The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben

Veröffentlichung  26. Juni 2015    Regie  Morten Tyldum    Darsteller  Benedict Cumberbatch  Keira Knightley  Matthew Goode  Mark Strong
Foto: SquareOne Entertainment
 IMDb-Wertung
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Der Brite Benedict Cumberbatch ist nicht gerade die leicht verdauliche Sorte eines Schauspielers. Entweder man mag diese spezielle Note Extravaganz im Reden, Auftreten, Gestikulieren und Gucken oder man ist überfordert von dieser gesamten Übergewalt. Eine Entscheidung für die Pro-Kompliziert-und-Ungemütlich-Liste fällt mithilfe von The Imitation Game um einiges leichter.

Der Filmemacher Morten Tyldum (Headhunters, Buddy) versteht es in der Verfilmung des Lebens von Superhirn und Sozialdepp Alan Turing (von Cumberbatch verkörpert) ganz den Fokus auf das Gesicht zu legen. Was passiert hinter dieser Stirn? Wie klar oder doch wirr wird in diesem Gehirn wohl die Arbeit getan? Genauso ruhig wird der Habitus, die Kleidung und im Besonderen auch der Hinterkopf Bild für Bild durchexerziert. Eins nach dem anderen lernt der Betrachter aus nächster Nähe, mit all seinen Furchen und Falten, in 114 Minuten kennen. Die Geschichte rund um Alan Turing ist dabei so unschlagbar mit allen nur möglichen Höhen und Tiefen eines Lebens versehen, dass man sich kaum dem Mitsympathisieren verwehrt. Ein Mathematiker, der sich um des Rätselns willen dem britischen Gemeindienst zur Entschlüsselung eines deutschen Codes während des Zweiten Weltkrieges anschließt, dabei den Einzelkämpfer markiert und doch das schöne, kluge Mädchen (Keira Knightley, Anna Karenina) auf seine Seite reißen kann. Als die Lösung für die deutsche Enigma-Maschine mithilfe einer eigens kreierten Maschine (namens „Christopher“) näher rückt, drücken sich neue Probleme in den Vordergrund. Wie sollte mit einer derartigen Enthüllung umgegangen werden? Und wenn Politisches bzw. Technisches manches Mal Platz für andere Sorgen machen, so werden Turing die persönlichen Vorlieben zum größten Verhängnis.

The Imitation Game zeigt das Schicksal eines Einzelnen, der sich als Gott aufspielt (oder aufspielen muss?). Eigentlich eine ziemlich arrogante Angelegenheit (in ihrer Oberflächlichkeit betrachtet) und nicht nur deshalb so passend besetzt mit dem modernen Sherlock-Mimen Benedict Cumberbatch. Und gleichzeitig bietet das Auge von Regisseur Morten Tyldum eine neu durchschimmernde Menschlichkeit an dem Schauspieler. Die Dualität seiner Person bringt er mühelos und nuanciert auf den Punkt. In Kombination mit dem „wahre Geschichte“-Siegel ein Knock Out für die Negativstimmen-zu-Cumberbatch-Seite. Wer noch zweifeln sollte, dem sei des Weiteren ein Blick auf die acht Oscar-Nominierungen empfohlen (gewann: Bestes adaptiertes Drehbuch). Auch wenn es in diesem Jahr viele Aufreger in den verschiedenen Kategorien zu vermelden gab, so scheint zumindest was die Leistungen von Cumberbatch und Co. angeht alles seine Richtigkeit gehabt zu haben.