Superheroes – Voll echte Superhelden

Veröffentlichung  13. September 2012    Regie  Mike Barnett
Foto: EuroVideo
 IMDb-Wertung
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Wir sind die Normalen!

Der HBO Dokumentarfilm über Superhelden im echten Leben führt uns nach Amerika und zeigt wie sich Menschen nach Feierabend ein Kostüm anziehen, um auf Verbrecherjagd zu gehen. Im Mittelpunkt steht die Frage nach der Motivation, warum sie sich kleinkriminellen Parkdealern entgegenstellen und den Menschen helfen, die vom Schicksal benachteiligt sind.

Superhelden sind in aller Munde. Übernatürliche Helden (Thor, Superman und Green Lantern) erobern genauso wie menschliche Helden (Batman, Iron Man und Green Hornet) Kinosäle und Kinderzimmer. Doch außerhalb der Fiktion entwickelte sich in den letzten Jahren eine Szene realer Superhelden, echter Menschen, die sich verkleiden und für das Gute einstehen. Wir begleiten Lehrer, Sicherheitsbeamte und Sanitäter, die sich zu Höherem berufen fühlen. Von ihrer Familie und der Gesellschaft unverstanden, gründen sie Vereine und bilden Wohngemeinschaften, um Gleichgesinnte zu treffen oder um auf den Dächern ihrer Häuser gemeinsam zu trainieren.

Während die Polizei Selbstjustiz verurteilt, wollen Männer wie Mr. Extreme oder Master Legend durch ihre Streifzüge hauptsächlich den Eindruck vermitteln, dass sie über ihre Mitmenschen wachen. Zu Ausschreitungen kommt es selten. Im Gegenteil: wenn sie nicht gerade Obdachlosen helfen, fristen sie ein ziemlich einsames Leben. Denn die Maskerade entfremdet sie von der Welt. So werden schonmal bewusst Lockvögel ausgesandt, um Schwulenhasser, Perverse und Vergewaltiger anzulocken. Doch meistens endet der Abend ohne nennenswerte Ereignisse. Gerechtigkeit fängt für die echten Superhelden aber schon damit an, dass man einen betrunkenen Autofahrer davon überzeugt mit dem Taxi nach Hause zu fahren und ihm anschließend seine Autoschlüssel mit der Post nachschickt.

Das vorliegende Material führt den Betrachter nicht so tief in das Mysterium wahrer Superhelden ein wie es der Klappentext verspricht. Viele Einstellungen beschränken sich auf monotone Streifzüge durch San Diego, Florida oder New York. Wir lernen ein Dutzend Gutmenschen kennen, die sich einem Ideal verschrieben haben. Die Hauptaussage der Dokumentation ist, dass es viel Ungerechtigkeit fernab von Kriminalität gibt. So verteilen unsere maskierten Alltagshelden selbst zusammengestellte Überlebenspakete mit Socken und Toilettenpapier an Menschen, die auf der Straße leben. Superheroes – Voll echte Superhelden ist damit weniger amüsant denn informierend. Regisseur Mike Barnett ermöglicht aber in jedem Fall das längere Nachdenken über die Frage wie man sich in einer Gemeinschaft verhalten sollte, könnte oder sogar müsste. Und wo siehst du dich selbst?