Matthias Schweighöfer & August Diehl

   Film  Frau Ella    Veröffentlichung  17. Oktober 2013    Regie  Markus Goller
Foto: Hella Wittenberg
 IMDb-Wertung
Foto: Hella Wittenberg

Matthias Schweighöfer (Schlussmacher) und August Diehl (Salt) sind ein ungleiches Paar. Der eine möchte das deutsche Kino mit seinem unverwechselbaren Humor und Dialekt zum Lachen bringen, der andere will als Mime in Theaterinszenierungen wie auch internationalen Filmproduktionen vor allem ernst genommen werden. In dem neuen Werk von dem Regisseur Markus Goller (Friendship!) spielen die zwei Darsteller nun gute Freunde, die sich zusammen mit einer älteren Frau namens Ella auf den Weg nach Paris machen, um dort mehr über sich selbst und die Liebe zu erfahren.

Während der Promotion zu Frau Ella treten die Männer nur gemeinsam in Erscheinung und erzählen, was sie nicht nur im Film, sondern auch von einander lernen konnten.

Was konntet ihr euch von eurem Gegenüber beim Drehen abgucken?

Matthias Schweighöfer: August hat mich einmal richtig ins Wanken gebracht. Da drehten wir eine Szene an einer Klippe, in welcher mich Markus bat ein Stück zu laufen. Dann sollte mir August hinterher gehen. Doch er verstand nicht wieso er das tun müsse. Er sagte, dass das ein unbegründeter Gang wäre. Darüber hab ich lange nachgedacht. Denn ich setze oft zu oberflächlich bei meinen Figuren an. Und wenn ich einfach so umherlaufen soll, dann weiß ich, dass es als Bild funktioniert. Aber Augusts Aussage half mir das zu überdenken und in Zukunft den Charakter meiner Figur tiefer zu ergründen.

August Diehl: In meiner Ausbildung wurde ich dazu getrimmt als Schauspieler nie brav zu sein. Und wenn es für mich keinen Grund für einen bestimmten Satz oder für eine bestimmte Geste gibt, dann kann ich nicht so handeln. Ich empfinde das als Geschubse. Es muss von mir kommen, ich muss es in dem Moment fühlen. Das ist weniger ein Ergründen, sondern vielmehr eine impulsive Sache. Und impulsiv sind wir beide.

Matthias Schweighöfer: Ja, ich gehe immer sehr schnell in die Situationen hinein. Wenn ich Bauchschmerzen beim Dreh habe, dann findet sich das auch in den Szenen wieder.

Das Fluchen ist ein einnehmender Bestandteil des Films.

Matthias Schweighöfer: Wirklich? Fluche ich wieder so viel? Dann ist das der Rolle geschuldet. (lacht) Wenn die Figur so empfindet, kommt es einfach so raus… Aber ich mache das nicht mit Absicht.

Was konntet ihr aus Frau Ella für euch mitnehmen?

August Diehl: Der Beruf des Schauspielers ist für mich sehr unpädagogisch. Weder hat die Arbeit etwas mit einer Therapie zu tun, noch mit einer Bereicherung des eigenen Lebens. Es ist eine Sucht, der man frönt. Ich lerne durch Filme, die ich gucke, aber nicht bei den Filmen, die ich selber mache. Durch das Kino und Theater wurde ich stark beeindruckt. Dies war ein Grund für meine Berufswahl. Ich wollte auch jemand sein, der Leute beeindruckt.

Liebe und Tod sind die großen Themen des Films. Denkt man unweigerlich mehr darüber nach, wenn man sich auf einen Drehtag vorbereitet?

Matthias Schweighöfer: Ich bin kein Verfechter davon, dass es die große, ewige Liebe in nur einer Person geben muss. Der Tod beschäftigt mich natürlich auch. Aber ich versuche das Thema immer so schnell wie möglich von mir wegzuschieben. Ich bin doch noch jung.

August Diehl: Ich beschäftige mich fast täglich mit dem Tod. Ich finde, der Tod ist eine unglaubliche Sache. Ein Skandal, das ich nicht akzeptieren kann. Interessant ist, dass die Frage nach der Liebe und dem Tod gleichzeitig gestellt wird. Denn ich glaube, Glück hat immer damit zu tun, dass man weiß, dass man nicht ewig da ist. In Kriegszeiten sind die Leute statistisch gesehen glücklicher, was damit zu tun hat, das schon übermorgen Sense sein kann. Je weiter wir das Thema Tod von uns wegschieben, desto unglücklicher werden wir. Das kann man auch auf den Film beziehen. Im Angesicht des Todes macht Glück mehr Sinn. Es ist so etwas wie Essen, Trinken und Atmen. Aber wenn uns das Leben unendlich erscheint, macht uns das nur gleichfühliger.

Wie groß ist eure Angst das Leben durch unentwegtes arbeiten zu verpassen?

Matthias Schweighöfer: In erster Instanz bin ich Vater. Die familiäre Basis fängt mich auf und lässt mich auch mit meinem Beruf anders umgehen.

August Diehl: Wobei ich sagen muss, dass es ein schleichender Wechsel ist wie man seinen Beruf durch Kinder sieht. Ich habe ein paar Jahre gebraucht, um Vater zu werden. Das geht nicht so schnell. Aber wenn man alles hundertprozentig macht, verpasst man auch nichts.

August, zuvor hast du Komödien eher mit Abneigung gegenüber gestanden.

August Diehl: Als ich das Buch gelesen habe, sah ich es nicht als Komödie. Ich sah vor allem die Rolle. Ich mochte diesen verlorenen Vogel, der wie ein willenloses Zwitterwesen durch die Geschichte geht und zwangsläufig mit hinein gezogen wird. Ich mochte wie das Buch geschrieben ist und die Fantasie, die Markus und ich gleich beim ersten Treffen zusammen für die Rolle entwickelt haben. Es war auch sehr angenehm lediglich eine Nebenrolle zu bekleiden. Denn ich war immer nur der Reagierende. So musste ich eine Szene nicht in diese oder jene Richtung leiten – die Szene leitete mich. Eine total faule Angelegenheit.

Hier findest du unseren Setbesuch zu “Frau Ella” und unser Interview mit dem Regisseur Markus Goller.