Restless

Veröffentlichung  13. Oktober 2011    Regie  Gus Van Sant    Darsteller  Mia Wasikowska  Henry Hopper
Foto: Sony Pictures Releasing
 IMDb-Wertung
Foto: Sony Pictures Releasing

In Gus Van Sants neuestem Streich dreht sich alles um Annabel Cotton (Mia Wasikowska) und Enoch Brae (Henry Hopper) – zwei Jugendliche, die in der bisher schwersten Zeit ihres Lebens zueinander finden.

Annabel ist ein naturverliebtes und lebensbejahendes Mädchen, wohingegen sich Enoch besonders eigenbrötlerisch und verschlossen zeigt. Nach dem plötzlichen Tod seiner Eltern hat er jegliche Lust auf das Leben und andere Menschen verloren. Doch als er bei einer Beerdigung, auf welche er sich heimlich einschleicht, auf Annabel trifft, verändert sich alles. Mit einem Mal traut er sich langsam wieder aus seinem Schneckenhaus heraus, sammelt gar verkleidet gemeinsam mit seiner neu gewonnenen Freundin Süßigkeiten zu Halloween. Nur ist vorherbestimmt, dass ihr Zusammensein nicht lange währen wird, da Annabel unheilbar an Krebs erkrankt ist. So traurig schon zu Beginn dieser Fakt stimmt, so intensiv und schnell entwickelt sich die außergewöhnliche Beziehung der Beiden.

Das von Jason Lew geschriebene Drama fängt mit Klängen von The Beatles an, um den Zuschauer dann in den amerikanischen Herbst und das Schicksal zweier junger Menschen zu geleiten. Dabei ist die Besonderheit die Erzählweise der noch frischen Liebe. So stehen die Hauptakteure nicht stellvertretend für eine ganze Generation, sondern eben individuell für sich. Dabei versteht sich Gus Van Sant darauf den Charakteren ein gesamtes Leben einzuverleiben, ohne jedoch unnötig viele Worte zu verlieren. Der Editor des Films, Elliot Graham, meinte dazu: „Gus doesn’t want to do the same thing you’ve seen before. He wants to tell stories that are emotionally relevant and visually unique.” Und das ist ihm nach Meisterwerken wie Milk und Elephant ein weiteres Mal durchaus gelungen. Hinzu kommt, dass sich der Sohn von Schauspiellegende Dennis Hopper, nämlich Henry Hopper, zum ersten Mal vor der Kamera versucht und damit eine Glanzleistung hinsichtlich kleiner Gesten und Ausstrahlung hingelegt hat. Denn um mit seinen eigenen Problemen trotz der selbstgewählten Isolation zu Recht zu kommen, hegt sein Charakter Enoch den Kontakt zu einem Geist namens Hiroshi (Ryō Kase), welcher beim Schiffe versenken immer gewinnt und ihm viele Lebensweisheiten zu erzählen vermag. Die Gespräche mit Hiroshi ermöglichen dem traumatisierten Jungen mit seinen eigenen ruhelosen Gedanken, mit der Vergangenheit abzuschließen. Um genau solche Augenblicke für den Zuschauer echt wirken zu lassen, wurde beim Drehen jede Szene zuerst ohne die Dialoge performt, so dass die Darsteller die Energie des Moments vollkommen spüren und für sich nutzen konnten. „Restless“ ist somit ein unaufgesetzter, bittersüß obskur erzählter Film (mit visueller Natürlichkeit) über das noch fehlende Puzzleteil und man sollte ihn in keinem Fall auf der großen Leinwand verpassen.