TRON: Legacy

 
Heimkino 31. Mai 2011
 
TRON: Legacy
 

Flache Story mit tollen Effekten

Vor fast 30 Jahren gelang es einem Film mit nie dagewesenen computeranimierten Effekten die Nerdwelt auf den Kopf zu stellen: TRON (Amazon: DVD / Blu-ray) erschien. Der Film zeigte was wäre wenn es eine eigene kleine Welt aus humanoiden Nullen und Einsen im Binärsystem des Computers gäbe. Dafür nutzte er die technischen Mittel seiner Zeit voll aus – die Aussage von Regisseur Steven Lisberger, dass heute in jedem Mobiltelefon mehr Rechenpower steckt als man damals zur Verfügung hatte, verdeutlicht diese Besonderheit sehr schön. Er kreierte eine futuristische Miniaturwelt in schillernden Farben, die lange Zeit das Bild der Zukunft prägte. In Schwarz-Weiß aufgenommen, färbte man das Band später übrigens mit hell-fluoreszierenden Farben, so erhielt TRON seinen speziellen Look. Die im Film aufgeworfenen Fragen führten weitläufig zu einer Diskussion über die Auswirkungen von künstlicher Intelligenz. Somit lieferte TRON einen großen gesellschaftlich relevanten Beitrag. Ob es TRON: Legacy in Zeiten des Effektkinos gelingt ähnliche Akzente zu setzen? Zumindest visuell verspricht der Nachfolger das Original zu toppen.

21 Jahre ist es her das der erfolgreiche Videospielentwickler Kevin Flynn (Jeff Bridges) auf rätselhafte Art und Weise verschwand. Die Firma Encom, die ihn aufgrund des Erfolgs seiner Spielideen damals zum Chef ernannte, hat sich im Laufe seiner Abwesenheit zu einem multinationalen Computerunternehmen entwickelt. Wenn nur Flynns rebellischer und inzwischen erwachsener Sohn Sam (Garrett Hedlund) nicht wäre. Als Erbe drückt er sich vor der Verantwortung und stellt den Vorstand des Familienunternehmens in regelmäßigen Abständen auf eine harte Gedultsprobe. Als Sam aus der ehemaligen Spielhalle Flynn’s Arcade ein seltsames Signal empfängt, das nur von seinem Vater stammen kann, begibt er sich auf die Suche. Es gelingt ihm sich zu digitalisieren und so Bestandteil des Rasters zu werden, wo sich Programme frei bewegen können. In der fremden Computerwelt, die sich seit damals optisch neu erfunden hat, hat der böse Clu (das junge Ebenbild von Kevin Flynn), ein Programm das die Welt von Tron ursprünglich in der Abwesenheit Flynn’s als Steuerungsprogramm überwachen sollte, die Herrschaft an sich gerissen und eine Diktatur installiert. Um zu überleben und in der Annahme, das sein Vater von Clu gefangen gehalten wird, arbeitet sich Sam in den traditionellen Gladiatorenkämpfen gegen fiese Programme voran. Aber nur mit der Hilfe seines Vaters und dessen vertrautesten Programm Quorra (Olivia Wilde) wird es ihm möglich sein das unterdrückende Master Control Programm zu stürzen.

TRON: Legacy gelingt wahrlich kein zweiter Frühling. Zwar macht der Streifen visuell einiges an Boden gut, doch kann er den hohen Erwartungen inhaltlich nicht einmal ansatzweise gerecht werden. Den Darstellern bleibt vor lauter Künstlichkeit und Leuchtanzügen kein Platz zum Schauspielern. Einige langatmige Dialoge werfen zudem ernste Zweifel an den ehrenwerten Absichten des Films auf. Böse Programme, zerstörerische Diskuskämpfe und Motorradrennen sind zweifelsohne die richtigen Zutaten für ein rasantes und actiongeladenes Abenteuer, das TRON: Legacy hätte werden können. Stattdessen versucht man sich mit stereotypen Handlungselementen, schmerzhaften Computerklischees und einer digitalen Verjüngungskur für Jeff Bridges. Ob sich Regisseur Joseph Kosinski für sein Regiedebüt nicht etwas zu viel zugemutet hat? Der zweite Teil konnte das angekündigte Tempo in keinster Weise einhalten und büßt zu viel von dem so markanten und visionären Potential des Originals ein. Da schaffen es selbst Daft Punk kaum der über weite Strecken aufkeimenden Langeweile Einhalt zu gebieten. Die zwei futuristischen Elektropopper lieferten mit dem anständigen Soundtrack zum Film wahrscheinlich den nachhaltig besten Part ab. Diesen Film zu besitzen lohnt sich lediglich für Lack- und Lederfetischisten.

 
546 Wörter von David, 354 Tage alt