Sag, dass du mich liebst

Veröffentlichung  01. November 2012    Regie  Pierre Pinaud    Darsteller  Karin Viard
Foto: Alpenrepublik GmbH
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Auf der Suche nach ein bisschen Zuneigung

Claire Martin (Karin Viard, Mein Stück vom Kuchen) ist wohl die berühmteste Radiomoderatorin Frankreichs. Unter dem Pseudonym Mélina führt die Mitvierzigerin ein Sorgentelefon im Radio. Die Menschen schütten ihr allesamt das Herz aus, ohne sie je kennengelernt oder ein Foto von ihr gesehen zu haben. Denn sie liebt Anonymität, Sauberkeit und ihren kleinen Hund. Wenn sie nicht im Radio zu hören ist, sucht Claire nach ihrer leiblichen Mutter (Nadia Barentin, Die Frau des Leuchtturmwärters), die sie in frühester Kindheit ins Heim verbannte und aus ihrem Leben entschwand. Doch mit einem Mal gibt es einen Hinweis: Claire wird in einem Brief der Name samt Adresse ihrer Mutter mitgeteilt und so macht sie sich sofort auf den Weg dorthin. Aber nach jahrelanger Suche erscheint eine Annäherung schwieriger als gedacht. Schließlich schleust sich die distanzierte Neurotikerin in das Leben der Mutter. Um ihr nah zu sein und um endlich die fortwährend quälende Frage stellen zu können – nicht, warum sie verlassen wurde, sondern ob sie trotzdem geliebt wird.

Pierre Pinaud hat mit Sag, dass du mich liebst eine liebevolle, klein gehaltene Geschichte aus der Feder gezaubert, die er mit Karin Viard als in den Bann ziehende, neurotische Protagonistin gekonnt in Szene gesetzt hat. Wobei die konstante Präsenz der kühlen Blonden die gesamten anderthalb Stunden des Films trägt. Sie fühlt mit, sie genießt, sie leidet, schämt sich und weiß ums Verzweifeln nicht um den Platz in dem Herzen ihrer Mutter. Dabei ist Viard stets glaubwürdig. Allein in den trotteligen Momenten, wenn die Neurosen ihrer Figur nur zu offenherzig ins Bild gedrängt werden, verrutscht das so stringente Image des Films. Denn die Komik ist hin und wieder zwar liebenswert, aber zu oft auch auf unfreiwillige Weise ulkig und damit fehl am Platz bei der eigentlich vom Regisseur und Drehbuchautoren so ernst genommenen Thematik. Dadurch macht sich ein nicht von der Hand zu weisender Zwiespalt breit, der leider auch ein Stück weit die strahlende Darstellung von Karin Viard in Mitleidenschaft zieht. Doch kann man an der einen oder anderen Stelle ein Auge zudrücken, so ist Pinauds Film ein feinsinniges wie kluges Werk, dem es sich lohnt eine Chance zu geben.