Schwefelgelb, Club ADS

Foto: Hella Wittenberg Foto: Hella Wittenberg

Im Vorhinein stellte man sich viele Fragen. Was man wohl erwarten sollte von einem sechstägigen Festival mit dem Titel „Drop Dead“. Oder wie sich da nun genau Schwefelgelb hineinzwängen lassen. Und wieso erst eine solche Veranstaltung geplant werden musste, um das Duo in die Hauptstadt zu locken, wo doch das Album Das Ende vom Kreis bereits Ende des letzten Jahres erschien.

Beim quasi Herbstanfang am 2. September zeigt man sich dann offen für Antworten im Berliner Club ADS, ehemals Maria. Das Festival weiß mit einem umfassenden Band- und DJ-Programm die unterschiedlichsten Geschmäcker zufrieden zu stellen. Nichtsdestotrotz wirkt der Saal bei dem ersten Betreten erschreckend leer. Lediglich kleine Grüppchen verteilen sich langsam in dem weitläufigen Club – nur nicht vor der Bühne, wo schon das Mädchenduo Scream Club verzweifelt versuchen das träge Publikum zum Mitmachen zu animieren. Erst um kurz nach Mitternacht stehen die Menschen von den Toten auf, um sich vor der Bühne Schwefelgelbs gemeinschaftlich zu versammeln. In den tiefsten Nebelschwaden eröffnen Sid und Eddy den nächtlichen Rave. Und die Menge tanzt sich frenetisch von „Alle Sterne“ zu „Tanz in D-Moll“ und „Wie ich heiss“, wird zudem immer mal wieder von einem amüsant kostümierten Mann motivierend angetanzt. Die stampfenden Beats lassen auch keinen Stillstand zu, greifen jedes bewegliche Körperteil an. So dass alles ineinander verschwimmt, so wie aber leider auch zu oft die eh schon spärlichen Lyrics der Band. Als „Zu Zweit“ gespielt wird, lässt lediglich der gut wummernde Sound die Stimmung nicht kippen. Sids dünnes Stimmchen vermag jedenfalls mit den Worten „Ich bin alleine, du bist allein“ kaum den Raum zu erfüllen. Jedoch kommt es hierbei auch weniger auf das Gesangstalent an, sondern vielmehr wird verstärkt Wert auf eine homogene Songauswahl gelegt, in der Songs wie „Schwarz-Weiss“ und „Spieglein Spieglein“ ineinander übergehen und die Zuhörerschaft so für fast eine Stunde in einen tranceähnlichen Zustand katapultiert wird. Und was soll daran schon verkehrt sein, wenn ein Sänger vor lauter fröhlich anmutender Showeinlagen einfach nicht mehr genug Puste für die nächsten Zeilen hat? Genau. Und hübsch gemacht hat er sich zudem auch noch für den Abend.

So wirkt die Live-Präsenz der Band im Jahre 2011 völlig neu überarbeitet, setzt neue Akzente und damit kommen sie bei dem durchaus gemischten Publikum auch sehr gut an. Nur wieso musste man die Berliner so lange darauf warten lassen? Einige Fragen scheinen offen geblieben, aber es gibt auch noch mehr Gutes zu vermelden:

Schon am 12. November beehren Schwefelgelb wieder die Hauptstadt mit einem besonderen Abend. Sie werden im Rahmen des Kleist-Festivals im Maxim Gorki Theater mit einer Adaptation von Heinrich von Kleist Texten aufwarten und mit einer so genannten „Poesiemaschine“ bestimmt wieder einmal mehr zu überraschen wissen.