Terrence Malick (führte bereits bei The New World Regie) ermöglicht in seinem philosophisch anmutenden Epos The Tree Of Life eine völlig neue Sichtweise. Nicht alles ist nur schwarz und weiß, so stellt sich auch der Vater dreier Söhne, Mr. O’Brien (Brad Pitt) nicht einfach als Tyrann der Familie dar. Er möchte nicht das Leben an sich vorbeiziehen lassen, er möchte spüren und richtig leben. Dieses Gedankengut versucht er an seine Söhne weiterzugeben. Aus der Sicht des ältesten Sohns wird die Geschichte erzählt, wobei der junge Jack von Hunter McCracken und der zurückblickende Jack von Oscar-Gewinner Sean Penn gespielt wird. Als erwachsener Mann arbeitet er als Architekt, befindet sich in den schwindelerregenden Wolkenkratzern Houstons und zeigt sich noch immer hin- und hergerissen zwischen den Idealen, die ihm seine Eltern vorgelebt haben. Neben dem einschüchternd wirkenden Vater wärmte ihn stets die liebende und vollkommene Güte ausstrahlende Mutter (Jessica Chastain). Doch wo steht er?
Es erweist sich als äußerst schwierig von einem nachvollziehbaren roten Faden zu sprechen, denn vielmehr agiert der 138 Minuten lange Film als visuelle Naturgewalt. Die Geschichte der Familie aus dem mittleren Westen der USA wird in den Kontext der Kreation des Kosmos gestellt. So zeigt Malick in ruhigen Momentaufnahmen das instinktive Verhalten von prähistorischen Lebewesen, um im nächsten Augenblick die von Schande und Demut eingenommene Familie O’Brien näher zu beleuchten. Die Verbindung zwischen Unschuld und Gewalt, Urkraft und Geistigkeit, Wirklichkeit und seelischer Anmut wird in einer einzigartigen Bildsprache wiedergegeben, die dem Betrachter die Sprache verschlagen kann. Verwirrt geht man aus dem Kinosaal, allein mit den durcheinander wirbelnden Gedanken. So findet man sich wieder, im Flussbett des Lebens. Man umarmt und verzeiht einander – bis nur noch Weiß übrig bleibt.