The Cabin in the Woods

Veröffentlichung  01. Februar 2013    Regie  Drew Goddard    Darsteller  Kristen Connolly  Chris Hemsworth  Richard Jenkins  Bradley Whitford
Foto: Metropolitan FilmExport
 IMDb-Wertung
Foto: Metropolitan FilmExport

Neuauflage alter Opferrituale

The Cabin in the Woods dekonstruiert die klassischen Erwartungen des Zuschauers an das Horrorgenre und überrascht mit unytpischen Erzählstrukturen. Weiterlesen auf eigene Gefahr: es ist nicht zu verachten sich den Film unvorbelastetet anzuschauen.

Die Filmwelt strotzt derzeit nicht gerade vor originellen Konzepten. Geschichten werden alle Nase lang aufgewärmt und neu erzählt. Das Publikum dankt es den Machern nicht selten mit Spott und Hohn. Besondere Qualitäten beweisen Filme, die durch Einfallsreichtum zum Leckerbissen für Genreliebhaber werden. Um diesen Status zu erreichen braucht es oft Zeit. Im Falle von The Cabin in the Woods reifte der bereits abgedrehte Film nach der Insolvenz des Filmstudios MGM drei Jahre wie ein guter Wein im Keller. Viel ist in der Zwischenzeit passiert – Darsteller Chris Hemsworth etwa ist mit seiner Verkörperung des Superhelden Thor in Marvel’s The Avengers von Erfolgsregisseur Joss Whedon zum Star avanciert. Die Beiden lernten sich bereits 2009 kennen als sie gemeinsam an The Cabin in the Woods arbeiteten. Whedon stellte seine Fertigkeiten als Drehbuchschreiber unter Beweis und unterstütze Mitautor und Regisseur Drew Goddard (Autor für Lost und Cloverfield von J.J. Abrams) bei der Umsetzung seines Erstlings. Zusammen haben sie schon für Serien wie Buffy – Im Bann der Dämonen und Angel – Jäger der Finsternis gearbeitet.

This movie came from a place of love. We love horror movies, first and foremost. Joss Whedon — who I wrote this movie with, my partner in crime — we just love horror movies, so we sort of set out to write the ultimate horror movie. At least, the best one we knew how to do. And so it’s really just kind of taking our love of the genre and giving the audience the most fun time we can possibly give them in a horror movie. That’s our goal. (Regisseur Drew Goddard)

Das Warten hat sich gelohnt! Whedon und Goddard nahmen einen sorgfältigen Abdruck altbackener und gegenwärtiger Horror-Klischees und ziehen das Genre mit frischen Ideen durch den Kakao. Durch klassische Bestandteile wie eine Handvoll Teenager, die in der amerikanischen Einöde verschwinden, mordende Zombies und allerhand Metaebenen-Grusel, beweisen sie, dass sie ihr Handwerk verstehen. Anlehnungen an Tanz der Teufel von Sam Raimi und vielen weiteren Klassikern sind bewusst gestreut. Die Kür erfolgt allerdings durch den surrealen Rahmen, in der sie die Handlung ansetzen. Denn alle Ereignisse werden von einer mysteriösen Organisation mit diversen Tätigkeitsfeldern gesteuert. Während die Kids um ihr Leben fürchten, sehen wir zwei Wissenschaftler, die in einer Steuerzentrale sitzen und ein paar Knöpfe drücken. Was soll das?

Dana (Kristen Connolly, The Happening), Jules (Anna Hutchison), Marty (Fran Kranz, The Village – Das Dorf), Curt (Chris Hemsworth, Thor) und Holden (Jesse Williams, Gesetz der Strasse – Brooklyn’s Finest) machen sich auf Weg zu der Hütte von Curts Cousin, in der sie ein entspanntes Wochenende verbringen wollen. Nichtsahnend, dass jeder ihrer Schritte verfolgt wird und sie ihrem nahendem Tod entgegenfahren. Selbst die Warnung des bedrohlich wirkenden Tankwarts (Tim De Zarn, Stirb Langsam 4.0) schüchtert sie nicht ein. Bei der Hütte angekommen, lassen sie die traumhafte Idylle auf sich wirken – bis sie den Zugang zum Keller entdecken. Als die Vernunft aussetzt, beginnt eine Hetzjagd, die sie nicht überleben können. Immer wieder springt die Handlung zu den Wissenschaftlern Sitterson (Richard Jenkins, Burn After Reading) und Hadley (Bradley Whitford, The West Wing), die die Ereignisse überwachen und Wetten vom ungeduldigen Team auf den Ausgang des Abends annehmen. Denn obwohl sie nichts dem Zufall überlassen, darf die Gruppe um die Jungfrau, das Dummchen, den Kiffer, den Sportler und den netten Jungen von Nebenan zumindest ihr Schicksal selbst wählen. Die Art und Weise, wie und durch wen sie den Tod finden, entscheidet sich im Keller, wo Relikte aus vergangenen Zeiten darauf warten von den neugierigen Protagonisten aktiviert zu werden.

Vor lauter Satire und Witz bleibt es lange Zeit ein Rätsel, welchen Zweck die Morde verfolgen. Im Spiel mit den Urängsten wird aber bald deutlich, dass die antiken Opferstätten einer Hütte im Wald gewichen sind. Um das Gefüge der Welt im Gleichgewicht zu halten und die Götter zu besänftigen, braucht es Menschenopfer. Geplant, durchgeführt und frenetisch umjubelt werden diese von einer geheimen Institution tief unter der Erde. Parallel spiegelt die Handlung Whedons und Goddards kritische Auseinandersetzung mit der steigenden Blutlust des gemeinen Horrorfans wider. Nach einem zurückhaltenden Start dreht aber auch The Cabin in the Woods in den letzten zwanzig Minuten noch einmal richtig auf und treibt die eigene Jugendfreigabe ab 16 an ihre schmerzliche Grenze. Kurzum ist der Film eine mehrdimensionale Gruselgeschichte, die durch ihre vielen Referenzen gnadenlos mit den gängigen Klischees des Genres abrechnet und dabei maßlos gut unterhält. Das Ende wird die Herzen von Horror-Fans und -Neulingen gleichermaßen erfüllen.

Besonderheit:
Neben den zahlreichen Extras erwartet den Besitzer des Films auch ein aufregendes Augmented Reality-Cover. Eine App erweckt die Hütte zum Leben! Mit der richtigen Berührungskombination öffnet sich schließlich der Trailer auf dem Smartphone.

 

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Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  31. Januar 2013    Worte  800
Permalink  http://www.farbensportlich.de/the-cabin-in-the-woods/    Farbe  #2a210c
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