Saiten des Lebens

Veröffentlichung  02. Mai 2013    Regie  Yaron Zilberman    Darsteller  Christopher Walken  Philip Seymour Hoffman  Catherine Keener  Mark Ivanir
Foto: Senator Filmverleih
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Unkontrollierbare Leidenschaften

Als Cellist Peter Mitchell (Christopher Walken, 7 Psychos) die Diagnose Parkinson erhält, steht das berühmte Fugue String Quartet, bei dem er den geistigen Mittelpunkt darstellt, vor dem Aus. Auch wenn Peter sofort einen Ersatz für seinen Part vorschlägt, so ist im Besonderen die Viola-Spielerin Juliette Gelbart (Catherine Keener, Trust) untröstlich. Doch während sie sanftere Wege der Problemlösung sucht, ist ihr Ehemann Robert (Philip Seymour Hoffman, The Ides of March – Tage des Verrats) drauf und dran die Gelegenheit zu nutzen, um sich in den Vordergrund zu spielen. Bestärkt von seiner Jogging-Partnerin Pilar (Liraz Charhi, Fair Game) eröffnet er seinen Kollegen den Wunsch nun endlich einmal die erste anstelle der zweiten Geige spielen zu dürfen und damit den perfektionistischen Daniel Lerner (Mark Ivanir, Der gute Hirte) abzulösen. So jagt ein Konflikt den nächsten und als Daniel dann auch noch eine Beziehung mit Juliettes und Roberts Tochter (Imogen Poots, Solitary Man) anfängt, steht die Zukunft des Quartetts auf immer wackeligeren Beinen.

Feinfühlig widmete sich Regisseur und Drehbuchautor Yaron Zilberman (Hakoah – Club der Sirenen) in nur 27 Drehtagen vier Künstlernaturen, mit ihren sehr eigenen Köpfen, die erneut versuchen müssen ein gemeinsames musikalisches Gleichgewicht zu erlangen. Für einen jeden der Schauspieler hält das Werk eine Paraderolle bereit. Die Charaktere brillieren durch überraschende Reflexionen und angenehm unlogische Handlungsweisen. Und auch wenn die Geschichte ein ums andere Mal ein wenig zu trocken und altmodisch daher schwimmt, so weiß im Besonderen Imogen Poots als wortgewandte Grazie den notwendigen Schwung, emotionale Jugendlichkeit und sogar ein wenig Witz hineinzubringen. Die Verstimmtheiten, Passionen und persönliche Dramen ließ Zilberman zudem von Ludwig van Beethovens 14. Streichquartett, dem Opus 131 in cis-moll, umspielen. Einem Stück, was ihm auf mehreren Ebenen viel bedeutet.

Das Bemerkenswerte an dieser Komposition ist, dass sie laut Beethoven attaca, ohne Pausen zwischen den sieben Sätzen, gespielt werden muss. Wenn du ein Stück 40 Minuten ohne Unterbrechung aufführst, verstimmen sich die Instrumente zwangsläufig [...]. Was sollen die Musiker machen? In der Mitte stoppen und neu stimmen oder ihre Tonlage mühselig korrigieren – individuell und als Gruppe, und das bis zum Ende? Für mich ist das eine perfekte Metapher für langjährige Beziehungen. Weil wir uns auf milliardenfache Weise über einen langen Zeitraum hinweg ändern, entstehen automatisch Probleme und so müssen diese Beziehungen ständig neu justiert und abgestimmt werden. (Yaron Zilberman)

Ob die tragische Schönheit von klassischen Klängen, lebenslangen Zweifeln, Machtbesessenheit oder auch die Suche nach der Balance im Miteinander – in dem (abgesehen von der großartigen schauspielerischen Darbietung manchmal zu) ruhigen Beziehungsdrama Saiten des Lebens stecken viele Wahrheiten, ästhetische Momente und mögliche Lebensweisheiten, die sich der Zuschauer nach 105 Minuten auch für sich selbst mitnehmen kann.

 

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Rubrik  Kino    Autor      Datum  01. Mai 2013    Worte  436
Permalink  http://www.farbensportlich.de/saiten-des-lebens/    Farbe  #942618
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