Paula

Veröffentlichung  26. Mai 2017    Regie  Christian Schwochow    Darsteller  Carla Juri  Albrecht Abraham Schuch  Roxane Duran
Foto: Pandora Film Verleih
 IMDb-Wertung
Foto: Pandora Film Verleih

Viel Kreativität, Kunst, Liebe, aber vor allem auch sehr viel Ego

Frauen können keine Malerin sein? Als ob! Paula basiert auf der Biografie der erfolgreichen Expressionistin Paula Modersohn-Becker, die im 20. Jahrhundert lernte, sich gegen Vorurteile durchzusetzen.

Bremen im Jahr 1900: Paula Becker (Carla Juri) hat ein klares Ziel. Die 24-Jährige will unbedingt Malerin sein. Und zwar eine richtig gute und berühmte. Aber in dieser Zeit erwartet man anderes von Frauen und nur die wenigsten können ein derartig selbstbestimmtes Leben führen. Doch das soll Paula nicht stören. Sie kehrt ihrem alten Leben den Rücken zu und zieht in eine Künstlerkolonie in Worpswede. Dort trifft sie endlich auf Gleichgesinnte, wie beispielsweise die Bildhauerin Clara Westhoff (Roxane Duran). Aber vor allem der Landschaftsmaler Otto Modersohn (Albrecht Abraham Schuch) hat es ihr angetan. Je näher sich die beiden kommen, desto mehr lernt Paula auch über sich und ihre Kunst.

Ein Film über eine starke Persönlichkeit

Carla Juri hat schon in Feuchtgebiete bewiesen, dass sie es hinbekommt mit ihrem Schauspiel einen komplett vom Hocker zu hauen. Sie spielt locker, frisch, mutig und wirklich einzigartig. Und genau das macht sie auch so perfekt für die Rolle der großen Malerin Paula Modersohn-Becker. Bei einem Satz wie „Frauen können nie etwas Schöpferisches hervorbringen, außer Kinder“, ausgesprochen von einem Mann, will man als Reaktion nur bitter auflachen. Aber Carla Juri schafft schon mit ihrem Blick ein Gegenargument. Sie muss nicht viel erklären, sich nicht aufregen. Allein ihre Präsenz überzeugt. So bezaubert nicht nur der Eigensinn der Paula Modersohn-Becker, es bezaubert auch der von Carla Juri. Sie ist echte Frauenpower – und das Charisma von Juri ist es auch, das uns zum Weitergucken animiert, wenn der Film wieder einmal eine seiner Längen hat.

Die ganz große Liebe?

Regisseur Christian Schwochow (Westen, Die Unsichtbare) hat eine klare Message: Es geht nicht ums Unterordnen, sondern ums gemeinsame Feiern des Lebens. Die Künstlerin, die er so liebe- und würdevoll portraitiert, wurde gerade einmal 31 Jahre alt. Zu ihrer Lebenszeit blieben ihre Kunst und ihre moderne Herangehensweise verkannt. Selbst ihr Mann verstand sie nicht. Und so sehr sich das Drama auch darum dreht, wie stark die beiden Maler miteinander sind und wie sehr sie einander lieben – es fehlt etwas zwischen ihnen. Schwochow zeigt seine Protagonistin und ihren Willen überdeutlich. Nicht aber, was das Ehepaar letztlich zusammenhält. Otto bleibt Paula immer ein Kind schuldig. Er verdient das große Geld, sie muss sich einzig mit dem Gefühl des Geliebtwerdens zufrieden geben. Ein hartes Los. An der Stelle würde man gern mehr über die Psyche und die Beweggründe von Paula wissen, doch das wird nicht weiter beleuchtet. Viel lieber möchte uns Schwochow die einzelnen Stationen im kurzen Leben der Expressionistin darstellen. Alles schön brav hintereinander. Das ist aber leider nicht das, was das wirklich Spannende an dieser Ausnahmekünstlerin ist.

Historien-Dramen hängt immer so etwas Verstaubt-Langweiliges an. Gott sei Dank spielt Carla Juri in Paula die Hauptrolle. Die ist nämlich rundum super und hilft dem generell schon etwas dröge gewordenen Filmschinken letztlich doch ein paar Funken zu versprühen.

 

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Rubrik  Heimkino    Autor      Datum  15. Mai 2017    Worte  496
Permalink  http://www.farbensportlich.de/paula/    Farbe  #daa293
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