Prince Avalanche

Veröffentlichung  26. September 2013    Regie  David Gordon Green    Darsteller  Paul Rudd  Emile Hirsch
Foto: Kool Filmdistribution
 IMDb-Wertung
Foto: Kool Filmdistribution

In der Einöde festgefahren

Am Anfang des Jahres erhielt David Gordon Green auf der Berlinale bereits einen Silbernen Bären für die beste Regie. Nun kommt seine Independent-Dramödie Prince Avalanche endlich ins Kino und man kann sich selbst davon überzeugen wie absolut gerechtfertigt dieser Preis für den US-Regisseur ist, welcher seine Story auf dem isländischen Film Either Way von Hafsteinn Gunnar Sigurðsson basieren lässt.

Alvin (Paul Rudd, Our Idiot Brother) und Lance (Emile Hirsch, Into The Wild) sind Partner wider Willen. Der eine möchte lieber mit der Natur und sich allein sein, der andere wünscht sich nur die Wochenenden und Partyspaß herbei. In der Einöde gefangen, bedenken sie eine schier endlose Straße in einem abgebrannten, texanischen Waldgebiet mit gelber Mittelstreifenlinie und Pfosten. Tag ein, Tag aus arbeiten sie dort still vor sich hin und sind doch so voller angestauter Aggressionen und unausgesprochener Sehnsüchte. Dies ist eine Geschichte über Männer.

Erst beschert uns Regisseur David Gordon Green solche unterirdischen Geschmacklosigkeiten wie Your Highness (2011) oder auch Ananas Express (2008) und nun überrascht er plötzlich mit einem nonchalant inszenierten Road-Movie. In Prince Avalanche geht es um das Erwachsenwerden sowie das Zusammenwachsen zweier völlig unterschiedlicher Männer. Alvin hat den jüngeren Lance nur unter seine Arme genommen, weil dieser der Bruder seiner Freundin ist. In der Isoliertheit soll Lance nun endlich mal etwas zustande bringen, etwas richtig machen. Doch was der Zuschauer in den rund anderthalb Stunden geboten bekommt, ist kindisches Gehabe und Stammtisch-Philosophie in einer höchst charmanten Art und Weise.

Diese beiden Figuren sind eigentlich ein Gespräch zwischen zwei Versionen von mir selber. Diese Art, wie ich mit mir selber streite oder mir gegenüber als Advokat des Teufels auftrete. Ich schrieb die Figuren aus großer Nähe und eigener Sicht. (David Gordon Green)

Das Ganze wurde in gerade einmal 16 Tagen und rund 60 Seiten Skript im Mai 2012 gedreht. Herausgekommen ist ein einfühlsames Charakterstück, welches ohne unnötige Nebenhandlungen oder Spezialeffekte zu betören weiß. Allein die Einstellungen, in denen Alvin auf eine ältere Frau (Joyce Payne) trifft, sind ein besonderes Schmankerl. Mit ihrer Natürlichkeit und der mitschwingenden Traurigkeit avanciert sie zum überraschenden Herzstück des Filmes, wenn sie davon erzählt wie sie durch den Brand ihr Haus verloren hat. Nun steht sie in den Trümmern, sucht darin nach Überresten und scheint den Tränen nah. Diese Fragilität der Frau lässt sich auf das gesamte Werk übertragen, das so voller Seele steckt, dass man es allen Beteiligten gern glaubt, dass sie diese auch voll und ganz in ihr artistisches Abenteuer Prince Avalanche hineingesteckt haben.