Promised Land

Veröffentlichung  24. Oktober 2013    Regie  Gus Van Sant    Darsteller  Matt Damon  John Krasinski  Frances McDormand
Foto: Universal Pictures Germany
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Fracking beschreibt eine Methode der Erdöl- und Erdgasförderung, die bei Tiefenbohrungen angewandt wird. Chemikalien sorgen für Risse in der Erde und erhöhen die Durchlässigkeit der wertvollen Rohstoffe. Was der Wirtschaftlichkeit nützt, schadet jedoch der Umwelt. Denn wenn die gefährlichen Substanzen in das Grundwasser gelangen, wird das ökologische Gleichgewicht gestört und ganze Landstriche drohen auszutrocknen. Gus Van Sants (Restless) neuestes Werk Promised Land nimmt sich diesem kribbeligen Thema aus der Sicht zweier Personen an, die im Namen eines Unternehmens arbeiten, welche Profit aus der wirtschaftlichen Not ganzer Landstriche generiert.

Pennsylvania ist von der Wirtschaftskrise schwer getroffen. Die angeschlagene Landwirtschaft prägt das Bild der Region. Das soll sich aber schon bald ändern, wenn man den Vertretern von Globale Crosspower Solutions Glauben schenkt. Steve Butler (Matt Damon, Die Bourne Identität) und Sue Thomason (Frances McDormand, Moonrise Kingdom) versprechen das große Geld: sie schließen kurzfristig lukrative Pachtverträge mit den Bewohnern und sichern sich so langfristig die Schürfrechte auf dem wertvollen Land. Ein Pakt mit dem Teufel? Die Perspektivlosigkeit treibt die ersten Grundbesitzer dankbar in ihre Arme – doch es formiert sich Widerstand. Zu dem Lehrer und früheren Ingenieur Frank Yates (Hal Holbrook, Lincoln) gesellt sich schon bald der Aktivist und Umweltschützer Dustin Noble (John Krasinski, Das Büro), der gewaltige Anschuldigungen gegen den Energiekonzern hervorbringt. Um die Grundbesitzer umzustimmen, müssen Butler und Thomason nun alle Häuser einzeln aufsuchen. Doch während die Checks größer werden, wächst auch der Stolz der Gemeinde – der Auftrag wird zur Zerreißprobe. Überwältigt vom Zusammenhalt und der Gastfreundschaft der Bewohner muss auch Butler erkennen, dass er nur ein kleines Rad im Gefüge eines multinationalen, skrupellosen und Milliarden Dollar schweren Unternehmens ist.

Matt Damon, der Promised Land ursprünglich als sein Regiedebüt auserkoren hatte, stellt mit dem Film erneut unter Beweis, dass er nicht nur wie gemacht ist für Landidylle und Flanellhemden (siehe Wir kaufen einen Zoo), sondern auch ein gutes Gespür für die Auswahl seiner Rollenangebote hat. Er verkörpert einen rechtschaffenen Mann, dem niemand nachsagen kann er wäre unmoralisch oder verdorben – scheinbar stellt er seine vertrauenswürdige Art nur einfach in den Dienst der falschen Leute. „Promised Land“ wird so zu einer aufwühlenden Charakterstudie, in der es darum geht den Dienst nach Vorschrift zu hinterfragen und einen Standpunkt zu seinem eigenen Handeln herauszuarbeiten. Seine Mitstreiterin wird von Frances McDormand verkörpert, deren Figur weitaus abgeklärter mit den moralischen Herausforderungen des Jobs umgeht und sorgt so für einen stimmigen Gegenentwurf zu der Emotionalität des männlichen Kollegen. Es sind weniger die einsamen als die kommunikativen Momente, die Promised Land seinen besonderen Esprit verleihen. Etwa die urkomischen Situationen, wenn Damon und McDormand gemeinsam im Auto unterwegs sind, sie zu klein geratene Pferde bewundern oder Kinder fragen, ob sie die Besitzer eines Grundstücks sind, auf welchem diese gerade spielen. Durch kleine Schmunzler schafft es das Drehbuch die Dringlichkeit des Themas aufzulockern, ohne jedoch das Anliegen des Umweltschutzes aus dem Blick zu verliehen.

Die Idee zum Film geht auf Darsteller John Krasinski zurück, der den befreundeten Autor Dave Eggers (Wo die wilden Kerle wohnen) bat einen ersten Entwurf zu schreiben. Beide arbeiteten bereits gemeinsam an der Umsetzung von Away We Go – Auf nach Nirgendwo (Eggers als Autor und Krasinski als Hauptdarsteller). Später feilte Krasinski dann mit Matt Damon an dem Drehbuch. Letzterer gab die filmische Umsetzung schließlich aus zeitlichen Gründen an seinen guten Freund Gus Van Sant ab. Beide haben schon 1997 an dem Oscar prämierten Drama Good Will Hunting zusammengearbeitet und verdeutlichen mit Promised Land, dass sie auch 16 Jahre danach ein gutes Gespann abgeben. Denn mithilfe der vielschichtigen Darbietung Damons und der Wärme, mit welcher Gus Van Sant ein weiteres Mal an die Geschichte herangeht, ist der 106-Minüter ein informatives wie spannendes Drama geworden, was es dem Zuschauer nicht leicht macht das Richtig und Falsch für sich selbst herauszufinden.

 

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Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  24. Oktober 2013    Worte  624
Permalink  http://www.farbensportlich.de/promised-land/    Farbe  #735162
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