Ralph reichts

Veröffentlichung  06. Dezember 2012    Regie  Rich Moore    Darsteller  John C. Reilly  Sarah Silvermann  Jack McBrayer
Foto: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany
 IMDb-Wertung
Foto: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Schöne bunte 8-bit-Welt

In Ralph reichts werfen wir einen Blick hinter die eindimensionale Fassade alter Spielautomaten und begegnen einem Bösewicht wider Willen. Denn die Lorbeeren erntet immer ein anderer – Ralph hat die Nase voll und verlässt sein Spiel. In einem turbulenten Abenteuer bekommt er endlich die Chance sein großes Herz unter Beweis zu stellen.

Nachdem sich Disney immer mehr Know-How eingekauft hat (zuletzt die Produktionsfirma Lucasfilm vom Star Wars-Erfinder George Lucas samt aller Rechte für Fortsetzungen), scheint es auch filmisch wieder aufwärts zu gehen. Man versucht sich mit Sci-Fi-Werken wie TRON: Legacy oder der Meuterer-Action Pirates of the Caribbean interessenübergreifend als Medienhaus der vielen Geschmäcker zu profilieren. Nach dem erfolglosen Versuch in Form von Küss den Frosch (2009) alte Märchenstrukturen wieder aufzuwärmen, beschritt man mit Rapunzel – Neu verföhnt auch in Sachen Animation wieder erfolgreichere Pfade. Und mit Ralph reichts präsentiert das renommierte Filmstudio zur Weihnachtszeit nun eine liebreizende Geschichte über einen Bösewicht auf der Suche nach ein wenig Anerkennung. Pixar-Mastermind John Lasseter hat als ausführender Produzent persönlich sichergestellt, dass dieser Animationsfilm die folgenden drei Dinge beherzigt:

It tells a compelling story that’s unpredictable and keeps viewers in the edge of their seats, it populates the story with really memorable and appealing characters, and it puts that story and those characters in a believable world. (John Lasseter)

Ralph (John C. Reilly, Stiefbrüder) reichts. Dem Zerstörer mit den riesigen Pranken mangelt es an Wertschätzung. Seit 30 Jahren mimt er in dem Arcade-Videospiel “Fix-It Felix Jr.” die Rolle des Schurken und legt das Haus der Bewohner von Niceland in Schutt und Asche. Der Spieler widerum steuert Fix-It Felix (Jack McBrayer, Ich – Einfach unverbesserlich) höchstpersönlich und macht ihn durch seine Reparaturarbeiten am Haus zum unmissverständlichen Helden seiner Welt. Dafür wird er mit köstlichem Kuchen und Medaillen entlohnt – während Außenseiter Ralph bei der Feier am Ende eines jeden Spiels nur neidisch zuschauen darf. Als auch die Treffen bei den Anonymen Bösewichten keine Besserung versprechen, stürzt er sich in ein wildes Abenteuer quer durch die verrücktesten Videospiel-Welten. Seine Suche nach einer Medaille führt ihn über die Game Central Station, dem Verkehrsknotenpunkt aller Videospiele, über den hochmodernen Ego-Shooter “Hero’s Duty” in das überzuckerte Racing-Game “Sugar Rush”. Dort lernt er die aufgeweckte Fahrerin Vanellope (Sarah Silvermann, School of Rock) kennen, die ihrerseits in der Rennwelt aus Süßigkeiten, Keksen und Schokolade als Außenseiterin abgestempelt ist. Gemeinsam versuchen sie sich gegen den fiesen King Candy (Alan Tudyk, Transformers 3) zu behaupten und endlich einmal zu gewinnen.

Der 3D-Film stellt sich als ein großer Spaß für Jung und Alt dar. Mit seinem Mix aus einer flotten Story und visuellen Elementen aus einer vergangenen Zeit begeistert Ralph reichts über alle Altersstufen hinweg. Während Randale-Ralph nicht grundlos an Donkey Kong erinnert und Fix-It Felix wesentlichste Eigenschaften von Super Mario entlehnt sind, greifen die Macher um Regisseur Rich Moore mit Auftritten von alten Street Fighter-Charakteren, Pac-Man, Sonic und vielen mehr beim Zuschauer bewusst auf einen prall gefüllten Schatz an persönlichen Erinnerungen zurück. Nicht zuletzt punkten sie mit der liebevollen Geschichte eines ausgestoßenen Gutmenschen, der nicht nur zu sich selbst findet, sondern auch einer Leidensgenossin begegnet. Drehbuchautor Phil Johnston hebt diesbezüglich auch noch einmal seine Intention für Ralphs weiblichen Gegenpart hervor:

With Vanellope, we were looking for a character that would mirror Ralph’s struggles. She’s an outsider. The kids pick on her. Nobody really likes her and they exclude her from the races. And all she wants to do is race – to be part of the game – just as Ralph wants to be a part of his community in Niceland. (Phil Johnston)

Ralphs Stimme stammt im Original von John C. Reilly. Der Charakterdarsteller belebt die missverstandene Hauptfigur durch eine vielschichtige Synchronarbeit. Im einen Moment brüllt er wie ein wütender Löwe und im nächsten serviert er zarte Mousse au Chocolat. Gemeinsam mit seinen Kollegen um Sarah Silvermann, Jack McBrayer und Jane Lynch sind sie dem bunten Charakterhaufen wie aus dem Gesicht geschnitten. Und noch ein nettes Detail am Rande: in einen Gastauftritt heizt sogar Electro-DJ Skrillex den Nicelandern auf ihrer Party zum 30-jährigen Spielejubiläum gehörig ein. Dieses und weitere Highlights wie die gelungene Stereoskopie inklusive satter Farben machen Ralph reichts neben Merida – Legende der Highlands und Die Piraten – Ein merkwürdiger Haufen zu einem der besten Animationsfilme des Jahres 2012.

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