Tiger Girl

Veröffentlichung  05. Oktober 2017    Regie  Jakob Lass    Darsteller  Ella Rumpf  Maria Dragus  Enno Trebs
Foto: Constantin Film Verleih
 IMDb-Wertung
Foto: Constantin Film Verleih

Du musst nun wirklich nicht jedem gefallen!

Neues aus Deutschland: Tiger Girl ist heftig. Laut. Anders. Farbenfroh. Und macht deutlich, dass deutsches Problemkino auch mal Freude bereiten kann. Dieser Film gehört komplett abgefeiert.

Da wären zum einen Tiger (Ella Rumpf) und zum anderen Maggie, alias Vanilla (Maria Dragus). Zweitere ist gerade durch die Polizeiprüfung gerasselt und steht jetzt vor dem Problem sich noch mal eine völlig neue Berufung suchen zu müssen. Frustriert landet sie bei einem Sicherheitsdienst, der sie auch vor so einige Herausforderungen stellt. Als sie eines Tages urplötzlich von mehreren Typen angepöbelt wird, tritt schließlich Tiger auf den Plan. Die ist selbstbewusst, direkt und hat überhaupt gar keine Angst davor auch mal so richtig zuzuschlagen. Maggie ist das ganze Gegenteil von ihr. Schüchtern, immer alles durchdenkend. Trotzdem freunden sich die beiden an – und verbreiten zusammen mächtig Chaos. Gemeinsam fühlen sie sich unbesiegbar. Ein Gefühl, dass sie zu allem fähig werden lässt.

Das Drei-Seiten-Skript

Immer alles auswendig lernen, ist so vorbei. Regisseur und Drehbuchautor Jakob Lass (feierte schon 2013 mit Love Steaks große Erfolge) hat sich für seinen Film was viel Besseres überlegt: Nur drei Seiten wurden vorformuliert, der Rest kam dann von ganz alleine und mehr aus den Schauspielern heraus. Weg von Technik, hin zum Echten. Und das macht Tiger Girl auch so absolut super. Reale Situationen und trotzdem gelungene Dialoge sind hier angesagt. Und so etwas gehört leider immer noch nicht zum deutschen Filmalltag. Auch der Instagram-meets-Werbefilm-Glamlook ist einzigartig. Für die durchschlagende Kraft des Films sorgen genauso die zwei Hauptdarstellerinnen, die kaum auf political correctness und Brav- und Schönsein achten. Diese Impro-Kunst ist gemein, lustig und vor allem vollkommen genial in seiner Kompromisslosigkeit.

Das haben wir gebraucht!

Storys über Freundschaft kommen eigentlich immer gut. Davon können wir gar nicht genug kriegen. So ein Thema mit Gewalt und Grenzenaustesten zusammenzubringen, macht Tiger Girl umso spannender. In den anderthalb Stunden knistert und kratzt es ständig. Schnelle Schnitte und schreiende Farben tun ihr Übriges für das generelle Komischfühlen im Kinosessel. In dem Film ist nun wirklich nichts angepasst oder handzahm. Und genau das hat das deutsche Kino gebraucht! Kein Grau in Grau und kein ewiges Geheule, weil mal etwas nicht läuft. Nein, diese zwei Mädels scheren sich einen Dreck um die Negativität, die ihnen entgegenschlägt. Sie ziehen dennoch ihr eigenes Ding durch. Klar, die Geschichte ist schon sehr drüber. Aber trotzdem kann man da viel mitnehmen. Zum Beispiel, dass wir alle oft eine Menge Aggressionen zurückhalten und dass so etwas ziemlich ungesund sein kann. Da brauchen wir neue Wege zum Katalysieren der Probleme. Und Mut, wie er in Tiger Girl mitschwingt, den benötigen wir sowieso alle.

Unangepasst ist das neue angepasst: Immer mit der Masse mitzulaufen, bringt einem nämlich herzlich wenig. Tiger Girl macht das nicht nur inhaltlich klar, sondern auch inszenatorisch zeigt der Film, dass auch aus Deutschland was richtig Innovatives kommen kann.

 

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Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  17. Oktober 2017    Worte  470
Permalink  http://www.farbensportlich.de/tiger-girl/    Farbe  #112432
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