Siebzehn

Veröffentlichung  27. April 2017    Regie  Monja Art    Darsteller  Elisabeth Wabitsch  Anaelle Dézsy  Alexandra Schmidt
Foto: Edition Salzgeber
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Foto: Edition Salzgeber

Wenn alles passt, nur die Umstände nicht

Hat man erst mal die 17 erreicht, ist das gröbste Chaos endlich überstanden? Von wegen! Dieser Film zeigt, dass dann das Suchen und Finden von einem selbst erst so richtig losgeht.

Die Sommerferien stehen kurz vor der Tür. Nur noch ein paar Wochen trennen die Schüler eines österreichischen Internats von der endlosen freien Zeit. Aber vorher müssen sie noch einiges durchstehen – und damit ist am wenigsten der Unterricht gemeint. Denn insbesondere Paula (Elisabeth Wabitsch) befindet sich im Gefühlschaos. Eigentlich will sie herausfinden, was hinter dem Bauchkribbeln steckt, das sie immer dann bekommt, wenn sie ihre Klassenkameradin Charlotte (Anaelle Dézsy) sieht. Nur die ist mit Michael (Leo Plankensteiner) zusammen und damit keine Option. Oder etwa doch? Paula weiß nicht mehr so richtig weiter. Also lenkt sie sich mit Tim (Alexander Wychodil) ab. Und mit Lilli (Alexandra Schmidt). Beide sind an ihr interessiert, aber Paula fühlt nicht so viel wie die zwei für sie empfinden. Was will sie denn nun wirklich?

Ein Film wie ein Gang durch die Gemäldegalerie

Siebzehn ist der Debütfilm von Monja Art. Doch nach Anfänger sieht hier nichts aus. Die Regisseurin und Drehbuchautorin weiß genau, dass sie nicht die Gefühlswelt ihrer Protagonisten ausformulieren muss. Dafür kreiert sie starke Szenen, in denen auch ohne Worte jede Menge gesagt wird. Zwischen ruckeligen Busfahrten und sich langziehenden Schulstunden schneidet sie Bilder, die mehr Kunst als alles andere sind. Wenn die Mädchen in Zeitlupe in der Sporthalle in die Luft springen und dabei zig Bälle um sie herumfliegen, ist das Ästhetik pur. Wenn Paula schwimmen geht und lange untertaucht, wirkt das im Gesamten wie ein formvollendetes Gemälde. Die Dialoge bilden den Rahmen für die wunderschönen Bilder. Sie mischen sich authentisch dazwischen. Hier wirkt nichts wie aufgesagt, sondern wie für den Moment und der Zeit entsprechend.

Ein Drama kommt selten allein

Es ist spannend zu sehen, wie langsam Monja Art ihr Coming-of-Age-Drama aufbaut. Paulas Leben gleicht in dem Augenblick, in dem wir dabei sind, einer Achterbahnfahrt. Aber die Szenen sind ausgedehnt und meist extrem ruhig – daran kann nicht einmal der mehrmalige Einsatz einer Wackelkamera etwas ändern. Die Kombination geht auf: Irgendwie herrscht zwar jede Menge Chaos, aber trotzdem ist der Weg klar. Paula ist keine, die sich versteckt vor Problemen oder vor irgendwelchen Veränderungen. Ihr starker Charakter wird noch durch den gezielten Einsatz von Musik unterstützt. Hier will man sogleich genauso ausgelassen und offen in die Welt hinausgehen.

Siebzehn ist ein Film voller Höhen und Tiefen. Er erzählt vom Verlieben und vom Begehren und dem Wirrwarr, das dadurch entstehen kann. Aber gleichzeitig verdeutlicht das Debüt von Monja Art auch, dass man keine Angst vor den großen Gefühlen haben sollte. Und jetzt eine Portion Sommer bitte!

 

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Rubrik  Kino    Autor      Datum  27. April 2017    Worte  446
Permalink  http://www.farbensportlich.de/siebzehn/    Farbe  #b98e16
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