Seit der ehemalige CIA-Top-Agent Tobin Frost (Denzel Washington, Inside Man) die Seiten gewechselt hat, wird er vom amerikanischen Nachrichtendienst gesucht. Während seiner Jahre andauernden Flucht handelt er mit geheimen Staatsdokumenten und droht sein Vaterland zu verraten. Zur Zeit befindet er sich im südafrikanischen Kapstadt, wo die Übernahme eines Datenträgers mit gefährlichen Hinweisen auf Korruption in den Reihen des CIA anders verläuft als geplant. Er wird von einer Gruppe Söldner verfolgt, die nur eines wollen: seinen Tod. Frosts einzige Chance besteht darin sich der Regierung wieder zu erkennen zu geben, damit diese ihn schützt. Als einziger Mann vor Ort, beaufsichtigt CIA-Neuling Matt Weston (Ryan Reynolds, Green Lantern) das getarnte Safe House, in dem Gefangene unbemerkt in Sicherheitsverwahrung überführt und schließlich verhört werden können. Frost wird seit Jahren der einsamen Bereitschaft der erste “Gast” im sicheren Domizil. Doch das Haus wird mitten in der Befragung überfallen und die unbekannten Angreifer dringen in die Anlage ein. Als nur noch Frost und Weston übrig sind, übernimmt der Jüngling die Verantwortung für seinen Hausgast. Weston stellt sich der Aufgabe und beiden gelingt die Flucht. Doch von nun an ist er auf sich gestellt, da das nächstgelegene CIA-Team einige Zeit braucht, um nach Südafrika zu reisen. Seine Vorgesetzten um Catherine Linklater (Vera Farmiga, Source Code) und David Barlow (Brendan Gleeson, The Guard – Ein Ire sieht schwarz) bemühen sich die Situation und die Schäden vor Ort im Zaum zu halten. Sie wollen Frost um jeden Preis wieder in Gewahrsam nehmen um an die Informationen zu kommen, die er in Kapstadt erworben hat. Denn sollte Frost die Veröffentlichung gelingen, würden Köpfe rollen und hohe Verantwortliche in Bedrängnis geraten.
Kaum zu glauben, dass Strahlemann Denzel Washington einmal auf die Seite der Bösen wechselt. Nachdem er sich in den letzten Kinojahren ein unverwüstliches und lupenreines Heldenimage aufgebaut hat, darf er in Safe House den Guten eins auf die Mütze geben. Dabei schafft er es seiner Figur eine spannende emotionale Tiefe und eine sympatische Ausstrahlung zu verleihen. Als ausführender Produzent (mit dem nötigen Kleingeld in der Tasche übernehmen Stars gerne die Aufgabe den Herstellungsprozess ihres Filmes zu überwachen) tat sich Washington mit dem jungen schwedischen Regisseur Daniel Esinosa (Easy Money) zusammen und kreierte so einen erstklassigen und unterhaltsamen Actionfilm im Stile von Unstoppable – Ausser Kontrolle (2010), Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3 (2009) und Déjà Vu – Wettlauf gegen die Zeit (2006). Alle Filme feiern ihren Hauptdarsteller und gleichen sich in der Bildsprache: schnelle Schnitte, wackelige Kamera, körniges Bild, hohe Farbkontraste. Ryan Reynolds liefert als Gegenpart zum mehrfachen Oscargewinner ähnlich intensiv ab und beweist abermals, dass er sich nach Ausflügen in Komödien (Wie ausgewechselt, Selbst ist die Braut), Dramen (Adventureland, Paper Man) und einem Thriller (Buried – Lebend begraben) in allen Genres zuhause fühlt.
In Safe House bleibt zwischen Verfolgungsjagden, Explosionen, Schiessereien und Kampfszenen kaum Luft zum Verschnaufen. Der Film lebt einen derartig hohen Takt vor, dass einem als Zuschauer fast schon von der Action langweilig wird, die im Normalfall die ruhigen Parts unterbricht. Hier ist es genau andersherum und wenige stille Momente unterbrechen die anhaltende Hektik. Doch da – obgleich der schnellen Bewegungen – alle Perspektiven, zum Beispiel in einer Szene, in der Frost über Hütten und Dächer flüchtet, perfekt eingefangen wurden, kann man Safe House immerhin eine exzellente Umsetzung bescheinigen. Ohne zu viel Computer-generierter Effekte, vermittelt der Film den Eindruck echter Action.
I wanted all the stunts to be real, with no green screen and no modern digital effects. I thought if I did things that were real basic, like a fight in a car that one of the people is driving, I want that car being driven. It creates a completely different synergy both when you shoot it because the actors are really scared out of their minds. [...] That way, we can really see that the actors are worried and thrilled at the same time, because they are. (Regisseur Daniel Esinosa)
Trotzdessen derartige Verschwörungsgeschichten eine hohe Vorhersehbarkeit eint, bleibt Safe House bis zum Schluss spannend mit kleinen humoristischen Einlagen.