The Best Offer – Das höchste Gebot

Veröffentlichung  21. März 2013    Regie  Guiseppe Tornatore    Darsteller  Geoffrey Rush  Sylvia Hoeks  Jim Sturgess
Foto: Warner Bros. Pictures Germany
 IMDb-Wertung
Foto: Warner Bros. Pictures Germany

Der italienische Komponist Ennio Morricone machte dieser Tage seinen Ärger über den Kult-Regisseur Quentin Tarantino Luft und eröffnete den Wunsch nicht noch einmal mit dem selbigen zusammen arbeiten zu müssen. Es missfalle ihm wie zusammenhanglos Tarantino Musikstücke in seine Werke einbringen würde. Besser hat es der 84-jährige Morricone da eindeutig mit Cinema Paradiso-Macher Guiseppe Tornatore getroffen. Für dessen neuesten Streich The Best Offer – Das höchste Gebot durfte er die musikalische Umrahmung beisteuern, die so gekonnt in die vertrackte Handlung mit eingebunden wird, dass eine jede Note nicht nur die Darsteller zu stützen weiß, sondern gar eine weitere Hauptrolle in dem Kunst-Thriller spielt. Doch kann denn auch die Handlung des Films in voller Länge überzeugen?

In jeder Fälschung verbirgt sich auch etwas Echtes.

Virgil Oldman (Geoffrey Rush, The King’s Speech) hat einen großen, offenen Kleiderschrank nur für seine vielen unterschiedlichen Handschuhe. Er ist Auktionär und Kunstexperte. Damit verdient er nicht nur jede Menge Geld, sondern auch großen Respekt von seinen Mitmenschen. Doch zu diesen wahrt er gern Distanz. Aber dann tritt die geheimnisvolle Claire Ibbetson (Sylvia Hoeks, Vatertage – Opa über Nacht) in sein Leben und kommt ihm näher als er es je für möglich gehalten hätte. Zunächst bittet sie ihn lediglich darum die Hinterlassenschaften ihrer verstorbenen Eltern zu schätzen und die Wertgegenstände für eine Auktion in einem Katalog zusammenzufassen. Bald schon konzentriert sich der exzentrische Oldman weniger auf die spannenden Entdeckungen, welche er in dem heruntergekommenen Ibbetson-Anwesen macht. Sondern vielmehr interessiert er sich für die junge Frau, die an Agoraphobie leidet und deshalb seit unzähligen Jahren nicht mehr das Haus verlassen, geschweige denn sich anderen Personen gezeigt, hat. Mithilfe der Tipps von dem ihm bekannten Restaurator und Frauenkenner Robert (Jim Sturgess, 21) springt er schließlich über seinen Schatten, um so der ängstlichen Claire aus ihrem selbst kreierten Gefängnis herauszuhelfen.

The Best Offer – Das höchste Gebot ist großes Getue. Spießig, langezogen und aufgesetzt. Der italienische Regisseur Giuseppe Tornatore macht es dem Zuschauer nicht sehr einfach. Darüber können auch die zart streichelnden Musikeinlagen von Ennio Morricone nicht hinwegtäuschen. Aber gleichzeitig offenbart er auch fortwährend überraschende Wendungen, Kniffe, mysteriöse Figuren (-konstellationen), Irrungen und Wirrungen. Wer bei den 124 Minuten zwischen künstlerischer Warmherzigkeit und menschlicher Eiseskälte am Ball bleibt, wird belohnt. Entweder, weil man sich am Ende doch in den eigenen Vermutungen bestätigt weiß oder endlich präzise die vielen Puzzleteile zusammengesetzt bekommt. Denn da ist Tornatore, der sich auch für das Drehbuch verantwortlich zeigt, äußerst pingelig. Schritt für Schritt zieht er den Schleier des Unwissens, um auch noch in die dunkelste Ecke Licht zu bringen. So mag dieser Film vielleicht nicht ganz den Zahn der Zeit treffen. Zu sperrig, zähflüssig und staubig kommt er daher. Aber beeindruckend bleibt die mehrschichtige Geschichte trotzdem, welche Tornatore über die Jahre aus vielen kleinen Ideen zu einem opulenten Epos zusammenwuchtete. Der Thriller wird im Besonderen durch die starke Performance des Australiers Geoffrey Rush zu einem einnehmenden Karussell der Gefühle, voller melancholischer Gemälde, die im Zusammenhang mit der Musik Morricones selbst in den triefend sentimentalen Momenten zum Verweilen einladen wollen.