Treppe aufwärts

Veröffentlichung  27. Januar 2017    Regie  Mia Maariel Meyer    Darsteller  Hanno Koffler  Christian Wolff  Matti Schmidt-Schaller
Foto: missingFilms
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Die Hoffnung auf das Hoch nach einem langen Tief

Aufklärungsarbeit: Regisseurin Mia Maariel Meyer hat vor mit ihrem Debütfilm die ungeschönte Wahrheit zu zeigen. Sie präsentiert Spielsucht als etwas Alltägliches, das jeden treffen könnte.

Tristesse pur: Adam (Hanno Koffler) lebt mit seinem Vater (Christian Wolff) und (plötzlich auch) seinem Sohn (Matti Schmidt-Schaller) in einem kleinen, heruntergewirtschafteten Haus. Viel können sie sich nicht leisten, da Adam mit seinem Taxifahrer-Gehalt immer noch alte Schulden vom Vater begleichen muss. Sein Dad ist nämlich spielsüchtig und hat sich dadurch schon viele Feinde gemacht. Mittlerweile leidet er außerdem an Demenz. So muss Adam zusätzlich dafür sorgen, dass sein Vater rund um die Uhr einen Aufpasser bekommt. Meist springt der 16-jährige Sohn Ben ein. Doch der nimmt es mit seiner Aufseherrolle nicht ganz so genau. Oft schleicht er sich aus dem Haus, um mit ein paar zwielichtigen Gestalten abzuhängen. Adam merkt gar nicht wie sein Kind auf die schiefe Bahn gerät. Denn nach dem Taxifahren legt er lieber noch eine Schicht im Casino ein, wo er mit einigen technischen Kniffen die Spielautomaten zu seinen Gunsten manipuliert.

Die Magie der Spielotheken

Spielsucht ist kein Ausnahmephänomen. Speziell in Deutschland ist das Glücksspiel weit verbreitet. Tatsächlich gibt nahezu die Hälfte aller Deutschen dafür monatlich Geld aus. Obwohl sich immer wieder Politiker gegen Neueröffnungen von Spielhallen stark machen, erwarten Suchtexperten in den nächsten Jahren eine regelrechte Welle von neuen Abhängigen. Und trotz der Alterbeschränkung (Zutritt erst ab 18), finden sich doch auch mehr 14- bis 15-Jährige in den Spielhöllen ein. Die junge Filmemacherin Mia Maariel Meyer fand es genau deshalb so wichtig zu dem Thema ihren ersten Spielfilm zu machen. Aufklärungsarbeit leisten. Sie möchte zeigen, wie weite Kreise solch eine Sucht zieht. Denn nicht nur der Abhängige ist das Opfer – Familie und Freunde werden genauso in den Abwärtsstrudel hineingezogen. Dies zeigt die Regisseurin eindrücklich mithilfe von schnörkellosen, grauen Alltagsbildern. Hier wird kaum gesprochen. Es lächelt niemand. Anlass zur Freude gibt es einfach nicht.

Gefühle verboten?

Treppe aufwärts ist genauso Sozial- wie Familiendrama. Der Zusammenhalt in der Familie scheint sehr fragil. Wir sehen drei Generationen, in denen es keiner schafft mit dem anderen zu reden. Jeder schlägt sich mit den eigenen Problemen herum, ohne je wirklich um Unterstützung zu bitten. Besonders deutlich wird das Problem zwischen Adam und seinem Sohn, der erst kürzlich von seiner Mutter zu seinem Vater gezogen ist. Die beiden hätten eine Menge, über das sie eigentlich sprechen müssten, nur tun sie das nicht. Schmerz, Verlust und Angst sind ihnen aber deutlich ins Gesicht geschrieben. Anstatt zu kommunizieren, gehen sie alle stumpfsinnig ihren Gewohnheiten nach. Monotonie galore. Nur wenn gerade kein anderer zuschaut, trauen sie sich Gefühle herauszulassen. Und das sind die schönen Momente des Films – wenn sich die Hoffnung ihren Weg durch den Alltagsmatsch bahnt.

Kann Sucht eine Familie zerstören? Die harte Realität ist: ja. Die deutsche Regisseurin Mia Maariel Meyer steckt mit ihrem Debüt den Finger tief in diese Wunde. Um ein authentisches Leidensbild zu erschaffen, recherchierte sie vier Jahre lang zum Thema Spielsucht. Herausgekommen ist ein Werk, das mehr einer Doku als an einem Spielfilm ähnelt. Treppe aufwärts informiert, scheint aber überhaupt nicht unterhalten zu wollen.