Trust

Veröffentlichung  02. Dezember 2011    Regie  David Schwimmer    Darsteller  Clive Owen  Catherine Keener  Liana Liberato
Foto: Metropolitan FilmExport
 IMDb-Wertung
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Die Spur führt ins Netz

Um David Schwimmer ist es seit dem 2004er Serien-Finale von Friends ziemlich ruhig geworden. Doch auch wenn er als Schauspieler eher untergegangen ist – der Wechsel zum Regisseurstuhl steht ihm umso besser. Nach der urwitzigen Simon Pegg-Komödie Run Fatboy Run im Jahr 2007, zeigt er mit Trust sein Händchen für ein aufrüttelndes Dramenwerk mit aktueller Brisanz.

In der Familie von Will (Clive Owen, The International) und Lynn (Catherine Keener, Please Give) dreht sich im Moment alles um den Auszug des Sohnes Peter (Spencer Curnutt), der seine Universitätslaufbahn weit weg von der Heimat beginnen wird. So bemerken die Eltern kaum wie sich die 14-jährige Annie (Liana Liberato, Trespass) mehr und mehr zurückzieht, um unentwegt mit ihrer Internetbekanntschaft Charlie (Chris Henry Coffey) zu chatten, telefonieren und sich letztlich sogar mit dem vermeintlichen Seelenverwandten zu treffen. Doch dieser entpuppt sich als Mitdreißiger, der das Vertrauen des schüchternen Mädchens dazu missbraucht, um sie in ein Hotelzimmer mit zu nehmen und sie dort zu vergewaltigen. Als die Eltern davon erfahren, fühlen sie sich völlig hilflos. Das FBI (Jason Clarke, Public Enemies) ermittelt, eine Psychologin (Viola Davis, The Help) ist eingeschaltet – mit Will und Lynn werden jedoch nur die nötigsten Informationen geteilt. Wo die Mutter nun versucht durch Nähe bei ihrer Tochter durchzudringen, hat der Vater nur Rache im Sinn. Denn wohin soll er auch mit der Wut darüber nicht für Annie da gewesen zu sein, sie dieser Bedrohung ausgesetzt zu haben und viel schlimmer noch, was soll er dagegen machen, dass Annie in dem Vergewaltiger noch immer einen guten, liebenden Freund sieht?

Trust stellt sich im Besonderen durch die Aktualität des Themas als mitreißend dar. David Schwimmer befasste sich sieben Jahre lang spezifisch mit solchen Missbrauchsfällen. Er musste bei der Recherche feststellen, dass es nicht untypisch für die Opfer ist auch nach der Tat eine große Intimität zu dem Peiniger zu empfinden und ihn gar weiterhin heimlich zu kontaktieren. Nach Schwimmers Auffassung senkt das Internet die Furcht vor Fremden. Mit wenigen Klicks ist einfach alles möglich – so auch Intimität. Selbst Pornografie wäre seiner Meinung nach für jedes 13-jährige Kind durch die Zugänglichkeit im Internet nichts Neues oder Schockierendes. Dieser Abstumpfung versucht der 106-Minüter entgegenzuwirken. So war es dem Regisseur sehr wichtig gewesen eine Darstellerin für die Rolle der Annie zu casten, die sich in dem selben Alter befindet wie die zu spielende Figur. Liana Liberato macht ihre Sache äußerst gut und lässt den Zuschauer durch ihre unschuldige wie auch naive Ausstrahlung umso mehr Gänsehaut bei den heiklen Szenen bekommen. Nicht zuletzt die Schlussszene hinterlässt ein beständiges Gefühl von Paranoia, die weiter und weiter zu wachsen droht. Es könnte schließlich der eigene Nachbar ein Sexualstraftäter sein, wie David Schwimmers Drama nur allzu schlüssig zeigt.

 

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Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  27. November 2011    Worte  452
Permalink  http://www.farbensportlich.de/trust/    Farbe  #0b2a3e
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