The Jungle Book

Veröffentlichung  14. April 2016    Regie  Jon Favreau    Darsteller  Ben Becker  Jessica Schwarz  Armin Rohde  Justus von Dohnányi
Foto: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany
 IMDb-Wertung
Foto: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Neuverfilmungen von Klassikern boomen – das weiß auch Iron Man-Regisseur Jon Favreau und setzte sich sogleich an ein Dschungelbuch-Makeover. Lediglich der kleine Mogli musste für sein Werk mit einem Schauspieler (Neel Sethi) besetzt werden, die sprechende Tierwelt übernahm dann komplett genialste Computertechnologie. Visuell konnte man so gehörig eine Schippe drauflegen. Die Liste der Synchronsprecher liest sich nun ebenfalls ziemlich beeindruckend. In der englischen Fassung gaben sich Bill Murray, Scarlett Johansson, Christopher Walken, Ben Kingsley, Lupita Nyong’o und Idris Elba die Klinke in die Hand. In der deutschen Fassung präsentieren Ben Becker, Jessica Schwarz, Heike Makatsch, Armin Rohde ihr außerordentliches Stimmvolumen. Und egal, wen man auch fragt, ob das taufrische The Jungle Book nun tatsächlich mit dem Trickfilm aus dem Jahr 1967 mithalten kann – sie sind sich allesamt absolut einig: auf alle Fälle!

Wie seid ihr zum ersten Mal mit dem Dschungelbuch in Berührung gekommen?

Justus von Dohnányi: Meine Schwester hat mir früher aus dem Buch vorgelesen. Ich las nicht so gerne wie sie… Den Trickfilm habe ich dann so ungefähr 1970 gesehen – und von da an immer und immer wieder. Irgendwann auch mit den Kindern zusammen. Der Film vereint einfach alles, was es für eine gute Geschichte braucht: Humor, Abenteuer, Exotik, Freundschaft, Tiere, Mut und ein Happy-End.

Ben Becker: Ich bin auch mit dem Dschungelbuch aufgewachsen. Meine schönsten Kindheitserinnerungen haben mit Disney zu tun.

Jessica Schwarz: Meine Schwester und ich durften als Kinder nicht so viel vor dem Fernseher sitzen. Aber wenn wir dann mal gelassen wurden, haben wir Das Dschungelbuch rauf und runter geschaut. Das war einer der wenigen Filme, die wir auf VHS hatten. Daneben lief noch E.T. in Dauerschleife.

Wie schont man die Stimme, um eine gute Synchronsprecher-Performance abzugeben?

Ben Becker: Ich ziehe mir einen Schal um und gehe früh ins Bett. Man muss mit der Stimme aufpassen. Sie ist ein Geschenk. Ich werde oft gefragt, wie viel man rauchen und Whiskey in sich hineinschütten muss, um so wie ich zu klingen. Aber das ist Blödsinn. Ich habe diese Stimme von meinem Vater geerbt. Die Leute haben sich schon früher darüber erschrocken, weil ich als Kind aussah wie ein Mädchen, mich auch gern als Gisela ausgegeben habe, meine Stimme dem Aussehen aber dann gar nicht entsprach.

Armin Rohde: Man denkt oft Schauspieler würden aus einer Gefühligkeit heraus agieren. Aber in erster Linie ist man Handwerker. Aber worin unsere Arbeit besteht, ist schwer zu vermitteln und ich habe gemerkt, dass die meisten Zuschauer das gar nicht entzaubert haben wollen. Sie wollen nicht, dass es etwas ist wie Brötchen backen.

Was das Einsprechen dieser Figuren eine besondere Herausforderung?

Jessica Schwarz: Es hat auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht Kaa zu sprechen. Nur dachte ich zuerst, dass ich singen müsste. Das habe im Vorfeld dann auch zu Hause ein bisschen geübt. Obwohl ich mir so dachte: Wie soll das Funktionieren? Ich habe einfach nicht so eine dunkle, sonore Stimme wie Scarlett Johansson (spricht Kaa im Original, Anm. d. Red.). Ich war sehr froh als ich erfuhr, dass ich nicht singen musste. (lacht)

Ben Becker: Jede Figur ist eine Herausforderung. Auf Pillepalle lasse ich mich gar nicht erst ein. Bei Shir Khan musste ich schauen, was dahintersteckt. Warum wurde er überhaupt zum Bösen? Wieso verhält er sich so? An dieser Stelle fängt der Beruf an interessant zu werden. Mein Charakter ist in der Neuverfilmung auch vielschichtiger als in dem alten Trickfilm.

Armin Rohde: Im „Jungle Book“ wird den Tieren ihre Würde gelassen. Zum Beispiel haben Bären in der Realität keine Mimik. Man sieht ihnen nicht an, dass sie einem gleich die Pranke ins Gesicht hauen. Aber hier hat der Bär eine Mimik, die komischerweise nicht aufgesetzt wirkt. Außerdem ist Balu nicht mehr nur niedlich und zweidimensional. Er ist ein tröstlicher Charakter, der es dennoch faustdick hinter den Ohren hat. Er profitiert von den Fähigkeiten der anderen, gibt dafür aber Schutz und Freundschaft. Nach der Arbeit im Synchronstudio hat Balu mir richtig gefehlt. Weil es mir so viel Freude bereitet hat ihn zu sprechen. Ich hatte auch genügend Zeit dafür – insgesamt fünf Tage. Sensationell.

