass jeder etwas anderes in der Geschichte sehen kann – ganz so wie in einem Kunstwerk. Zum einen liegt der Fokus auf der Tulpenmanie des frühen 17. Jahrhunderts und zum anderen auf einer unerlaubten Liebe. Und so vermengen sich hier immer wieder Geschichtsstunde und Romanze miteinander. Dieser Mix kann die Spannung in der einen Stunde und den 47 Minuten zwar tatsächlich sehr gut aufrechterhalten, aber holprig wird es auch des Öfteren. Warum? Hier wird einfach zu viel Inhalt in eine zu kurze Zeitspanne hineingequetscht. Als würde Chadwick wirklich ganz korrekt Seite für Seite des Buchs nacherzählen wollen, auf dem der Film basiert. Und hinzu kommt noch das Problem, dass es gerade in der heutigen Zeit einfach schwer nachvollziehbar ist, wieso man sich so sehr von einem schlichten Blümchen einnehmen lassen könnte. Und wenn man unglücklich in der einen Beziehung ist, wieso dann bleiben?

Ein Film wie ein Gemälde

Doch über so manche große Erzähllücke hilft auf jeden Fall die visuelle Brillanz des Films hinweg. Schon als sich Sophia und Cornelis für das Portrait, das Jan von dem Paar malen soll, in Pose stellen, ist das ein echter Hingucker. Wie viel Aufwand da allein in die kleinen Details steckt! Der Moment ist perfekt inszeniert, die opulenten Kostüme, die düstere Umgebung und die angespannte Atmosphäre sind stimmig und fesselnd. Auch die finsteren Grachten Amsterdams nehmen einen mit in eine andere, aber sehr faszinierende Welt. Dabei erinnern einige Bilder und Stimmungen an Das Mädchen mit dem Perlenohrring, nur kommt dieser Kinofilm nicht an die erzählerische Raffinesse des Historienfilms von 2003 heran. Das Thema Tulpenspekulation ist so spannend, dass es da sicherlich mehr Möglichkeiten hätte geben können, diese gut in den Vordergrund des Films zu bringen.

Tulpenfieber ist ein echter Genuss für die Augen! Auch inhaltlich wollte man alles geben und die Romanvorlage scheinbar in Gänze auf die Leinwand bringen. Dadurch wirkt der Film jedoch oft schnell und oberflächlich. Viel hilft eben nicht immer viel.

 

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Rubrik  Kino    Autor      Datum  24. August 2017    Worte  477
Permalink  http://www.farbensportlich.de/tulpenfieber/    Farbe  #09449e
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