Ted

Veröffentlichung  06. Dezember 2012    Regie  Seth MacFarlane    Darsteller  Mark Wahlberg  Seth MacFarlane  Mila Kunis  Giovanni Ribisi
Foto: Universal Pictures Germany
 IMDb-Wertung
Foto: Universal Pictures Germany

Der Teddy spricht

Ted ist eine amüsante und einfallsreiche Geschichte über zwei Freunde, die nur Flusen im Kopf haben und gemeinsam durch dick und dünn gehen. Ted ist aber genauso auch eine flache Geschichte über das Erwachsenwerden und Festhalten von alten Gewohnheiten.

Ted startet als echtes Weihnachtsmärchen: Einzelgänger John (Mark Wahlberg, Contraband) bekommt von seinen Eltern ein Kuscheltier geschenkt. Beim Schlafengehen wünscht er sich nichts sehnlicher, als dass sein Teddy sein bester Freund wird. Dieser Wunsch wird ihm zum Weihnachtsmorgen erfüllt. Doch er soll nicht der Einzige bleiben, der mit Ted (Stimme und Bewegungen von Seth MacFarlane, Family Guy) aufwächst. Die ganze Nation befindet sich im Ausnahmezustand und Ted wird als Wunder medial völlig verheizt. Auf den rasanten Aufstieg folgt der flotte Abstieg. John und Ted enden als zwei Typen, die vormittags auf ihrer Couch rumlungern und Flash Gordon schauen. Einzig Johns Freundin Lori (Mila Kunis, Nie wieder Sex mit der Ex) vermag dem Zweiergespann noch etwas entgegensetzen. Sie hat einen angesehenen Job und würde gern etwas mehr Zeit mit dem erwachsenen John verbringen. Der wird als Mitarbeiter einer Autovermietung jedoch immer wieder mit seiner und teilweise auch von Ted verschuldeten Unzuverlässigkeit konfrontiert. Ihre Beziehung steht an einem bedeutenden Wendepunkt. Drei sind definitiv einer zu viel – wie werden John, Ted und Lori mit der Situation umgehen?

In dem 38-jährigen Seth MacFarlane hat das Unterhaltungsfernsehen seit fast zwei Jahrzehnten einen kreativen Kopf gefunden, der sich traut Gesellschaftskritik im großen Stil auszuüben. Seine Serien Family Guy und American Dad halten dem amerikanischen Nationalstolz den Spiegel vor und nehmen es mit Konformität nicht so genau. MacFarlane äußerte sich dazu wie Humor im Kino bewertet wird:

In a movie like this, we adhere to the same rule that we generally do with the animated show, which is, if you’re going to make fun of one group, you’ve gotta make fun of them all. In this movie, pretty much every religion, race and creed is poked fun at. As far as something going across the line, the systems that are in place, as far as the screenings and audience testing, make it pretty clear what’s over the line and what’s not.

Die Idee für den weitaus harmloseren, aber immer noch unanständigen Ted schwirrte MacFarlane schon eine ganze Weile im Kopf herum. Zunächst als Animationsserie geplant, ergab sich nach einem Studio-Pitch die Gelegenheit aus der Serienidee eine handfeste abendfüllende Live-Action-Kinokomödie zu machen. Selbst die Figur des Teddys zu sprechen und zu performen, lag da auf der Hand. Mit Hilfe von Motion-Capture-Sensoren, wie sie schon für die Der Herr der Ringe-Trilogie und Planet der Affen: Prevolution von Andy Serkis getragen wurden, wurde Ted zum Leben erweckt. Anders als computergenerierte Animationen, wie z.B. in Die Schlümpfe oder Alvin & die Chipmunks, verleiht diese Technik dem Film einen stärkeren Realitätsbezug. Durch die direkte Interaktion der Darsteller mit Ted bleibt der Zuschauer zu jedem Zeitpunkt inmitten des Geschehens. So schien es allen Mitwirkenden von Anfang an klar gewesen zu sein, dass der Humor erst daraus entsteht, dass sie mit der größtmöglichen Ernsthaftigkeit an die Umsetzung herangehen. Auf der humoristischen Ebene wartet Ted mit tollen Witzen auf, etwa wenn John versucht im Eiltempo den Namen von Teds Freundin zu erraten (und dabei von keinem Schild abliest). Emotional berührt die Geschichte jedoch nur oberflächlich, da die Verknüpfung von einem Kuschelteddy mit dem Klammern an die längst vergangene Jugend eben keinen 106 Minuten dauernden Film trägt. Gastauftritte von Giovanni Ribisi (Avatar – Aufbruch nach Pandora) als hüftenschwingender Vater in Sorge und Antagonist des Films, Ryan Reynolds (Green Lantern), Norah Jones und weiteren Showgrößen lassen die Zeit jedoch wie im Fluge vergehen. Aufgrund der englischen Umgangssprache als Humorträger empfiehlt es sich den Film im Original anzuschauen, da die deutsche Synchronisation einiges an Wortwitz schluckt. Heimkino-Pflicht!