The Interview

Veröffentlichung  05. Februar 2015    Regie  Seth Rogen  Evan Goldberg    Darsteller  Seth Rogen  James Franco  Randall Park
Foto: Sony Pictures Releasing
 IMDb-Wertung
Foto: Sony Pictures Releasing

Der Film, den du nicht sehen durftest

Nach all der Aufregung um die (mutmaßlich nordkoreanischen) Terrordrohungen Ende 2014 gegenüber Sony-Mitarbeitern und Kinos, die den Film ausstrahlen, hat sich die Lage scheinbar beruhigt. The Interview erschien am 25. Dezember 2014 in Amerika als Video On Demand und wurde den vielen Menschen zugänglich gemacht, die sich für seinen brisanten Inhalt interessiert haben: der Ermordung von Nordkoreas Diktator Kim Jong Un.

Im Februar 2015 kommt auch das deutsche Publikum in den Genuss der Komödie und dürfte todesmutig feststellen: es handelt sich zum Glück nur um einen weiteren Seth Rogen-Blödelfilm. Zusammen mit seinem Produktionspartner Evan Goldberg, zeichnet er sich auch als Regisseur verantwortlich (letzter Film des Gespanns: Das ist das Ende). Beide wollten mit ihrem ursprünglich “Kill Kim Jong Un” betitelten Werk mehr als nur bloße Unterhaltung abliefern – sie wollten etwas bewegen. Ehrfurcht vor der Autorität des nordkoreanischen Staatsoberhauptes fühlten sie dabei aber keine. Gegenüber dem Branchenmagazin Variety wurde geäußert:

That would be like saying, “Don’t make fun of Hitler because it’ll piss off Hitler.” Because Hitler’s power comes from people being too afraid of Hitler to stop Hitler from being such a Hitler. And instead of our film looking back on past events, it could actually tackle something current. (Seth Rogen)

Die Zuspitzung erfolgt bis hin zum Vergleich mit dem Grundrecht auf Meinungs- und Redefreiheit, worin sie übrigens von niemand geringerem als US-Präsident Barack Obama bestärkt wurden. Ob ihm der Film auch gefiel? Fraglich, denn die USA bekommt in The Interview mindestens genauso ihr Fett weg: eine Nation voller oberflächlicher, kriegsgeiler Vollidioten. Allen voran der beliebte Talkshow-Moderator Dave Skylark (James Franco, 127 Hours), der gemeinsam mit seinem Produzenten Aaron Rapaport (Seth Rogen) dazu auserkoren wird Kim Jong Un (Randall Park, Fast verheiratet) auszuschalten. Den beiden gelingt es ein exklusives Interview zu vereinbaren, da Un ein riesiger Fan von Trash-TV ist. Als Dave den Despoten jedoch erst einmal näher kennenlernt, ändert sich sein Eindruck schlagartig. Ist das Bild auf Nordkorea etwa einer Manipulation unterworfen, wie sie auch dem Staat gegenüber der westlichen Welt nachgesagt wird?

The Interview kommt keinem kriegerischen Akt gleich. Niemand wird verletzt. Gut, manch ein Charakter verliert vielleicht ein oder zwei Finger, wird der Kopf weggeschossen, oder muss etwas im Hintern verstecken (FSK 12). Nachhaltige Aufreger sucht man vergebens. Unter’m Strich bleibt es eine Komödie voller geschmackloser Witze, über die man sich köstlich amüsieren könnte, wenn es denn dem eigenen Humor einigermaßen entspricht. Wie eigentlich immer, wenn der Name Seth Rogen auf dem Plakat auftaucht. Besondere Anerkennung verdienen zum Abschluss noch die vielen Stars mit Cameo-Auftritten, die sich im Film selbst nicht zu ernst nehmen. Da schmust etwa Joseph Gordon-Levitt einträchtig mit Hundewelpen, Rob Lowe lüftet sein Glatzen-Geheimnis und Rapper Eminem behauptet ganz kühl er sei schwul – und habe immer schon Brotkrumen in seinen Texten versteckt. Weitere exklusive Skylark-Tonight-Ausschnitte mit Zac Efron und Orlando Bloom warten im offiziellen YouTube-Kanal von Sony darauf entdeckt zu werden.