The Sessions – Wenn Worte berühren

Veröffentlichung  24. Mai 2013    Regie  Ben Lewin    Darsteller  John Hawkes  Helen Hunt  William H. Macy
Foto: 20th Century Fox Germany
 IMDb-Wertung
Foto: 20th Century Fox Germany

The Sessions – Wenn Worte berühren ist das erste Lebenszeichen nach einer neunjährigen Schaffenspause des Regisseurs und Drehbuchautoren Ben Lewin (Georgia). Und nun lässt er in seinem Willkommensgruß die intimsten Fantasien zur handfesten Wirklichkeit werden.

Im Alter von sechs Jahren erkrankt Mark O’Brien (John Hawkes, Winter’s Bone) an Kinderlähmung. Seitdem verlebt er den Alltag auf einer Rollbahre oder in einer Eisernen Lunge. Er kann gerade mal den Kopf bewegen, weshalb er stets eine assistierende Hand an seiner Seite hat. Als sich die hübsche Amanda (Annika Marks, Mona Lisas Lächeln) für diesen Job meldet, ist Mark schon bald hin und weg von ihr. Nachdem er ihr aber seine Liebe gesteht, nimmt die junge Frau die Beine in die Hand und flieht. Doch auch wenn sie aus seinem Leben entschwunden ist, so bleibt der Fakt, dass Mark sich nach Berührung und Sex sehnt. So holt er sich zunächst eine neue, kompetentere Pflegerin (Moon Bloodgood, Terminator: Die Erlösung), dann den Segen des unkonventionellen Pastors (William H. Macy, Fargo – Blutiger Schnee) und kontaktiert schließlich die Sex-Therapeutin Cheryl Cohen Greene (Helen Hunt, Was Frauen wollen). Mit ihrer Hilfe soll er im Folgenden nicht nur entjungfert, sondern auch in Bezug auf sein Körperbewusstsein sowie seine gesamte Identität erleuchtet werden.

Ben Lewin adaptiert für sein komödiantisches Drama einen Artikel von Mark O’Brien namens „On Seeing A Sex Surrogate“ und nimmt sich somit der wahren Begebenheit des damals Ende 30-jährigen Journalisten und Poeten O’Brien an, von welcher er sich vollkommen fasziniert zeigt. Die Neugier an dem Thema wird auch auf das rund anderthalbstündige Werk transformiert und versorgt es durch pointierte Dialoge mit ausreichend humoriger Lebhaftigkeit. Dass die Hauptakteure Helen Hunt und John Hawkes zuvor noch nie miteinander gearbeitet hatten, verhilft den Szenen des vorsichtigen aneinander Herantastens zu der nötigen nervösen Glaubwürdigkeit. Hawkes weiß beim Spiel seine körperliche Einschränkung für sich zu nutzen und legt all seine emotionale Kraft in die Mimik des Gesichts und die Fragilität seiner Stimme. Er hat von dem ersten Moment an alle Sympathien auf seiner Seite. So wie auch Helen Hunt, betrachtet man allein, dass sie kein Problem mit kompletter Nacktheit zu haben scheint und dadurch die Sex-Therapeutin mit der richtigen Mischung aus Ernsthaftigkeit und selbstbewusster Leichtigkeit verkaufen kann. Doch neben den dialogischen sowie darstellerischen Stärken schwächelt Lewins Film erheblich aufgrund seiner Begrenztheit in Raum und Haupthandlung. Es wird sich kaum mit Nebenfiguren, Nebensächlichkeiten oder Hintergrund-Stories aufgehalten, obwohl dies eine angenehme Abwechslung zu der oftmals krampfigen Sex-und-Gott-Problematik gewesen wäre. Alles dreht sich um’s Bett und die (fast als heilig angesehene) vollzogene Penetration. Diese Fokussierung lässt das Gesamtwerk erkalten, ja gar erstarren. Für genügend Schwung sorgen da auch ein paar Witze oder ein rauchender Pfarrer ohne Antworten nicht. Somit kann man sich von der grenzenlos erscheinenden Lebensfreude des Mark O’Brien in The Sessions – Wenn Worte berühren eine Scheibe abschneiden und der Hut vor der überwältigenden Darstellerriege gezogen werden. Doch für eine Lobeshymne fehlt dann leider am Ende das gewisse Etwas, das über die Enge der Imagination des Protagonisten hinausgeht und beflügelt.