Robot & Frank

Veröffentlichung  22. März 2013    Regie  Jake Schreier    Darsteller  Frank Langella  Peter Sarsgaard  Susan Sarandon  James Marsden
Foto: Park Pictures Features
 IMDb-Wertung
Foto: Park Pictures Features

Emotion vs. Innovation

Robot & Frank zeigt die Vision wie Pflege und Betreuung hilfsbedürftiger Personen schon in wenigen Jahren zunehmend von Assistenzrobotern übernommen wird. Auf behutsame Art und Weise wird gezeigt, dass sich dabei jedoch durchaus eine emotionale Beziehung zwischen Mensch und Maschine entwickeln kann.

Im Zuge des demographischen Wandels präsentiert uns der Fortschritt seine robotergesteuerte Antwort auf alle Probleme: die Automatisierung alltäglicher Prozesse führt zu einer Entlastung in vielen Lebensbereichen. Während derzeit Zukunftsszenarien von vernetzen Autos und intelligenten Kühlschränken entworfen werden, rollen schon heute selbständig Staubsauger über unseren Teppichboden. Regisseur Jake Schreier sagt dazu:

I don’t have a Roomba [Anmerkung: Staubsaugerroboter], but I would be happy to have any kind of robotic help around the home that I could get. As you picked up in the film, I’m pretty neutral on the idea of technology overall. It’s done some amazing things for us, and probably cost us a little bit in terms of human interaction as well. Either way, I’m just curious to watch the ways it will change our interactions.

Tatsächlich zeigt die herzerwärmende Geschichte um den leicht vergesslichen Ex-Langfinger Frank (Frank Langella, Frost/Nixon), dass sich unsere derzeitigen Vorurteile gegenüber intelligenten Servicerobotern als haltlos erweisen könnten. Denn im Umgang mit einander entsteht zwischen Frank und Robot (Original-Stimme von Peter Sarsgaard) eine eigenwillige Dynamik. Der alte Mann, der einsam in einem malerischen Haus in der Natur lebt, lernt seinen kleinen Helfer bald zu schätzen. Für einen letzten Coup nutzt er die Fingerfertigkeit seines loyalen Komplizen – beide brechen in einer heiklen Nacht-Aktion in die Stadtbibliothek ein. Dort arbeitet Jennifer (Susan Sarandon, Jeff, der noch zu Hause lebt), die Frank regelmäßig den Tag versüßt. Weil jedoch die alten Bücherbestände einem digitalisierten Leiherlebnis Platz machen sollen, beschließt Frank ein besonderes Exponat an sich zu nehmen.

Im Sinne ‘altersgerechter Assistenzsysteme für ein gesundes und unabhängiges Leben’ (aktuelle Fördermaßnahme des Bundesministeriums für Bildung und Forschung) wendet sich Robot & Frank einem brisanten Themenkomplex zu. Selbstbestimmt zu Leben, heißt die eigenen Schwächen anzuerkennen und Hilfe zuzulassen. Doch um welchen Preis? Jake Schreier hat den romantischen Entwurf einer Mensch-Roboter-Beziehung gezeichnet, der der hitzigen Diskussion um Lebensqualität durch Technologie eine positiv-optimistische Note beifügt. Wenn ein liebenswerter Roboter als einzige Projektionsfläche der eigenen Wünsche übrig bleibt, dann kann man, wie hier geschehen, durchaus ein wohlgesinntes Fazit ziehen. Trotzdem nimmt die gewählte Tonalität der wissenschaftlichen Fiktion auch ihre Schärfe. Schreier tut gut daran sich mit übermütigen Wertungen zurück zu halten und das Thema eher in Hinblick der familiären Beziehungen zu Franks Sohn Hunter (James Marsden, X-Men) und seiner Tochter Madison (Liv Tyler, Der Herr der Ringe) aufzulösen. Der letzte Satz in Sachen Digitalisierung ist damit natürlich noch nicht gesprochen, jedoch ein erzählenswertes Kapitel beendet.