The Huntsman & The Ice Queen

Veröffentlichung  18. August 2016    Regie  Cedric Nicolas-Troyan    Darsteller  Chris Hemsworth  Emily Blunt  Jessica Chastain
Foto: Universal Pictures Germany
 IMDb-Wertung
Foto: Universal Pictures Germany

Ein visuelles und inhaltliches Desaster

In der Märchen-Fortsetzung kreuzen sich erneut die Wege von Huntsman Eric und der bösen Königin, deren verbitterte Schwester Freya nun von der Macht des Spiegels ergriffen wird.

Du erinnerst dich an die Geschichte von Schneewittchen und den sieben Zwergen? Im Jahr 2012 dachte sich das Filmstudio Universal, dass man das Märchen um Snow White dringend neu erzählen müsste. Mit einem düsteren Touch, versteht sich. Als wichtigsten Gegenpart stellte man dem Schneewittchen einen Jäger an die Seite, der nun seine ganz eigene Fortsetzung mitsamt Vorgeschichte bekommt. In dieser verliebt sich Huntsman Eric (Chris Hemsworth) in die Kriegerin Sara (Jessica Chastain) und genau das ist auch der Grund, weshalb die beiden schließlich aus dem Königreich der Ice Queen Freya (Emily Blunt) verstoßen werden. Denn diese duldet keinerlei Gefühle. Um ihre Herrschaft perfekt zu machen, fehlt ihr nur noch der Zauberspiegel ihrer verstorbenen Schwester Ravenna (Charlize Theron), der mittlerweile spurlos verschwunden ist. Während die eiskalte Herrscherin eine ganze Schar an unemotionalen Kriegern losschickt, um den Spiegel ausfindig zu machen, begibt sich Eric auf eigene Faust auf die Suche nach dem machtvollen Relikt. Doch ganz allein muss er letztlich nicht gegen die Schreckensherrschaft von Freya angehen. Plötzlich erhält er Unterstützung, mit der er niemals gerechnet hätte

Verschachtelte Story, nichts dahinter

Eine bloße Fortsetzung wäre wohl zu einfach gewesen. Denn in The Huntsman & The Ice Queen wird zeitlich und in den Ebenen gesprungen, was das Zeug hält. Mal steht die Eiskönigin im Vordergrund, die als junge Frau neben ihrer Schwester noch wie ein echter Schatz erscheint. Doch nachdem man ihr Baby nimmt, erwacht in ihr das Böse und der Wunsch wie ihr blondes Geschwisterchen zu einer großen Diktatorin zu werden. Dann wandelt sich wiederum der Fokus und Huntsman Eric muss lernen mit dem Verlust seiner Liebe und purer Isolation umzugehen. Bei den vielen Story-Hüpfern bleibt es schwer am Ball zu bleiben. Auch das Nachempfinden erweist sich als äußerst schwierig. Die Charaktere, die man aus dem ersten Teil des Fantasy-Dramas aus dem Jahr 2012 kennt, finden im zweiten Part kaum Verwendung. Nicht einmal die tragende Figur des Erstlings, Snow White (gespielt von Kristen Stewart), kommt hier vor – und trotzdem ist ständig die Rede von ihr. Was für eine Verwirrung! Lediglich die großmäuligen Zwerge (Rob Brydon und Nick Frost) sorgen da noch für ein paar schnelle Schenkelklopfer.

Computer-Animation ohne Herz

Mit einem klassischen Märchen hat The Huntsman & The Ice Queen nicht mehr viel gemeinsam. Handgemachte Sets mit zerfallenen Hexenhäusern und grünen Wiesen sucht man hier vergebens. Die Stimmung ist in keiner Weise leichtfüßig, sondern mächtig düster. Der typische, altmodische Charme einer Märchenerzählung wurde komplett über Bord geworfen. Jede zweite Szene nahm man einfach vor dem Green Screen auf. Scheinbar war es nur so möglich Tiefe und Atmosphäre zu erzeugen. Dabei lässt sich feststellen, dass die Effekte ziemlich lausig ausgefallen sind. Fabelwesen bewegen sich so müßig in dem Film fort als müssten sie genau in dem Moment noch schnell fertig gezeichnet werden. Das tut weh! Als positives Beispiel bleiben einzig sehr kleine visuelle Spielereien im Kopf hängen – so wie die unzähligen Schneeflocken, welche die Ice Queen stets wild durcheinanderwirbelnd umgeben und ihr noch einmal mehr Macht zu verleihen scheinen. Aber im Großen und Ganzen kann der Film nicht mit ähnlichen Fantasy-Werken (zum Beispiel der Hobbit-Trilogie) mithalten. Trolle und Feen, die aussehen wie Sticker aus einem Poesiealbum der Neunziger können heutzutage wirklich keinen mehr hinter dem Ofen hervorlocken.

Au Backe: Die Fortsetzung The Huntsman & The Ice Queen wäre nun nicht notwendig gewesen. Sie hat so gar nichts mehr zu dem vorherigen Teil beizutragen (auch wenn irritierenderweise gern darauf verwiesen wird) und kann auch überhaupt nicht auf eigenen Beinen stehen. Die Handlung ist wenig ergreifend und die visuellen Effekte wirken unausgegoren. Schade, aber diese Weitererzählung ging absolut nach hinten los!

Lies auch unsere Rezension zum Vorgänger Snow White & The Huntsman.