Stella

Veröffentlichung  24. September 2015    Regie  Sanna Lenken    Darsteller  Rebecka Josephson  Amy Deasismont  Maxim Mehmet
Foto: Camino Filmverleih GmbH
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Foto: Camino Filmverleih GmbH

Wenn emotionale Probleme auch zu körperlichen werden

Erwachsenwerden ist kompliziert. Wie kompliziert genau zeigt die Schwedin Sanna Lenken in ihrem autobiografisch gefärbten Spielfilmdebüt.

In dem Leben der 12-jährigen Stella (Rebecka Josephson) stehen gerade alle Zeichen auf Veränderung. Denn sie ist zum ersten Mal so richtig verknallt. Eigentlich ein schönes Gefühl, wäre da nicht der Umstand, dass ihr Angebeteter viel älter als sie selbst ist. Also behält das Mädchen ihre Gefühle erst einmal lieber für sich. Genauso wie den Wunsch, dass sie wahnsinnig gern eine gute Eiskunstläuferin wäre. Schließlich liegt der Fokus ihrer Familie schon auf der älteren Schwester Katja (Amy Deasismont) und ihrer Eiskunstlauf-Karriere. Einfach alles dreht sich um Katjas Bedürfnisse, ihre Trainingseinheiten und ihre Erfolge. Die fehlende Aufmerksamkeit macht Stella sehr zu schaffen. Aber das ist noch lange nicht alles: Stella ist die Einzige, die bemerkt wie Katja sich des Öfteren erbricht und generell immer weniger Nahrung zu sich nimmt. Doch wie von ihrer Verliebtheit kann Stella auch von dem heiklen Gesundheitszustand ihrer Schwester niemanden erzählen, weil eben diese mit jeder Menge Druck das Mädchen versucht zur Verschwiegenheit zu zwingen.

Ein Film über nächtliche Heißhunger-Attacken und Stimmungsschwankungen

Wie werde ich zu jemandem, der mir gefällt? Wie kann ich mich selbst zu einer Person machen, die ich mir gern im Spiegel anschaue? Mit solchen Fragen beschäftigen sich nicht nur die zwei Protagonistinnen in Stella – auch bei der Regisseurin und Drehbuchautorin Sanna Lenken kreisen die Gedanken oft rund um das Thema Selbstliebe. Für ihren Debütfilm beschloss sie, würde sie sich der Öffentlichkeit öffnen. Die Mitdreißigerin wollte davon erzählen wie es für sie war als Teenager an Anorexie zu leiden. Lenken spürte den Drang sich mithilfe der halb erdachten, halb selbst erlebten Geschichte zu ergründen, weshalb sie damals in diese Magersucht-Spirale geraten konnte. Liebte sie sich nicht genug oder hatte sie etwa das Gefühl auf diese Weise ihrem Körper etwas Gutes zu tun? Gleichzeitig schlägt sie auch optimistische Töne an. Sie macht klar, dass es Auswege aus dem Teufelskreis gibt und dabei weniger didaktische Lösungen als Freundschaft und Zusammenhalt zählen.

Ein ungewöhnliches Geschwisterpaar

Sanna Lenken stellt ihre beiden Hauptdarstellerinnen immer wieder vor den Spiegel. Der Betrachter sieht nur zwei Menschen, die sich selbst in ihr schönes Angesicht blicken. Doch Stella wie auch Katja können nur Makel in der Reflektion erkennen. Ihr Körper scheint darin ein Eigenleben zu führen – manches Mal wirkt er feindselig, sogar wie verdoppelt. In jedem Fall wollen die Mädchen nicht mit diesem Anblick weiterleben – ihr Weg zur Veränderung unterscheidet sich jedoch stark voneinander. Rebecka Josephson und Amy Deasismont, die Stella und Katja spielen, ist es zu verdanken, dass die schockierend hyperrealistisch dargestellte Story nie ins komplette Melodram entgleitet. Mithilfe langer Übung und viel Freiraum für Improvisation wirken sie nun auf der Leinwand absolut wahrhaftig. Sie geben ihren Figuren außerdem eine derartige Charakterschärfung, das dabei auch jede Menge Charme und sogar Humor vorkommt.

In der modernen Kultur sind Essstörungen ein weitverbreitetes Problem. In Stella tastet sich Sanna Lenken mit der nötigen Ernsthaftigkeit an das Thema heran, vergisst dabei jedoch nie auch die absurden Momente zu beleuchten, die sie selbst als magersüchtige Jugendliche zu Hauf erlebt hat.

 

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Rubrik  Kino    Autor      Datum  24. September 2015    Worte  513
Permalink  http://www.farbensportlich.de/stella/    Farbe  #512a1c
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