Portugal. The Man

Album  Evil Friends    Veröffentlichung  31. Mai 2013
Foto: Hella Wittenberg Foto: Hella Wittenberg

Es ist bereits Freitagabend als sich der Himmel dazu entschlossen hat es so regnen zu lassen, dass man sich fühlt als würde man kontinuierlich mit einem triefend nassen Waschlappen geohrfeigt werden. Doch erst einmal am Berliner Astra Kulturhaus angekommen, können endlich echte Wochenendgefühle aufblühen. Denn in Gesellschaft von Portugal. The Man wird alles gleich ein bisschen menschenfreundlicher, wohliger und schlichtweg besser. Bevor sie vor voller Hütte mit ihrem diesjähriges Album „Evil Friends“ vorstellig wurden, fanden Bassist Zachary Carothers und Keyboarder Kyle O’Quin die Zeit für einen Plausch über ihre Abhängigkeit von einander, die Bewältigung von freier Zeit sowie über die Kraft von Musik.

Portugal. The Man – dahinter steckt eine wahre Männerfreundschaft, richtig?

Zachary Carothers: Quatsch, wir sind nur Arbeitskollegen! (lacht) Ach nein, diese Typen sind meine besten Freunde. Wir leben auch gemeinsam in einem Haus.

Kyle O’Quin: Wir sind eine große, glückliche Familie!

Zach: Und kennen einander in und auswendig.

Wie gut? Was ist das Besondere an eurem Gegenüber?

Zach: Kyle ist einfach ein lieber Typ. Er ist der beste Musiker, den ich kenne. Und er weiß auch mehr darüber als jeder andere.

Kyle: Zach ist sehr großzügig. Er gibt einem immer eine Zigarette ab. Viele Leute glauben, dass er reich ist, weil er so gerne allen Drinks spendiert. Aber ich weiß es besser. (lacht) Naja, irgendwie färbt seine Großzügigkeit auch auf mich ab.

Zach: Wir leihen uns ständig Geld. Entweder bin ich gerade total arm dran oder er. Aber wir zahlen es auch nach einer Weile wieder zurück. Das haben wir ziemlich gut im Griff.

Wann hattet ihr das letzte Mal Zeit euch zurückzulehnen und nachzudenken?

Zach: Wir haben erst kürzlich einige Wochen frei gehabt, was selten geworden ist. John und ich verbrachten 2 Wochen mit unseren Familien in Alaska. Die Zeit nutzten wir, um über viele Dinge nachzudenken. Das tat ziemlich gut.

Kyle: Mich macht es ganz fertig die Jungs nicht sehen zu können. Ich war in der Zeit für eine Woche in Seattle und habe mir schon die Frage gestellt, ob ich überhaupt noch in einer Band spiele oder was eigentlich gerade falsch läuft…

Zach: Es ist schon komisch. Zu Hause bin ich viel ruheloser als auf Tour und wenn wir nicht alle zusammen sind, habe ich das Gefühl, dass etwas Schlimmes passieren wird. Wir sind total abhängig von einander geworden. Ein Grund dafür ist, dass wir es alle mögen ständig zu arbeiten. Wir haben auch ein Studio in unserem Haus. Also reden wir die ganze Zeit über das nächste Album, die nächste Tour, über Musik.

Sind eure Familien auch in euren Musiker-Alltag integriert?

Zach: Definitiv, Familie ist uns sehr wichtig. Jeder in der Band hat wahnsinnig tolle Eltern. Sie sind sehr unterstützend und kommen auch alle mal mit auf Tour für eine Weile. Das ist ein echter Spaß. Papa Gourley ist einer meiner liebsten Menschen. Er ist mein Bro!

Denkt ihr, dass Musik noch immer einen großen Einfluss auf das Leben anderer Menschen haben kann?

Zach: Heutzutage ist alles viel weitläufiger. Als ich aufgewachsen bin, konnte ich nicht 400 Alben in meiner Tasche herumtragen. Es gab also 10 Bands, die ich richtig liebte und für die ich gestorben wäre. Heutzutage muss man sich nicht mehr beschränken. Das führt dazu, dass jeder lediglich eine Menge Bands „mag“.

Kyle: Ich hasse das…

Zach: Trotzdem glaube ich daran, dass es noch immer diese besondere Verbindung gibt. Dass Menschen einige wenige Bands haben, die sie ganz nah an ihrem Herzen tragen. Wir kriegen häufig Nachrichten, in denen uns Menschen davon erzählen wie unsere Musik ihnen geholfen hat harte Zeiten durchstehen zu können. Sachen, die ich mir nicht mal vorstellen kann. Diese Nachrichten bedeuten mir alles.

Worum geht es in den Nachrichten?

Zach: Uns schreiben Menschen, die im Krieg sind. Wie sie angeschossen wurden und ihr Freund eine Woche zuvor gestorben ist. Sie erzählen, dass alles so verrückt sei, da wo sie sich befinden. Und dass nur unsere Musik ihnen helfen würde, etwas runterzukommen. Es schreiben uns auch Leute, die mit schlimmen Krankheiten kämpfen oder ihre Liebsten verloren haben. Wenn wir da in irgendeiner Art und Weise helfen können, ist das ein sehr gutes Gefühl.

Mit welchen Bands konntet ihr euch früher identifizieren?

Kyle: Das erste Album, welches ich auf Kassette besaß, war eines von Green Day.

Zach: Alles aus dem Bandkatalog von Nirvana war mir eine große Stütze. Weil es lyrisch sehr vage ist. Ich kann Cobains Texte zu allem adaptieren, was gerade in meinem Leben abgeht. Das liebe ich daran. Ich entscheide, worum es in dem Text geht. Das Gleiche gilt für Pink Floyd, Led Zeppelin und einer Menge Beatles’ Songs. Und das ist auch etwas, das ich für unsere Texte möchte. Also auch wenn es um etwas sehr Persönliches geht, soll es immer noch für viele andere Menschen Sinn ergeben können. John ist sehr gut darin. Auf dem letzten Album ist er persönlicher als je zuvor geworden. Ich glaube, dass dies einen großen Schritt nach vorn für sein Songwriting darstellt.

An welchem Ort auf der Welt fühlt man sich am einsamsten?

Zach: Alaska ist ein ziemlich einsamer und isolierter Ort. Aber da bin ich auch aufgewachsen und meine Familie ist dort. Das wiederspricht sich also ein bisschen. Ich kann es auch sehr genießen, wenn ich mal allein bin. An meinem Geburtstag im letzten Jahr verbrachte ich den ganzen Tag allein in einem Hotelzimmer. Weil ich das sonst nicht habe, wollten mich die Jungs auch nicht stören. Es war sozusagen ihr Geschenk an mich. Es war zwar nur ein dunkles Hotelzimmer, was jetzt bestimmt ziemlich traurig klingt… Aber ich hatte den besten Tag überhaupt! Ich habe mich gar nicht erst angezogen und blieb bis 6 Uhr abends in Unterwäsche. Es war großartig!