The King’s Speech – Die Rede des Königs

Veröffentlichung  02. September 2011    Regie  Tom Hooper    Darsteller  Colin Firth  Geoffrey Rush  Helena Bonham Carter  Guy Pearce
Foto: Senator Filmverleih
 IMDb-Wertung
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Vor der Krönung war die Angst

Es ist wie der Alptraum, der einen auch immer als Kind eingeholt hat: man steht vor einer großen Menschenmenge und entweder ist man nackt, bekommt kein Wort heraus oder ähnlich Beschämendes folgt. In dem Fall von Albert, dem Duke of York (Colin Firth) ist es das Wembley Stadion. Die stille Aufmerksamkeit ist ihm ausnahmslos zuteil bis er beginnt jede einzelne Silbe eines Wortes hervorzupressen, Anfangsbuchstaben zu stottern und schließlich in Gänze verstummt. Das Publikum schaut betreten zu Boden. Kein Traum also, sondern ein ganz realer Zustand?

Der Historienfilm von dem Briten Tom Hooper ist, wie es sich für einen guten Hollywoodfilm gehört, ausgeschmückt, aber längst nicht nur erdacht. Queen Elizabeth II zeigte sich äußerst bewegt über die Darstellung ihres Vaters in The King’s Speech. Und David Seidler, der Schreiber des Werkes, stotterte selbst in seiner Kindheit massiv. Sein größtes Vorbild war der Vater von Queen Elizabeth II., König George VI. Seidlers Eltern meinten immer zu ihm: „Siehst du, wenn er damit umgehen kann, kannst du das auch!“. Ein Leidensgenosse war somit gefunden. Auch The King’s Speech handelt weniger von der exakt wahrhaftigen historischen Darstellung der Zeit in den 30er Jahren als von einer heranwachsenden Männerfreundschaft.

Denn als unzählig erniedrigende Arztbesuche hinter Albert liegen, lässt er sich nur schwerlich von seiner Frau (Helena Bonham Carter) zu einem weiteren Besuch überreden. Doch der Australier Lionel Logue (Geoffrey Rush) ist da etwas anders als die herkömmlichen Ärzte – er hat keinen Doktortitel, wollte eigentlich schauspielern und duzt zudem seine Patienten. Was mit unproduktiven Wutanfällen beginnt, wird im Verlauf der fast täglich stattfindenden therapeutischen Sitzungen mit trockenen Witzen angereichert und gipfelt schließlich im produktiven Fluchen. Der Gebrauch von Krafthausdrücken hat noch nie so viel Spaß gemacht! Allein durch Frau und Logue scheint ihm der Rücken so gestärkt, dass er sich nach einigen Hürden sogar zum König George VI ernennen lässt. Mit vollster Unterstützung und neuer Macht kann er alten, angstmachenden Schatten trotzen und sich politischen Herausforderungen stellen. The King’s Speech ist ein ehrlicher Film, der im Besonderen auch durch den feinen Sinn für Humor nie seine Glaubwürdigkeit anzweifeln lässt. Man schaut nicht auf die historische Genauigkeit, aber auf die eindringliche Darstellung. Colin Firth, obwohl er während der Dreharbeiten Angst vor unauthentischer Übertreibung hatte, erweist sich als perfekte Besetzung. Letztlich konnte Firth, selbst wenn nicht gedreht wurde, die Rolle nicht ablegen und so geschah es, dass er bei einer Preisverleihung zu stottern begann. So wünscht man sich doch Oscargewinner!

The King’s Speech erscheint am 02.09.2011 auf DVD und Blu-ray. Unter den Extras der von uns gesichteten 2-Disc Oscar Edition findet sich ein Audiokommentar von Regisseur Tom Hooper, eine Q&A-Session mit den Stars, ein Making Of: Die inspirierende Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft, sowie die echte Rede des King George VI. und eine Featurette über den echten Lionel Logue. Also lohnenswert!