The Danish Girl

Veröffentlichung  07. Januar 2016    Regie  Tom Hooper    Darsteller  Eddie Redmayne  Alicia Vikander  Matthias Schoenaerts  Amber Heard
Foto: Universal Pictures Germany
 IMDb-Wertung
Foto: Universal Pictures Germany

Im falschen Körper geboren

Mit der Verfilmung der wahren Geschichte von Transgender-Pionierin Lili Elbe formuliert The King’s Speech-Regisseur Tom Hooper ein feinfühliges Plädoyer für Individualismus und Selbstverwirklichung.

Im Kopenhagen der 1920er Jahren führen Portraitmalerin Gerda (Alicia Vikander) und Landschaftsmaler Einar Wegener (Eddie Redmayne) eine leidenschaftliche Ehe. Doch auch wenn sie ihr Glück in der Liebe gefunden haben, so lässt bei Gerda der berufliche Erfolg auf sich warten – sie sucht immer noch nach dem richtigen Modell für ihre Arbeiten. Eines Tages bittet sie ihren Mann in Frauenkleidung zu posieren und mit einem Mal scheint sie von der Muse geküsst. Sie portraitiert ihren Liebsten ein ums andere Mal und die Bilder werden ihr sogleich abgekauft. Amüsiert von der kurzzeitigen Verwandlung zur Frau beschließt das Paar auf einer Veranstaltung Einar geschminkt und mit Perücke ausgestattet als Cousine Lili vorzustellen. Was für Gerda als Spaß beginnt, ist für ihren Gatten voller Ernst. Er spürt wie richtig sich plötzlich alles anfühlt und so möchte er bald nur noch Lili sein.

Eddie Redmayne: Erst Stephen Hawking, dann Lili Elbe

Der Schauspieler Eddie Redmayne liebt es sich seinen Ängsten zu stellen. Als ihm Filmemacher Tom Hooper während der Zusammenarbeit bei Les Misérables das Drehbuch zu The Danish Girl zum ersten Drüberlesen überreichte, blieb dem 34-Jährigen regelrecht die Luft weg. Würde er diese Aufgabe meistern können? Könnte er in dieser besonders vielschichtigen Rolle überhaupt glaubwürdig sein? Genau solche Fragen und Sorgen trieben den Briten letztlich an sich so richtig ins Zeug zu legen. Er trat mit der Transgender-Community in Kontakt, las David Eberhoffs Buch, auf welches sich auch Hoopers Film beruft, und beschäftigte sich eingehend mit Erfahrungsberichten. Als es schließlich ans Drehen ging, trainierte er gar regelmäßig mit einer Choreografin, die ihm zur authentischen Körperlichkeit seiner Figur verhelfen sollte. Sein Motto: Perfektion ist das Ziel, auch wenn man weiß, dass man sie nie wirklich erreichen kann. Dennoch ist Redmayne – wie schon im Stephen-Hawing-Biopic Die Entdeckung der Unendlichkeit (für welches er mit einem Oscar als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet wurde) – dicht dran. Schon beim Augenaufschlag fängt sein eindringliches Spiel an, die Stimme wirkt unglaublich sensibel, seine Haltung lässt keine Zweifel an Selbstverständnis und Sinnlichkeit. Eddie Redmaynes Präsenz ist weit über eine einzelne Szene hinaus spürbar.

Tom Hooper und die Liebe

Der in London geborene Regisseur Tom Hooper beschäftigt sich nur allzu gern mit geschichtlichen Themen. Aber schaut man sich die epischen Dramen The King’s Speech und Les Misérables einmal unter der Lupe an, so stellt sich heraus, dass er neben all dem Rebellentum, welches den Werken innewohnt, auch immer die Zweisamkeit ins Zentrum rückt. Auch in The Danish Girl ermöglicht es die Liebe extreme Hürden zu nehmen. Ein Großteil des 119-Minuten-Films mutet an ein Hochglanz-Kammerspiel an. Die vier Wände der zwei Künstler dienen ihnen als großzügige Arbeitswelt, sexuelle Spielwiese und als Raum, in dem sie einfach alles aussprechen können. Außenwelt und Nebendarsteller (wobei mit Amber Heard, Sebastian Koch, Ben Whishaw und Matthias Schoenaerts hochkarätig besetzt) werden lediglich genutzt um Akzente zu setzen. Und genau diese beständige Nähe zu den Protagonisten macht Hoopers Werk zum Geniestreich und gleichzeitig so manches Mal auch zu einem Kitsch-durchtränkten Gefühls-Wirrwarr.

The Danish Girl lässt sich genüsslich Zeit, um Lili Elbes Lebensgeschichte zu erzählen. Immer wieder verliert sich Tom Hooper in innovativen Kamerafahrten aus Frosch- und Spiegelperspektive, die genauso gut aus einer Dior-Werbekampagne entsprungen sein könnten. Aber auch wenn man sich an einigen Stellen ein zügigeres Tempo gewünscht hätte, so büßt das Drama dabei kaum an Schlagkraft ein – was vor allem der neuen Hollywoodstar-Riege um Eddie Redmayne und Alicia Vikander geschuldet ist.

 

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Rubrik  Kino    Autor      Datum  08. Januar 2016    Worte  585
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