The Future

 
Kino 26. Oktober 2011
 
The Future
 

Da ist es wieder. Das alte Thema Liebe. Hinzu kommt der Geselle Verlust. Und zusammen hat man die beiden schon ziemlich oft gesehen, oft mitgelitten, aber nun ist es doch mal genug damit. Die Regisseurin und Protagonistin von The Future, Miranda July, möchte auch keine schnöde Repetition anzetteln, sondern bauscht die alte Leier im neuen Gewand mal so richtig auf. Da gibt es den traurig vor sich hin schnurrenden Kater, der jeden einzelnen Zuschauer mit in das dramatische Liebesknäuel hinein knuddeln soll, dies aber eben nur teilweise schafft.

Sophie (Miranda July) und Jason (Hamish Linklater) stecken seit vier Jahren in einer Beziehung miteinander und sind oberflächlich betrachtet recht glücklich mit der Gesamtsituation. Bis sie sich dazu entscheiden den verwundeten Kater Paw Paw in einem Monat zu adoptieren. Mit dieser großen Herausforderung konfrontiert stellt das Paar fest, dass sie mit Mitte 30 so gut wie nichts im Leben erreicht haben. Nicht nur ihre Jobs widern sie zutiefst an, sondern auch ihre Faulheit Dinge zu ändern. So wird das knuddelige Tier als Grund genutzt, um das eigene Leben endlich voll und ganz auszukosten. Sophie möchte täglich Tanz-Videos von sich auf Youtube bewundern können, wohingegen sich Jason entscheidet der Umwelt seine volle Unterstützung zuzusichern, indem er in der Nachbarschaft versucht Bäume zu verkaufen. Doch das spannende 30-Tage-Projekt ganz ohne Internet beginnt eine ganz unerwartete Wendung zu nehmen, mit welcher die Liebenden so nie gerechnet hätten.

Nach Ich und du und alle, die wir kennen folgt nun ein weiteres heiteres Drama von Miranda July, die, ob in ihren Kurzgeschichten, Performances oder eben Filmen, versucht die gewohnte Sichtweise auf Alltäglichkeiten auf den Kopf zu stellen, zu schütteln und dann wieder geordnet in anderthalb Stunden frisch aufzubereiten. Doch wo sich ihr Debütfilm von 2005 noch als eine unbeschwert entrückter Indie-Perle darbot, trieft The Future nur so vor anstrengend kunstvoll inszenierten Szenen. Obwohl es sich nur um 90 im Kinosessel verbrachte Minuten handelt, wiegen die aufgesetzten Dialoge so schwer, dass man davon schon mal Gliederschmerzen bekommen kann. Nach einer Weile möchte man einfach nicht mehr Katze Paw Paw reden hören (die von Miranda July gesprochen wird), Jason soll endlich die Hand wegnehmen und Sophie mit dem absurden Unsinn aufhören. Aber so funktioniert das wohl. Nach dem Konsumieren all der Durchschnittsliebesfilmchen mit ihren rapiden Höhen und Tiefen, vermag solch ein arty July-Film nicht so schnell verdaut sein. Und mit ein bisschen Zeit dazwischen kann man das bestimmt ausnahmslos super und total verständlich finden, wenn das krude The Future mit all seinen kreativ ausgeschmückten Eventualitäten so gut bei Publikum und Kritikern abschneidet.

 
421 Wörter von Hella, 205 Tage alt