Totally Enormous Extinct Dinosaurs

Album  Trouble    Veröffentlichung  15. Juni 2012
Foto: Hella Wittenberg Foto: Hella Wittenberg

“Du nimmst nur die Stimme auf? Ok Mädels, ihr könnt die Kostüme weglassen, es wird nicht gefilmt!”

Und so nehmen die zwei Tänzerinnen sowie der Sänger der Band Totally Enormous Extinct Dinosaurs den schillernden Kopfschmuck ab und das Lächeln wird aus dem Gesicht verbannt. Für einen Moment fühle ich mich vor den Kopf gestoßen. Nun gut, Aufnahmegerät an und los geht’s mit meinem ersten Interview in einer Backstagetoilette – intime Atmosphäre garantiert, hoffentlich wirkt sich das auch positiv auf die Antworten aus. Fragenzettel gezückt und an den Dinosaurierfreund Orlando Higginbottom herangepirscht.

Hach, es ist wirklich schön in Berlin zu sein!

Im Moment kann ich mir wirklich schönere Orte vorstellen. Magst du denn den ganzen Schnee?

In England haben wir auch gerade Schnee und es ist so viel wie seit zwanzig Jahren nicht mehr. Das ist also schon ein komisches Gefühl jetzt, aber so ein richtiges Chaos war es eh nur für eine Woche.

Aber schön, dass du nun hier bist! Dann kann es ja losgehen: durch deine Kostümierung und auch das „Ducks” Video habe ich den Eindruck bekommen, dass es für dich keine Schamgrenze gibt.

Ein Teil dieses Projekts ist es sich nicht zu viele Gedanken über alles zu machen. Es ist Dance Music, aber nicht ernsthafte Dance Music. Das soll natürlich nicht heißen, dass mir das Songwriting egal ist. Aber es handelt sich eben nicht um Musik, zu der man sich den Bart glatt streichen kann oder Musik, über die man in seinem Blog berichten kann. Es ist albern, lustig und steht für Party.

Was würdest du denn für kein Geld der Welt tun?

Eine Menge! (lacht) Ähem, ich würde niemals einen Bangee Jump machen. Das versetzt mich in Panik. Ich bin keine verrückte Person. Ich kam einfach irgendwann dazu dies hier zu tun (zuckt die Achseln und zeigt an sich herunter).

Da du immer dieses Kostüm trägst und sonst auch nicht viel Persönliches wie zum Beispiel deinen Namen preisgibst, bekommt man das Gefühl, dass du absichtlich eine Distanz aufbaust.

Naja, wenn du jeder Person alles von dir erzählst, ist einfach kein Interesse mehr vorhanden. Wenn du die Antworten hast, lässt die Neugier nach. Eigentlich kommt doch echtes Interesse erst durch aufgeworfene Fragen, wenn man sich über etwas Gedanken macht.

Wie du zum Beispiel heißt.

Das ist irrelevant.

Fühlst du dich über- oder unterbewertet als Künstler?

Ich bin in der glücklichen Position überall in der Welt hingehen, Musik spielen und Spaß haben zu können. Was auch immer passiert, es wird immer Künstler geben, die schlecht sind, aber bei denen es trotzdem funktioniert. Und es wird Leute geben die großartige Kunst machen und trotzdem kein Geld damit verdienen. Man sollte sich da nicht so hereinsteigern, sondern einfach damit klar kommen wie es ist.

Wie war es für dich die Black Cap Session unplugged zu machen und dann auch noch gefilmt zu werden? Es ist so anders als das, was du normalerweise machst. Hast du vorher viel geprobt?

Nein. Wir ordneten uns für eine halbe Stunde und dann lief das! Ich bin jetzt kein großartiger Sänger, ich kenne die Struktur des Songs und man weiß ja ungefähr was so passiert. Also haben wir das einfach gemacht. Zum Glück ist Boxman (Mitmusiker Edmund Finnis) ein sehr guter Musiker und konnte mir immer weiterhelfen.

Könntest du dir vorstellen an einer EP mit Unplugged Songs zu arbeiten?

Vielleicht ja. Aber das hat keine Eile.

Und welcher der drei Jurassic Park Filme ist der beste?

Ich hab nur den ersten Teil gesehen, sonst ist mir das egal. Ich bin jetzt kein Dinosaurier-Freak. Es ist einfach eine Ausrede, um das hier tun zu können.

Wo du gerade dein großartiges Outfit ansprichst – im Moment ist ja Fashion Week in Berlin. Ist dir Mode wichtig?

Fuck yeah! Klar interessiere ich mich für Mode! Ich habe auch meinen Stylist mitgebracht! (lacht) Naja, eigentlich nicht. Mode ist wichtig und auch interessant, aber gleichzeitig gibt es da auch so viel Müll. Ich meine, die Leute sollten nicht immer so wahnsinnig viel Geld für Kleidung ausgeben. Das ist doch einfach nur dumm! Aber an sich ist es natürlich wichtig schöne Kleidung zu tragen. Man fühlt sich gut und das ist es doch! Ich bin nicht gegen Fashion, es ist nur etwas albern. Zur Fashion Week in Berlin zu sein ist fantastisch, weil es da so viele gute Parties gibt. Ich werde heute und morgen noch ins .HBC gehen.

Findest du, dass deine Musik auf den Catwalk passen würde?

Ich weiß nicht, ob es auf dem Catwalk funktioniert – vielleicht auf dem Dogwalk oder so. Mit der Katze bin ich mir nicht so sicher. Aber an sich würde das sicherlich mit der Musik passen. Ich meine, Models laufen doch nur, die tanzen ja nicht wirklich. Aber tatsächlich habe ich das schon mal gemacht in London! Das hat gut geklappt.

Orlando nickt zufrieden. Und im Hintergrund wummern noch immer die Beats vom DJ Tvyks, wir lächeln wieder, die Fotos sind schnell gepost und ich bin froh, dass mir doch so viel Herzenswärme entgegen kam. Das kann weiterempfohlen werden!

 

 

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Rubrik  Interview    Autor      Datum  24. Januar 2010    Worte  810
Permalink  http://www.farbensportlich.de/totally-enormous-extinct-dinosaurs-iv/    Farbe  #2ea294
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