„Probier’s mal mit Gemütlichkeit“: Ein Spruch an den es sich zu halten lohnt?

Armin Rohde: Dazu komme ich nicht. Ich drehe dann doch zu viele Filme oder spiele Theater. Dabei mag ich es wahnsinnig gerne nur so dazusitzen und aus dem Fenster zu schauen. Oder auch mal Playstation zu spielen oder mich einfach in die Sauna zu hauen. Und ich finde, dass ein Mittagsschläfchen eigentlich überall eingeführt werden sollte. Danach arbeitet man nämlich viel konzentrierter und effektiver. Wenn jemand Stress hat, empfehle ich immer, dass man alles für wenigstens dreißig Minuten liegen lässt. Als Schauspieler kommt es oft vor, dass man sich verrennt – gerade bei Nachtdrehs, wenn man plötzlich um halb vier morgens eine halbe Seite Text hat. Wenn man dann an einer bestimmten Stelle nicht weiterkommt, sagt ein guter Regisseur: „Mach mal eine Pause, trink einen Kaffee, mach eine Kniebeuge und dann fangen wir noch mal an.“ Es gibt auch Regisseure, die brüllen dann, aber mit denen würde ich persönlich nicht zusammenarbeiten. Ich denke, das beste Resultat erhält man, wenn man mit Ruhe, Gelassenheit und ein bisschen Gemütlichkeit an die Sachen herangeht.

Aber leider funktioniert nicht alles mit Gemütlichkeit. Armin, du hattest auch schon eine ziemlich schwere Zeit.

Armin Rohde: Aber Gott sei Dank habe ich diese Zeit hinter mir. Vor zwei Jahren habe ich meine Ernährung umgestellt. Ich verzichte so weit es geht auf Fleisch. Außerdem mache ich Sport, funktionales Training. Wenn ich frei habe, kommt der Trainer dreimal die Woche zu mir. Ich muss den ehrlich angefressenen Bauch bekämpfen, denn ich wiege 100 Kilo und bin nur 1,71 groß. Ich muss also was tun. Ich bin gerade erst 61 geworden, da sollte man es mit manchen Sachen ein bisschen ernster meinen und Arbeit reinstecken. Es lohnt sich.

Wie sieht eure Einschätzung dazu aus wie wir aktuell mit unserer Umwelt und den Tieren umgehen?

Ben Becker: Die Geschichte der Menschen ist eigentlich eine sehr traurige. Wir gehen weder mit uns selbst noch mit der Natur und den Tieren gut um.

Jessica Schwarz: Wir Menschen nehmen den Tieren mehr und mehr ihren Raum zum Leben. Von den Tigern gibt es immer weniger. Der Film zeigt zwar einen satten Dschungel, aber dieser ist nur am Computer entstanden. In Zukunft sollten wir doch nicht nur einen Computerdschungel zur Verfügung haben, oder?

Justus von Dohnányi: In den Sechzigern oder Siebzigern war die Umwelt nicht so ein Thema wie heutzutage. Und jetzt ist es dies nicht etwa, weil eine Sumpfralle womöglich nicht überlebt, sondern weil es uns selbst an den Kragen geht.

Armin Rohde: Mir ist es wichtig, dass wir humaner miteinander umgehen. Dafür setze ich mich regelmäßig auf Social-Media-Plattformen ein und kassiere auch jede Menge Beleidigungen und Drohungen. Wobei ich der Meinung bin, dass man nur von jemandem beleidigt werden kann, den man kennt und mag. Bei demjenigen, den ich vorher noch nie gesehen habe und der mir dann irgendeinen Blödsinn schreibt, denke ich nur: „Du armer Wicht, wer hat dir als Kind so wehgetan, dass du jetzt das nötig hast?“ Aber wenn es sich um Morddrohungen handelt, übergebe ich es der Kripo. Das lasse ich mir nicht gefallen.

Kann der Film mehr als Eskapismus sein?

Ben Becker: Lass mal die Kirche im Dorf. Man kann sagen: Rettet den Regenwald, aber dann ist auch hübsch.

Armin Rohde: Es wäre leicht zu antworten, dass wir in so gefährlichen Zeiten leben, dass wir uns lieber nur mit ernsten Problemen beschäftigen sollten als mit irgendeinem Unterhaltungsquatsch. Aber ich denke, wir sind den gefährlichen Sachen nur gewachsen, wenn wir uns zwischendurch auch mal unterhalten lassen und dabei zum Luftholen kommen. Unterhaltung hat eine kathartische Funktion. Und wenn man eine Message aus dem Dschungelbuch mitnehmen möchte, dann wäre das wohl: Traue keinem Tiger! Obwohl das Bittere ist, dass Shir Khan recht hat. Menschen gehören nun mal nicht in den Dschungel – dass zeigt zum Beispiel die Brandrodung in Brasilien und Südostasien.

Wann hattet ihr das erste Mal bei einem Film Angst?

Justus von Dohnányi: Das kann man sich jetzt kaum noch vorstellen, aber ich hatte das erste Mal so richtig Angst bei einem Tatort. Meine Eltern waren nicht zu Hause und ich habe mir den allein angeschaut. Der Fall war so spannend, dass ich mich schließlich hinter dem Sofa verkrochen habe und nur noch ab und zu hochgucken konnte. (lacht)