Saving Mr. Banks

Veröffentlichung  06. März 2014    Regie  John Lee Hancock    Darsteller  Emma Thompson  Tom Hanks  Colin Farrell
Foto: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany
 IMDb-Wertung
Foto: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Wo das Buch endet, beginnt ihre Geschichte

Es ist das Jahr 1961. Walt Disney (Tom Hanks, Captain Phillips), seine Maus und sein Vergnügungspark mögen zwar echte Berühmtheiten sein, doch die Autorin P.L. Travers (Emma Thompson, Schräger als Fiktion) lässt sich davon nicht beeindrucken. Und so müssen erst 20 Jahre ins Land ziehen und Travers kurz vor der Pleite stehen bevor sie dem Bitten von Disney nachgibt und für Gespräche über eine Verfilmung ihrer Mary Poppins-Geschichte von London nach Amerika reist. Doch erst vor Ort sollen die richtigen Schwierigkeiten beginnen. Travers zeigt sich gegenüber dem Drehbuchautoren Don DaGradi (Bradley Whitford, The Cabin in the Woods) sowie den Komponisten Robert (B.J. Novak, Das Büro) und Richard Sherman (Jason Schwartzman, Darjeeling Limited) stets starrköpfig. Zum einen kommen für sie keine Trickfilm-Elemente oder gar ein Musical in Frage und zum anderen scheint die aufgebaute Distanz von der australischen Schriftstellerin unüberwindbar. Schließlich ist die neurotische Frau rund um die Uhr mit ihren ganz eigenen Dämonen aus der Vergangenheit beschäftigt. Aber Walt Disney, seine Crew und ihr Chauffeur Ralph (Paul Giamatti, Cosmopolis) geben nicht auf, um einen Weg der Verständigung mit P.L. Travers und ihren Buch-Charakteren zu finden.

Gewagt, gewagt. In Saving Mr. Banks schrammt Regisseur John Lee Hancock (Blind Side – Die große Chance) die Biografie Walt Disneys nur um seiner Protagonistin P.L. Travers im Zuge dessen mehr Tiefe geben zu können. Doch in den kurzen Momenten, in denen man Disney über seine Kindheit reden hört oder ihn beim Rauchen erwischt, wird deutlich wie interessant ein Film über diese Hollywoodgröße gewesen wäre. Stattdessen geht Hancock den mutigeren Weg und versucht den schwerfälligen Entstehungsprozess von dem Film Mary Poppins aufzurollen. Dies geschieht mit vielen Rückblenden, in denen vor allem Colin Farrell (7 Psychos) als fantasievoller Familienvater mit Alkoholproblem hervorsticht. Somit schwankt Saving Mr. Banks fortwährend zwischen Komödie (die zugeknöpfte Autorin sieht sich immer wieder neuen Herausforderungen à la Kuscheltierberge im Hotelzimmer und Süßigkeiten-Exzesse auf der Arbeit gegenüber) und Drama (das Kind, das seinen Vater von seinem Unglück befreien möchte), was zeitweise störend kitschig und pathetisch ausarten kann. Nichtdestotrotz lässt sich der Reiz der Biografie von T.L. Travers nicht leugnen.

Ich habe noch nie jemanden gespielt, der so voller Widersprüche steckt. Das macht es umso spannender, weil die Stimmung ständig umschlägt. Ihre Jugend hat ihre Beziehungsunfähigkeit – insbesondere mit Männern – nachhaltig gestört. Ihr Vater war so labil und unzuverlässig, dass die Liebe für sie zu einer heiklen Angelegenheit wurde. Sie war innerlich zerrissen, fühlte sich leer und traurig. (Emma Thompson)

Die Vielschichtigkeit des Zweistünders wie auch die minutiös geniale Darbietung von Emma Thompson sind die großen Pluspunkte des Disney-Werkes. Aber auch wenn die Geschichte spannende Einblicke in vergangene Tage in Hollywood geben kann, so fällt es schwer zu erkennen für wen John Lee Hancocks Film nun eigentlich gemacht ist.

 

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Rubrik  Kino    Autor      Datum  26. Januar 2014    Worte  459
Permalink  http://www.farbensportlich.de/saving-mr-banks/    Farbe  #bf7a1a
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