In dem 2004er Werk von Matthias X. Oberg werden die Grenzen zwischen wirr düsterer Traumwelt und einer kühlen Realität ausgelotet. Angela (Chloé Winkel) weiß was nach dem Abitur folgt: Schreibtischarbeit. Doch nicht so geartet wie sie es sich wünschen würde. Die in sich gekehrte Schulabsolventin lebt für Comics, zeichnet sofort alles, was sie sieht und was ihre Fantasie dazu dichtet. Mit dem DJ Yamamoto (Jon Yang), in den sie sich mehr und mehr verliebt, geht Stratosphere Girl rasant in die Tiefe Tokios, wo sie nach dem Vorschlag ihres Verehrten als Hostesse eine neue Seite an sich kennen lernen darf. Zwischen Naivität und Erwachsen werden schlendert sie durch die neon leuchtende Vielschichtigkeit der gierigen Großstadt.
Regisseur Oberg eröffnet bei seinem Kommentar zur kleinen Bildergalerie auf der DVD Eindrücke in die beschwerliche Arbeit zu Stratosphere Girl. Denn es war dem Team leider kaum erlaubt öffentlich in Tokio zu drehen und so erschuf man das Unfassbare: eine gesamte, zwielichtig einengende Filmwelt in einer sterilen Fabrikhalle in Deutschland. Die Verschmelzung des gezeichneten Bilderkosmos der jungen Hauptakteurin und der vor wildesten Eindrücken überschäumenden Welt Tokios soll an dieser Stelle wärmstens ans Herz gelegt werden. Zwar ist es nie – wie von Oberg hoffnungsvoll angekündigt – zu einem weiteren Teil gekommen, jedoch wurde mit Ungewöhnlichkeit, stimmungsvoller Musik und starkem Schauspielerensemble ein zeitlos faszinierender Ausnahmefilm erschaffen.